Gäste und Wirte zweifeln: Kann neue Gastro-Kampagne die Wirtshäuser wiederbeleben?

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Für viele Wirte ist die Aktion „besser als gar nichts“, aber:

Gäste und Wirte zweifeln: Kann neue Gastro-Kampagne die Wirtshäuser wiederbeleben?

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Die Maßnahmen der Regierung zur Pandemiebekämpfung haben den Menschen in den letzten zwei Jahren das Gasthausgehen gründlich ausgetrieben. Mit der Kampagne “Z‘ruck in die Gastro” sollen die Leute nun wieder an die verwaisten Wirtshaustische zurückgelockt werden. “Doch so wie früher wirds nimmer”, glauben Gäste und Wirte.

Wirtshäuser füllen sich nur langsam

Aber ist das wirklich so? Fünf Tage nach Aufhebung der verhängten Einschränkungen und Zutrittsregelungen mache ich mich auf den Weg nach Weißkirchen an der Traun im Bezirk Wels. Ich kehre beim gastronomischen Platzhirsch des Ortes ein: im “Weißkirchner Hof”. Es ist 12 Uhr Mittag und das Gasthaus sollte eigentlich wieder gut besucht sein. Die Worte von Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner habe ich noch im Ohr, der tags zuvor im Linzer “Klosterhof” erklärt hatte, dass die Leute förmlich nach der Gastronomie lechzten.

Mal sehen: Ich betrete das Wirtshaus neben der Kirche. Es ist fast leer. Nur ein einziger Gast sitzt an einem Tisch in der Nähe des Tresens und bestellt das Tagesmenü: Eine Gemüsesuppe und ein gebackenes Kotelett mit Erdäpfelsalat für 9,40 Euro. Ein weiterer Gast trifft ein und ordert ebenfalls das Menü, das auch ich mir munden lasse. Es schmeckt hervorragend. Dennoch blickt der Koch und Wirt Angelo Säckl verzweifelt in die Runde. In Vor-Corona-Zeiten brummte sein Laden zur Mittagszeit. Da drängten sich die Angestellten von den umliegenden Firmen an den Tischen, die nun größtenteils verwaist sind. Auch der Stammtisch ist weggebrochen.

Starthilfe für die Gastro-Rückkehr

“Wenn das so weitergeht, mache ich dem Sommer zu und fahre künftig Brathendl oder Pizzen aus”, sinniert Angelo, während ich ihn zu trösten versuche und sage: “Alles wird gut!” Dies allerdings bestreitet er. “Nix wird gut”, kontert der Wirt, bei dem sich mittlerweile die Überzeugung eingenistet hat: “So wie früher wirds nimmer.” Zumindest nicht so schnell und wohl auch nicht ohne flankierende Maßnahmen. Damit die Menschen wieder “z’ruck ins echte Leben” finden, haben das Land und die Wirtschaftskammer Oberösterreich eine Initiative gestartet, die die Menschen wieder an die Wirtshaustische zurückbringen soll.

“Mit unserer Re-Start-Kampagne wollen wir das Gastgewerbe in seiner gesamten Bandbreite wieder in Erinnerung bringen”, betont Wirte-Sprecher Thomas Stockinger und auch Wolfgang Gröller von den Traunsee-Wirten freut sich mit seinem Vierhaubenkoch Lukas Nagl, “dass wir jetzt nicht nur im ‘Bootshaus’ in Traunkirchen wieder loslegen können”. Denn auch die anderen Kollegen im Salzkammergut stehen schon in den Startlöchern und freuen sich auf die vielen Gäste, die sie mit dem am 25. März startenden Wirtshausfestival “Felix” in die Region und in ihre jeweiligen Häuser locken werden – so hoffen sie jedenfalls.

Die Kulinarik-Strategie Oberösterreichs sei der Nährboden für außergewöhnliche kulinarische Veranstaltungen, die das ganze Jahr hindurch eine Bühne für genussvolle Erlebnisse schaffen, betont Landestourismuschef Andreas Winkelhofer.

Sehr viel Hoffnung…

“Davon wollen auch die Hoteliers profitieren, denn nach den Lockerungen seien auch ihre Betriebe als Locations für Seminare, Kongresse und andere Events wieder interessant”, betont Fachgruppenobmann Gerald Royda. Die Existenz von Hoteliers und Gastronomen sei in der Pandemie auf eine harte Probe gestellt worden, resümiert Wirtschaftslandesrat Achleitner, und hofft, dass sich dies nun ändern werde.

Angelo Säckl, der Betreiber der “Weißkirchner Hofs”, hat da so seine Zweifel und auch keine Ahnung, wie bei ihm ein Aufschwung erfolgen sollte. Dass er von der neuen Kampagne profitieren könnte, glaubt er nicht, schon gar nicht unter den derzeitigen Umständen.

…aber auch Sorgen und Existenzängste

“Die Menschen haben kein Geld mehr”, sagt Säckl angesichts der explodierten Energiekosten, zu denen auch die exorbitant gestiegenen Sprit-Preise gehören. “Zum Volltanken meines Wagens benötige ich heute ein Kriseninterventionsteam”, schimpft sarkastisch ein ungenannt bleiben wollender Gastronom. “Ich kann mir nicht vorstellen, dass bei diesen Preisen an den Zapfsäulen noch irgendjemand Lust verspürt, zum Essen in ein hübsches Landgasthaus zu fahren“, meint er resignierend und seufzt. Die Hoffnung will er aber trotzdem noch nicht aufgeben.

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