Einbruch-Serie in Linz: “Und wann trifft es mich?”

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Am Linzer Froschberg

Einbruch-Serie in Linz: “Und wann trifft es mich?”

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Mit Galgenhumor lassen sich auch unsichere Zeiten aushalten. „Heute ist die beste Gelegenheit für Einbrecher, zuzuschlagen. Wir sind alle bei einer Info-Veranstaltung der Polizei“, sind sich viele Gäste im Linzer Volkshaus Froschberg einig.

Ein Bericht von Georg M. Hofbauer

Doch der Humor hat wirklich eine rein seelische Schutzfunktion, wie sich sofort herausstellt: Nahezu JEDER der rund 220 Gäste im so richtig ausgebuchten Festsaal hat bereits Erfahrungen mit „unliebsamen Gästen“.

Täter flüchtet

Um mit der Verharmlosung gleich aufzuräumen: Sie haben unliebsame Erfahrungen mit reisenden Einbrecherbanden, wurden Opfer von Einbruchdiebstählen. Und nicht nur in der Dämmerung, nahezu bei jeder Tageszeit. In einem Fall wurde eine ebenerdige Wohnung bereits zweimal ausgeräumt.

Beim ersten Mal noch mit geringem Schaden. Beim zweiten Mal, war sehr teurer Schmuck weg. Für immer weg. „Es war mein Fehler, ich habe den Schmuck bei einer Veranstaltung getragen und nicht gleich wieder in den Banksafe getragen“, schildert die Angestellte. Und wenige Tage vor der Veranstaltung sah sie einen vermeintlichen Täter weghuschen, als sie mit dem Auto zu ihrem Haus fuhr.

Zuerst wird ausgekundschaftet

Man solle den „Reichtum“ nicht besonders „heraushängen lassen“, rät der Beamte bei der Präventions-Veranstaltung. Zum Beispiel den Porsche in die Garage stellen und nicht vor dem Haus länger parken. Schließlich werde zuerst beobachtet und ausgekundschaftet – später dann zugeschlagen.

„Das trifft bei mir sicherlich nicht zu“, entgegnet eine Frau im reiferen Alter. „Wir leben in den Eisenbahnerhäusern, in Mehrparteienhäusern. Und ich bin die letzte, wo noch nicht eingebrochen wurde. Ich warte direkt, wann es passiert“, sagt sie ohne jeden anklagenden Ton. Aber ihre Worte machen die Situation deutlich.

Verdächtige Autos

Eine andere, eine jüngere Frau, spricht von eindeutigen Spuren des Auskundschaftens rund um ihr Haus, zuletzt im Schnee. Sie bemerkt „seltsame Leute und einen verdächtigen Kastenwagen“ mit nicht-österreichischen Kennzeichen.

Dass die Frau keineswegs übersensibel ist, beweist die Aussage vom stellvertretenden Landespolizeidirektor Erwin Fuchs im anschließenden Vier-Augen-Gespräch mit dem „Wochenblick“: „Wir haben heuer, in den ersten sechs Wochen des Jahres, neun Einbrüche allein am Froschberg zu verzeichnen. Das war wirklich relativ viel. Wir können in diesem Zusammenhang dann natürlich nicht sagen, es ist nichts los.“

Kriminal-Tourismus

Und Fuchs ist auf Nachfrage bereit, die Täterkreise näher zu definieren. „Selbstverständlich kommen die Täter nicht aus Österreich“, sagt er. So ist eine Litauer Profi-Bande erst vor vier Wochen in Linz erwischt worden. Die bestorganisierten Kriminal-Touristen hatten reihenweise in den sogenannten besseren Wohnvierteln in Linz eingebrochen. Diese Welle sei jetzt wieder vorbei. Vorsorgen, Beobachten, Melden ist angesagt. Selbst einfache Schutzmaßnahmen, wie das Zusperren von Eingangstüren von Mehrparteienhäusern helfe schon und sei in vielen Häusern noch immer nicht Standard.

Immer wieder ist der dringende Wunsch nach persönlicher Polizei-Präsenz zu hören, nicht erst im Anlassfall. Streifendienst zu Fuß und damit mehr Bürgernähe wünscht sich ein älterer Herr so um die Sechzig: „Die Beamten sitzen immer nur im Auto.“ Sie können jederzeit das Streifenauto aufhalten, wenn sie reden wollen, rät ein Sicherheitsbeauftragter. Und erzeugt damit Heiterkeit im Saal. „Bin ja gespannt, wo ich lande, wenn ich das öfter mache“, wird gescherzt.

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