Kein Bad für Warmduscher

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Kein Bad für Warmduscher

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Nachdem der Saisoneröffnungsbadetag am 13. Mai in einem der schönsten Freibäder unseres Landes, in der Schwimmschule in Steyr, zumindest frühmorgens ins Wasser gefallen ist und auch der Rest des Tages nicht gerade zum „Anbaden“ verlockte, hoffen die vielen Freunde des ehemals ersten Arbeiterbades in Europa nun auf einen möglichst regenlosen und warmen Sommer.

„Ich liebe dieses Bad“, schwärmt Franz Kaiser (Bild rechts oben), der schon seine 47. Saison in der Schwimmschule verbringt.

Als Bademeister tätig

„Hier bin ich unter meinesgleichen, unter Arbeitern und Freunden“, sagt der fitte, gutaussehende 77-Jährige, der beinahe alle Besucher mit Namen kennt, jedenfalls die älteren.

Sie sind mit ihm in vielen Freibadsommern groß geworden, in denen Kaiser von 1970 bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2015 als Bademeister tätig war.

Gemeinsam mit seiner ersten und auch zweiten Frau kümmerte sich der gebürtige Linzer aus Urfahr um die 2.000 m² große Freizeitanlage, die auf der Insel zwischen den beiden Flussarmen der Steyr liegt und die bis 1999 den Steyrer-Werken gehörte.

Schwimmschule

Für die arbeitete Kaiser seit 1962 in seinem erlernten Beruf als Mechaniker, bis ihn der Ruf des Unternehmens als Bademeister ereilte.

Von da an war er winters in der Lastwagenproduktion am Band im Einsatz und sommers, vom 1. April bis 15. September, in der Schwimmschule. Dort kümmerte sich Kaiser rührig um alles was notwendig war.

Dazu gehörte die Kontrolle der Wasserzufuhr aus dem Brunnen ebenso wie das Mähen des Rasens und nach jedem Sturm fischte er akribisch die unzähligen Blätter der 100 Jahre alten Eichen, Buchen und Linden der Badeanstalt aus den Becken, was er noch heute – freiwillig – gern und oft tut.

Sohn leitet und verwaltet das Bad

Dabei geht er seinem Sohn René Kaiser (31) zur Hand, der jetzt die ehemalige „Josef Werndl’sche Schwimm- & Badeanstalt“ für die heutigen Besitzer, den Verein der Freunde der Schwimmschule Steyr, leitet und verwaltet.

Das war eigentlich nicht geplant, denn René ist studierter Wirtschaftsinformatiker.

Da aber alle sechs Kinder von Franz Kaiser „in der Schwimmschule  aufgewachsen sind“ wie er erläutert, verwundert es nicht, dass wenigstens eines davon in die Fußstapfen des Vaters trat.

Froschlatsch‘n

Franz Kaiser hätte sich bei seinem ersten Besuch in der Schwimmschule Anfang der 1960er-Jahre jedenfalls nicht  träumen lassen, dass dies der Beginn einer wunderschönen und langen Liason werden sollte.

„Ich hatte damals meine Tante in Münichholz besucht und bei dieser Gelegenheit auch dieses Bad“, erzählt Kaiser, der es noch so erlebte wie man es heute nur noch auf alten Fotos sieht.

„Das Wasser des Beckens war dunkelgrün, weshalb  man die Schwimmschule damals auch „Froschlatsch‘n“ nannte.“

Werndls Bad

Aus dieser „Froschlatsch‘n“ tauchten zu Werndls Zeiten die Badebesucher jene Geldmünzen aus dem trüben Wasser, die der Waffenfabrikant dort bei seinen Besuchen absichtlich hineingeworfen hatte. Doch zum Pläsir seiner Leute war das 1874 gebaute Bad nicht errichtet worden. Josef Werndl wollte nämlich, dass seine Arbeiter schwimmen lernten, da diese im Werk „auch am Wasser arbeiten mussten“ wie Kaiser erklärt.

Zwischenzeitlich wurde die alte Anlage schon einige Male verändert. Ihr heutiges, modernes Aussehen hat sie 2003 bekommen. Viel ist freilich nicht mehr übrig geblieben vom historischen Arbeiterbad, außer der Anlage selbst und dem Standort des Beckens.

„Original sind auch noch einige der Kabinen im hinteren Teil des Bades, die von den Hochwässern zum Glück verschont wurden“, erläutert Kaiser und verweist auch auf ein ehemaliges Arbeiterwohnhaus, das man irgendwann in den 1960er-Jahren in den Bereich der Schwimmschule integrierte. Es ist das ziegelrote Gebäude im Eingangsbereich.

Viele Gäste

Dieses Bad sei nichts für Warmduscher, gibt Kaiser zu bedenken, weil es mit Wasser gespeist wird, das mit neun Grad Celsius aus einem Brunnen kommt.

„An schönen Sommertagen erreichen wir eine Temperatur von maximal 22 Grad“, sagt er und höher dürfte diese auch nicht steigen, weil man sonst mehr chloren müsste, was aber wegen der Steyr, in die das alte Schwimmschule-Wasser abgeleitet wird, nicht geht.

Die Schwimmschule-Fans schrecken die Temperaturen nicht. „An schönen Tagen haben wir oft 1.300 Besucher im Bad“, weiß Kaiser und pro Saison wird die Anstalt von bis zu 40.000 Gästen besucht.

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