Furcht vor Flut: Dennoch wollen sie bleiben

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Furcht vor Flut: Dennoch wollen sie bleiben

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Seit Jahren kämpfen die Menschen im Eferdinger Becken um ihr Zuhause. 37 Jahre blieben sie vom Hochwasser verschont bis 2002 und 2013 schwere Überflutungen ihr gesamtes Hab und Gut zerstörten. Jetzt könnte es noch schlimmer kommen.

Das Land Oberösterreich will die dort Ansässigen aber nicht schützen, sondern zum Absiedeln zwingen. Der Personalwechsel in der Landespolitik gibt den Bewohnern nun neue Hoffnung. Quer durch alle Polit-Büros versuchte die 2014 gegründete „Initiative Hochwasserschutz Eferdinger Becken“ sich bereits Gehör zu verschaffen. Antworten wie „Wollen Sie den Regen abschaffen?“ stimmten die Flutopfer bisher wenig zuversichtlich.

Der Mensch hat vieles selbst in der Hand

Nach wie vor hält die oberösterreichische Landesregierung an ihrem Plan fest, die dort lebenden Bürger zu enteignen und zum Absiedeln zu drängen anstatt sie vor dem Hochwasser zu schützen. Zwar wurden 2016 vom Land OÖ Pläne für Schutzbauten präsentiert, jedoch nur lückenhaft und ohne geklärte Finanzierung.

Die Eferdinger Initiative hingegen unterbreitete der Politik ein Dutzend Lösungsvorschläge, die ein Absiedeln unnötig machen, die Hochwasserwahrscheinlichkeit senken und Schäden minimieren würden. Unter anderem eine Änderung der Wehrbetriebsordnung der Donaukraftwerke: „Die Donau ist kein Fluss mehr, sondern ein reines Staubecken. Somit hat der Mensch vieles in der Hand“, stellt Gerald Zincke, Sprecher der Eferdinger Hochwasser-Initiative, klar. Durch die Privatisierung der Kraftwerke würde demnach aber jeder sein eigenes gewinnbringendes Süppchen kochen. Ohne Rücksicht auf Verluste.

Grundstücke durch die Umwidmung so gut wie wertlos

Von 156 Absiedelungs-Angeboten, die das Land den jeweiligen Grundstückseigentümern im Eferdinger Becken unterbreitete, wurden mehr als die Hälfte abgelehnt. Die Bewohner wollen bleiben. Für Gerald Zincke ist dies kein Wunder, denn die Betroffenen müssten ihr Haus abreißen, alles hinter sich lassen und eine neue Existenz aufbauen. Unterstützung bekommen sie dafür nur unzureichend: 80 Prozent des Zeitwertes des Hauses und 80 Prozent der Abrisskosten.

Das Grundstück ist durch die Umwidmung auf „Überflutungsgebiet“ so gut wie wertlos und macht auch einen Ausbau der Dachstühle unmöglich, da damit ein Bauverbot einhergeht. Die „Dableiber“ können somit auch nicht „nach oben“ übersiedeln. „Im Schnitt verlieren die absiedelnden Menschen mindestens 150.000 Euro. Nicht zu vergessen die ganze Arbeit, die dahinter steckt“, weiß Gerald Zincke. Viele Betroffene sind schon ältere Menschen wie der 78-jährige Siegfried Lippnig.

Vertreibungspolitik

Für ihn und seine Frau ist das Absiedeln beinahe unmöglich. Sie bekommen keinen Kredit mehr. Ihr 650 Jahre altes Haus ist auf riesigen Granitblöcken gebaut. Zur enormen körperlichen und finanziellen Belastung des Abrisses und Übersiedelns tritt die emotionale.

„So etwas Schönes bekomme ich nirgendwo mehr“, klagt der 78-Jährige. Für Gerald Zincke ist klar: „Das ist reine Vertreibungspolitik und eine Vernichtung von Volksvermögen sondergleichen! Das Geld, das das Land in die Absiedelung steckt, sollte viel nachhaltiger zur Verhinderung weiterer Hochwasser eingesetzt werden!“

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