“Hoamátgsang” ist seit nun schon 70 Jahren offizielle Landeshymne

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Lehrer aus St. Veit komponierte die Melodie:

“Hoamátgsang” ist seit nun schon 70 Jahren offizielle Landeshymne

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Seit 70 Jahren ist der “Hoamátgsang“ jetzt offizielle oberösterreichische Landeshymne. Doch inoffiziell wurde der Text von Franz Stelzhamer schon weitaus länger als Hommage an das Land rezitiert und zelebriert. Die heutige Melodie wurde dem „Hoamátgsang“ vor 138 Jahren von einem Volksschullehrer aus St. Veit verpasst.

Hier muss er irgendwo sein, denke ich, als ich den kleinen Friedhof von St. Veit im Mühlkreis betrete. Dieser weist zwar eine überschaubare Zahl von Gräbern auf, trotzdem will ich nicht lange nach Hans Schnopfhagen suchen. Ich schaue mich kurz um und entdecke eine Frau, eine gewisse Anneliese Gattringer, die gerade die Pflege eines Grabes beendet hat. Ich gehe auf sie zu und frage höflich, ob sie mir vielleicht sagen könne, wo hier der große Sohn ihres Dorfes zu finden ist? Sie schaut sich nun ebenfalls um und sagt: „Da drüben müsste es sein.“ „Sie wissen schon, wen ich meine?“ hake ich sicherheitshalber nach, worauf sie lachend erwidert. „Das nicht zu wissen, wäre schon eine große Bildungslücke.“ Die sicher viele im Land haben, denke ich, obwohl diesen Schnopfhagen eigentlich jeder kennen müsste, weil er einen großen Hit komponiert hat: nämlich die Landeshymne. Seit nun schon 70 Jahren wird sie bei allen festlichen Anlässen gespielt.

Umtriebig

Der Text dieses Liedes mit dem Titel „Hoamátland“ stammt von dem oberösterreichischen Mundartdichter Franz Stelzhamer, was wohl die meisten wissen dürften. Die Musik hat der Hobby-Tonsetzer Hans Schnopfhagen geschrieben, was wohl schon weniger bekannt ist. Auch in St. Veit fand ich bei meiner Nachschau noch jüngere Menschen, denen der Name auf Anhieb nichts sagt. Dabei hat Hans in dem Mühlviertler Dorf, das heute 1.311Einwohner zählt, einmal eine in vielerlei Hinsicht tonangebende Rolle gespielt. Als Schulleiter und Volksbildner genoss Schnopfhagen dort schon von vornherein großes Ansehen, das er mit seinen vielfältigen Engagements noch steigerte. Er war nicht nur Gründungsmitglied der örtlichen Raiffeisenkasse und der Feuerwehr, sondern auch Mitbegründer eines Blechmusikensembles und nicht zuletzt auch noch Veranstalter von lokalen “Festivals”, wie man heute zu dem von Schnopfhagen initiierten und gut besuchten Volksmusikfesten auf dem Hansberg sagen würde. Darüber hinaus hat der Mann, der am 17. Jänner 1845 im Nachbarort Oberneukirchen geboren worden war, noch viel gedichtet, einen Chor in seinem Geburtsort geleitet und die Bauern in der Obstbaumzucht unterrichtet. Auch als Baumpflanzer hat er sich in St. Veit verdient gemacht und viele Alleen im Gemeindegebiet verdanken ihm ihre Entstehung. Einige seiner in Kirchdorf lebenden Nachkommen, die ich einmal kennenlernte, wundern sich noch heute über die große Schaffenskraft ihres Vorfahren. Ihr sei es ein Rätsel, woher er die Zeit für alle seine Aktivitäten nahm, sagte mir damals seine Enkelin Ilse Greutter. Denn auch die Noten seiner Kompositionen habe ihr Großvater alle eigenhändig vervielfältigt.

Familiär

Dabei war Hans Schnopfhagen kein Single, sondern glücklich verheiratet und Familienvater. Der Ehe mit der Niederwaldkirchner Häuslertochter Franziska Walchshofer, die er nach Antritt seines Schulleiterpostens am 1.Mai 1872 geheiratet hatte, entsprossen elf Kinder. Heutige St. Veiter wundert dieser Kindersegen nicht. Ihre schelmische Begründung: „Radio- und Fernsehen waren noch nicht erfunden.“ Seine Kinderschar spannte der Hans auch für seine musikalischen Ausflüge in die Umgebung ein, in der sich seine Familie – allesamt als Bänkelsänger verkleidet – mit ihrem Spiel und Gesang hören ließ. Wo die Truppe auch auftauchte, liefen sofort die Leute zusammen und riefen freudig aus: „Der Schnopfi ist da!“ Den Spitznamen “Schnopfi“ hörte Hans gern, doch als ihn einmal ein betrunkener Bauer abfällig als „ABC-Schulmoasta“ bezeichnete, verabreichte er ihm drei kräftige Watschen. Schließlich hatte „Schnopfi“ seine Lehrbefähigungsprüfung für alle Volksschulen noch von Adalbert Stifter persönlich überreicht bekommen und die Wege zu den Bezirksschulratssitzungen nach Rohrbach legte er auch noch als 59-Jähriger stramm zu Fuß zurück. Der Hans war nicht nur musisch begabt, er verfügte auch über eine eiserne Disziplin.

Pflichtbewusst

Selbst als sein Ende nahte und er schon bettlägerig war, verfolgte Schnopfhagen vom Fenster seines Krankenlagers aus, ob „seine Feuerwehr“ zu einem Bauernhausbrand auch rasch genug ausrückte. Acht Tage später war der „Schnopfi“ tot. Er starb am 27. Juni 1908 erst 63jährig an der Folge seines Harnblasenleidens. Mit seinen Nieren, sagte seine Enkelin Ilse Greutter, habe der Opa zeitlebens Probleme gehabt.

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