Lokalaugenschein: Brotteig hat längere Reifezeit

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Lokalaugenschein: Brotteig hat längere Reifezeit

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Zuerst starben die Greissler, dann die Fleischhauer und nun schon einige Zeit auch die Bäcker. Nur noch wenige heimische Brot- und Semmelerzeuger trotzen dem Überlebenskampf wie der Familienbetrieb von Bäckermeister Ludwig Neudorfer in Zell am Pettenfirst. Der überlebt nicht nur, sondern verdient auch noch gut. Was ist das Geheimnis seines Erfolgs? Ich will es unbedingt ergründen.

Also auf zum „Tag der offenen Backstube“ nach Zell am Pettenfirst, einer kleinen Hausruckgemeinde im Bezirk Vöcklabruck. Dort arbeitet Ludwig Neudorfer als Chef des Familienbetriebes in der zehnten Generation. Denn sein Geschäft gibt es schon seit 1784. Mit seiner Frau Aurelia kümmert sich Ludwig seit 2007 erfolgreich um das Familienerbe.

Das Zeller Bauernbrot ist ein Verkaufsschlager

Lokalaugenschein: Brotteig hat längere Reifezeit 1
Das Bauernbrot ist der Verkaufsschlager des kleinen Meisterunternehmens.

Auf meinem Weg zu ihm komme ich an einigen geschlossenen Bäckereien vorbei, eine davon ist auch in seiner Nähe. Jetzt noch einmal schnell abgebogen und schon fahre ich vor seinem adretten himmelblau gestrichenen Haus vor, das sich unter dem Zeller Kirchturm duckt. In dem blitzsauberen Gebäude sind Geschäft, Backstube und Wohnung der Familie untergebracht (rundes Bild r.). Durch das Geschäft, in dem zwei Angestellte gerade das Erfolgsprodukt der Neudorfers verkaufen, das Zeller Bauernbrot, betrete ich den Backstubenbereich, wo ich auf die Chefin treffe.

Drei kleine Backstuben werden bereits betrieben

Sie kümmere sich um das Geschäftliche, sagt sie, weshalb ich mich gleich nach ihrem Jahresumsatz erkundige. „Als wir den Betrieb übernommen haben, waren es 300.000 Euro, heute liegen wir bei einem Nettoumsatz von 1,35 Millionen.“ Respekt! Das schafft man nicht allein mit der Versorgung der Bevölkerung von Zell, das etwa 1.200 Einwohner hat. Dafür muss man auch Märkte und andere Geschäfte im ganzen Bezirk Vöcklabruck beliefern, in dem Neudorfers auch noch zwei Filialen betreiben: eine im Atterseeort Schörf­ling und die andere in Vöcklamarkt.

Qualität steht im Vordergrund, nicht Quantität

Wieso schmecken Brot und Gebäck bei ihnen so viel besser, dass sie jede Menge davon verkaufen? „Weil wir mit Langzeitführung arbeiten“, sagt der Chef. Dadurch habe der Teig eine längere Reifezeit und das Gebäck bleibt länger knusprig. Salzstangerl, die um 3:00 Uhr morgens gebacken werden, krachen abends beim Reinbeißen immer noch.  „Wir schauen eben auf Qualität“, betonen die Neudorfers (Bild unten). Auch beim Brot.  Ihr 100prozentig reines  Roggenbrot wurde schon dreimal mit Goldmedaillen ausgezeichnet. „Außerdem wird bei uns alles handgemacht.“ Nicht von ungefähr beschäftigt das Paar acht Bäcker. Nun weiß ich Bescheid. Ehe ich gehe, koste ich noch ein Stück vom Zeller Bauernbrot und bin begeistert. Ich kaufe mir ein Kilo, um zwei Tage später zu Hause festzustellen, dass es noch immer knusprig ist. Die Familie hatte mir nicht zu viel versprochen.

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