Der Berufsverkehr müsste als erstes umgestellt werden

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Keine Fahrverbote für Diesel-Autos

Der Berufsverkehr müsste als erstes umgestellt werden

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Oberösterreichische Diesel-Autobesitzer können beruhigt sein: Der Dieselantrieb wird noch auf Jahre hinaus unverzichtbar sein. Von daher wird es ein Fahrverbot für alte Dieselautos in Städten so schnell auch nicht geben.

Ein Beitrag von Chefredakteur Kurt Guggenbichler

In Oberösterreich gibt es in etwa eineinhalb Millionen Einwohner und etwas mehr als eine halbe Million Dieselautos. In Summe 530.479 PKW (Stand Ende 2017). Das sind fast 58 Prozent aller Personenkraftwagen in unserem Bundesland.

57.015 Diesel-PKW

Auch in Linz werden mehr als die Hälfte aller PKW mit Diesel betrieben, nämlich 57.015 Wagen, und daran wird sich nach Auskunft von Verkehrsexperten so schnell auch nichts ändern.
Die immer noch vorhandene Angst vieler Oberösterreicher, mit ihrem alten Diesel schon bald nicht mehr überall hinfahren zu können, ist unbegründet.

„Das nächste Auto, das ich mir kaufen würde, wäre ein Dieselfahrzeug“, versichert der oberösterreichische Infrastrukturlandesrat Günter Steinkellner und er beruhigt: Fahrverbote wie in Deutschland werde es nicht geben!

Geringfügige Grenzwertüberschreitungen

Auch wenn der Abgasskandal zeigte, dass der Diesel nicht so schadstoffarm sei wie dies den Autofahrern all die Jahre über eingeredet wurde, so habe man hier in Oberösterreich, was die Luftverschmutzung betreffe, keine deutschen Verhältnisse betont Steinkellner und erläutert: „Wir haben hier nur geringfügige Grenzwertüberschreitungen, abgesehen von ein paar örtlichen Situationen.“

Dass sich die Luftverschmutzung in Österreich in punkto Feinstaubbelastung im langjährigen Trend verbessert habe, leugnet auch Umwelt-Landesrat Rudi Anschober nicht. Doch hinsichtlich der Grenzwerte für Stickstoffoxyd (NO2) gebe es noch problematische Situationen wie in Linz beim Römerberg und an der A 1 bei Enns.

Bau der vierten Donaubrücke

„Das schauen wir uns gerade an“, sagt Steinkellner, der auch nicht bestreitet, dass Dieselfahrzeuge für eine gewisse Art der Luftverschmutzung verantwortlich sind. Doch während Anschober das Problem mit einem Ende der steuerlichen Dieselbevorzugung in den Griff bekommen möchte, setzt Steinkellner nicht nur auf den Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel, sondern auch auf den Bau der vierten Donaubrücke und die Sanierung der restlichen Donaubrücken. Dies alles führe letztlich zu Verkehrsentlastungen, wodurch es zwangsläufig auch zur Luftverbesserung käme.

Taxi-Problem

Deshalb ist es seiner Ansicht nach auch nicht nötig, die Besitzer von alten Dieselautos durch Fahrverbote praktisch zu enteignen wie dies in Deutschland passiere. Denn bevor es bei uns soweit käme, müsste man sich erst um den Berufsverkehr kümmern. „In Linz gibt es noch viele Taxiunternehmer, die mit uralten Dieselautos herumfahren und damit noch Geld verdienen“, ärgert sich Steinkellner: „Dafür habe ich kein Verständnis. Die fahren im Jahr 50.000 Kilometer während ein Pensionist höchstens 200 Kilometer schafft.“

Deshalb schlägt Rudi Anschober vor, die Linzer Taxis auf Elektroantrieb umzurüsten. Was aber passiert mit dem Schwerverkehr? Nahezu alle LKW sind Dieselfahrzeuge, „denn Österreich ist ein klassisches Dieselland“, konstatiert Bernd Zierhut, der Geschäftsführer der Doppler-Gruppe und auch Franz Joseph Doppler, der Eigentümer des Welser Treibstoffunternehmens, glaubt, dass die Umstellung des Schwerverkehrs wesentlich schwieriger zu bewerkstelligen sein werde. Aus diesem Grund, ist er überzeugt, werde man noch einige Zeit genügend Diesel­treibstoff verkaufen, auch wenn dieser Absatz sukzessive weniger werden wird.

Öffi-Ausbau

Doch die Doppler-Gruppe arbeite bereits an neuen Geschäftsmodellen für die Zukunft (siehe dazu auch Seite 9) und setze künftig verstärkt auf die Dekarbonisierung. „Im Bereich der Kraftstoffe werden wir uns verstärkt alternativen Antriebsformen widmen.“ Umwelttechnisch gesehen sei die ganze Debatte um die Dieselmotoren-Reduktion grundsätzlich nicht negativ, betont Franz Joseph Doppler und ist sich darin mit Günter Steinkellner einig, der versuchen muss, den rasant wachsenden PKW-Verkehr einigermaßen in Zaum zu halten. Denn Fakt sei eine jährliche Zunahme von 3 Prozent an Autos im urbanen Raum. In zehn Jahren sind das dann 30 Prozent.

So viele Straßen, die man dann zur Bewältigung bräuchte, könne er gar nicht bauen, erläutert der Infrastruktur-Landesrat, weshalb ihm gar nichts anderes übrig bleibe als den öffentlichen Verkehr zu forcieren und die Menschen zur Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel zu motivieren. Dabei scheint man auch schon erste Erfolge zu erzielen wie man am Beispiel der neuen Straßenbahn nach Traun sehen könne, erläutert Steinkellner, die unglaubliche Passagierzuwächse verzeichne. Bis zur Zielerreichung wird freilich noch einiges Wasser die Donau hinunterfließen.

Ohne Illusion

Daher werde man sicher noch eine ganze Weile mit dem Dieselmotor leben müssen, gibt sich ARBÖ-Landesgeschäftsführer Thomas Harruck keinen Illusionen hin. Er weiß, dass sich viele gar kein neues Auto leisten können oder wollen. Doch langfristig müsse die Politik einen Übergang von fossilen zu erneuerbaren Energieträgern planen, rät ÖAMTC-Geschäftsführer Josef Thurnhofer, gleichwohl auch er – wie alle anderen Verkehrsexperten – weiß, dass der Dieselmotor noch lange eine wichtige Rolle im Verkehr und in der Transportwirtschaft spielen werde. Sogar die Grüne Linzer Umweltstadträtin Eva Schobersberger kann sich die Schaffung einer Umweltzone in der Landeshauptstadt zum derzeitigen Zeitpunkt nicht vorstellen. Dies wäre für sie wirklich nur eine allerletzte Möglichkeit.

Industrie gefordert

Die Grünen wie auch Rudi Anschober als Landesrat sollten sich einmal darum kümmern, welche Anstrengungen die Automobilindustrie unternimmt, um die CO2-Zielwerte zu erreichen, sagt die Landtagsabgeordnete Evelyn Kattnig (FPÖ). Sie verwehrt sich auch gegen den Vorwurf, dass der Dieselmotor der einzige Grund für die Überschreitung der Grenzwerte am Römerbergtunnel sei.

Bei Verbannung des Dieselmotors, ist sie überzeugt, würden außerdem neue Umweltprobleme entstehen. Durch spezielle Abgasbehandlungsverfahren wie „AdBlue“ gäbe es auch schon effektive Möglichkeiten für die Abgasreduktion beim Dieselmotor, was auch Doppler-Geschäftsführer Bernd Zierhut bestätigt.

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