Landesausstellung: Die römische Legion ist zurück in Enns

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An der früheren Limesgrenze

Landesausstellung: Die römische Legion ist zurück in Enns

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Für ihre Rückkehr nach Enns hatte sich die römische Legion „legio II Italica“ schlechtes Wetter ausgesucht. Bei leichtem Nieselregen, der von Wind und Kälte begleitet war, startete die neue Landesausstellung: Sie ist dem römischen Erbe in unserem Bundesland entlang der Donau gewidmet, der früheren Limesgrenze – und dem einstigen Legionärslager Lauriacum.

Eine Reportage von Kurt Guggenbichler

Der graue Himmel über dem Ennser Museum Lauriacum, stand in krassem Gegensatz zu den farbigen Gestalten, den Legionärsdarstellern, die vor dem Eingang Aufstellung genommen hatten, um Landeshauptmann Thomas Stelzer und die mit ihm eintreffenden Ehrengäste zu begrüßen.

Mit klingendem Spiel

Darunter auch Alt-Landeshauptmann Josef Pühringer, die Landesrätinnen Christine Haberlander (ÖVP) und Birgit Gerstorfer (SPÖ) sowie der Ennser Bürgermeister Franz Stefan Karlinger (SPÖ) und viele andere mehr.

Zu römischen Zeiten wäre Landeshauptmann Thomas Stelzer der Provinz-Statt- halter gewesen und damit Oberkommandierender der in Enns stationierten Legionäre, würde Reinhard Harreither, einer der wissenschaftlichen Leiter der Landesausstellung, beim anschließenden Eröffnungsrundgang den Gästen erklären. Doch zuvor spielte vorm Haus noch die Ennser Stadtkapelle auf, deren Klänge nicht so recht zu dem martialischen Erscheinungsbild der aufgestellten Legionäre passen wollten.

Bevölkerungszuwachs

Es ist aber anzunehmen, dass auch die echten Legionäre der zweiten Italienischen Legion seinerzeit mit klingendem Spiel in dem Gebiet, in dem Enns und Donau zusammenfließen, aufmarschiert sind. Die 6.000 Mann starke Truppe, die hier vermutlich 180 n. Chr. angerückt ist, dürfte schon gewaltigen Eindruck gemacht haben. Wegen der Markomannen-Überfälle in jener Zeit dürfte man sie in Lauriacum auch schon sehnlichst erwartet haben.

Die Legionäre haben vermutlich im letzten Drittel des zweiten Jahrhunderts ihr Lager hier aufgeschlagen, vermutet Harreither, das exakte Jahr kenne man leider nicht. Von daher könne man auch nichts über die Jahreszeit ihres Erscheinens in diesem Raum sagen. Vielleicht lachte die Sonne vom Himmel oder vielleicht herrschte auch jenes Wetter wie 1.800 Jahre später bei der Eröffnung der Landesaustellung mit dem Titel: „Die Rückkehr der Legion.“

Familiengründung

Mit dem Auftauchen der „legio II Italica“ auf heutigem Ennser Gebiet sei jedenfalls eine massive Aufstockung der Truppenstärke an der norischen Donaugrenze erfolgt, was zur Folge hatte, dass auch die Zivilbevölkerung von Lauriacum wuchs – letztendlich auf 20.000 Bewohner.

Denn im Sog der Legion begannen sich Händler und Handwerker anzusiedeln, außerdem gründeten die Soldaten Familien, erläuterte Harreither. Die Legionäre haben auch einen Sold bekommen, wie auch eine Art Abfertigung am Schluss ihres Dienstes, damit sie nicht vorzeitig aus der Reihe tanzten.

Auch im Kleinformat eine gewaltige Streitmacht: Eine komplett aufgestellte Legion in voller Montur. Diese Modell-Truppe ist auch im Museum Lauriacum zu bewundern.

Spezialistentum

Natürlich sind die römischen Soldaten in erster Linie Krieger gewesen, aber auch hochspezialisierte Fachleute, deren Fähigkeiten vom Provinz-Statthalter entsprechend genutzt wurden. Denn hinter dem Militär stand ein komplexer Verwaltungsapparat und in der Legion waren hervorragend ausgebildete Pioniere, Baumeister, Handwerker und Ärzte zu finden. Sichtbaren Ausdruck findet dieses Spezialistentum in der ausgegrabenen Kalkbrennofenbatterie von Lauriacum.

„Die Legionäre haben sich ihr Lager auch mit eigenen Händen aufgebaut“, erklärt Harreither und gleich in den ersten beiden Räumen, die der Landesaustellungsbesucher in Enns betritt, bekommt er einen Eindruck von der gewaltigen Kriegs- und Wirtschaftsmacht der zweiten italienischen Legion. Diese ist im Museum in voller Einsatzstärke aufgebaut ist – allerdings en minature. In voller Lebensgröße aufgestellt, weiß Bürgermeister Karlinger, würde die 2. Legion das Freigelände der Heersunteroffiziers-Akademie komplett ausfüllen.
Am 4. August kehren für kurze Zeit auch die Schiffe der Römer zurück.

Zukunftsfit

Zwei detailgetreu konstruierte Boote kommen die Donau heruntergefahren und sind beim „historischen Festival“ in Enns zu sehen. Enns sei natürlich der Hauptort dieser beeindruckenden Landesschau, betont Thomas Stelzer, deren Bogen aber weiter und die Donau entlang gespannt ist. Damit dürfte auch der Donaulimes seiner geplanten Erhebung zum Weltkulturerbe wieder ein Stück näher rücken, was sich auch positiv auf unser Bundesland auswirken werde – wie man allgemein glaubt.

Für den bevorstehenden Besucheransturm – man erwartet sich für diese Landesausstellung 300.000 Gäste –, ist das Museum Lauricaum bestens gerüstet. Dazu Karlinger: „Wir haben das Haus in zwölf Monaten umgebaut und das Ausstellungsgebäude zukunftsfit gemacht.“ Dass Enns die erste Landesausstellung habe, bei der alle Umbauten vor Ort bleiben, freut Tourismus- und Stadtmarketingchef Max Homolka. Er ist überzeugt, dass diese Schau ein „toller Motor für die nächsten Jahre“ sei.

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