Der Mythos rund um den Traunstein

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Ausstellung im Seeschloss Ort

Der Mythos rund um den Traunstein

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Die beeindruckende Ausstellung „Mythos Traunstein“ im Gmundner Seeschloss Ort geht bereits in die zweite Runde. „Schon 15.000 Interessierte haben sie bisher gesehen“, erläutert erfreut Gestalter und Spiritus Rector Christoph Mizelli, der noch mit vielen weiteren Besuchern für diese Leistungsschau der Gmundner Bergrettung rechnet. Diese feiert 2020 ihr 100-jähriges Bestehen.

Ein Beitrag von Chefredakteur Kurt Guggenbichler

Der 17. Juli 1991 ist ein strahlend schöner Sommertag. Es ist ein Mittwoch. Kein Wölkchen trübt den blauen Himmel, von dem die Sonne heiß herunterlacht. Bergerprobte Gmundner pflegen bei solchen Wetterlagen „schnell einmal auf den Traunstein zu gehen“ – wie sie sagen.

Lebensrettende Entscheidung

Am Vormittag bricht auch der Gmundner Rechtsanwalt und Bergretter Christoph Mizelli zum Naturfreundehaus auf. Er hat Urlaub und freut sich schon auf den 1.691 Meter hohen Hausberg. Er wird sich aber ein bisschen beeilen müssen. Denn um 17:00 Uhr muss er wieder zurück im Tal sein. Außerdem hat der Wetterbericht für Nachmittag schwere Gewitter im Salzkammergut avisiert.

Also los! Nach einem schweißtreibenden Aufstieg erreicht er relativ schnell den Gipfel. Mittlerweile ist es Mittag geworden. Bei der letzten Querung zum Naturfreundehaus sieht er vor sich zwei Jugendliche in kurzen Hosen, die sich langsamer fortbewegen als Mizelli. Sie sind nur noch einige Meter von ihm entfernt. Er wird sie bald eingeholt haben. Mizelli überlegt kurz, ob er sie überholen soll, lässt es dann aber sein. Noch weiß er nicht, dass ihm diese Entscheidung das Leben retten sollte.

Böse Überraschung

Noch während der Rechtsanwalt überlegt, kracht es laut aus heiterem Himmel. Er zuckt zusammen, Steine fliegen durch die Luft und es riecht nach Schwefel. Bevor er noch richtig realisiert, was da passiert sein könnte, kracht es zum zweiten Mal. Danach erst bemerkt er die pechschwarzen Wolken am Himmel, aus denen noch heftig die Blitze zucken.

Aber wo sind die beiden vor ihm gehenden Burschen geblieben? Sie sind wie vom Erdboden verschwunden. Mizelli ahnt Schlimmes und später werden seine Befürchtungen auch bestätigt als er mit seinen Bergrettungskameraden einen der beiden Burschen tot aus einer Felsrinne bergen muss: Es ist der 17-jährige Peter Pülzl.
Nun kann sich Christoph Mizelli zusammenreimen, was passiert war.

Gmundner Seeschloss Ort

Ein Blitz hat in eine der eisernen Verankerungen der Seilsicherungen eingeschlagen und nicht nur den Burschen getroffen, sondern gleichzeitig auch ein großes Felsenstück herausgeschlagen, das auf den Jugendlichen fiel und ihn über die steile Felswand riss. Dem anderen Burschen ist nichts passiert. Er war nur deshalb nicht zu sehen, weil er sich sofort auf die Suche nach seinem weggeschleuderten Freund begeben hatte.

„Ich selbst bin bei der Geschichte mit einem blauen Auge – einer blutenden Wunde am Oberschenkel und kurzzeitigen Herzrythmus-Störungen – davongekommen, erzählt mir Mizelli bei einem Rundgang durch die vor kurzem wiedereröffnete Ausstellung „Mythos Traunstein“ im Gmundner Seeschloss Ort.

130 Tote

In dieser Ausstellung wird nicht nur an dieses tragische Ereignis erinnert, sondern auch noch an viele andere Unglücke, die sich ereigneten, seit der oberösterreichische Schicksals- und Sehnsuchtsberg am Ufer des Traunsees bestiegen wird. „Seit amtlicher Dokumentation des ersten tödlichen Absturzes im Jahr 1898 haben schon 130 Personen ihr Leben auf dem Traunstein gelassen“, erläutert Mizelli.

Darüber hat er schon vor Jahren auch ein Buch geschrieben hat, von dem es bereits die dritte Auflage gibt. Mit dem Buch und mit der Ausstellung will Mizelli wie vor allem das Wirken der Gmundner Bergrettung würdigen, die 2020 ihr 100jähriges Bestehen feiert. „Die Anfänge seien ziemlich primitiv gewesen“, erläutert er, was die Ausrüstung der Bergretter von damals betrifft und was die Ausstellung im Schloss Ort auch veranschaulicht.

Rätselhaftes Verschwinden

Trotzdem wurde von den vielen ehrenamtlich tätigen Bergrettern seit Gründung ihrer Hilfsorganisation Großartiges geleistet und das wird auch so schnell nicht anders werden. Denn noch immer zieht es jährlich 20.000 Menschen auf den Berg, weiß Mizelli und pro Jahr müssen er und seine Rettungskollegen nach wie vor mindestens 30 Einsätze absolvieren.

Bei mindestens einem davon sei ein Toter zu bergen.
Der 19-jährige Romeo Joris Bachmayr-Heyda, der sich im September 2003 zu einer Traunstein-Begehung aufgemacht hatte, scheint für immer im Berg geblieben zu sein. Denn trotz intensivster Suche ist und bleibt er bis heute verschwunden.

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