Nicht nur Industriestadt: Linz als barockes Kleinod

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Wer denkt bei österreichischem Barock nicht sofort an Salzburg oder Wien? Kaum jemandem wird bei diesem Thema unsere schöne Landeshauptstadt Linz einfallen.

Ein Gastbeitrag von Dr. Siegfried Pichl

Jahrzehntelang nur als Industriestadt wahrgenommen, und in den letzten Jahren vermehrt auf moderne Bauten setzend, ist Linz doch eine wahre Fundgrube historischer Architektur! Mit einer neuen Serie will der „Wochenblick“ den Blick für Kunst und Kultur vor unserer Haustüre schärfen.

Nicht nur Industriestadt: Linz als barockes Kleinod
Der Linzer Hauptplatz prunkt mit den bunten Fassaden historischer Gebäude.

Fundgrube historischer Architektur

Tatsächlich kann Linz, dessen Geschichte ja bis in die Keltenzeit zurückreicht, aus allen Stilepochen bedeutende Bauwerke aufweisen. Von der Karolingerzeit über Mittelalter und Renaissance bis hin zu Barock und Historismus reicht die Palette.

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Das Landhaus mit Turm und eindrucksvollem Nordportal.

Wussten Sie, dass wir mit dem Martinskirchlein nicht nur die älteste Kirche Österreichs haben, sondern mit dem Mariendom auch die flächenmäßig größte (die Ehre des höchsten Kirchturmes bleibt natürlich dem Steffl in Wien vorbehalten)? Der Linzer Hauptplatz zählt nicht nur unbestritten zu den schönsten Marktplätzen Österreichs, er ist auch der größte. Gesäumt wird er von den Fassaden alter Bürgerhäuser, im Kern oftmals noch mittelalterlich, viele davon später barockisiert.

Vielzahl an Kunstdenkmälern

Überhaupt hat die Barockzeit in Linz eine Vielzahl an Kunstdenkmälern hinterlassen, die es verdient haben, ins Zentrum der Wahrnehmung gerückt zu werden. Auch in der Tourismuswerbung wird diese Seite unserer Landeshauptstadt zugunsten moderner „Events“ leider sträflich vernachlässigt. Gerade im Bereich der Innenstadt drängen sich die historischen Bauwerke geradezu.

Zu nennen sind hier nur der Alte Dom (ehemals Kirche der Jesuiten), die Ursulinen- und Karmelitenkirche, oder auch die alte Stadtpfarrkirche. Viele der schönsten Barockgebäude, die sich in der Landstraße und Herrenstraße befinden, waren ehedem Stiftshäuser, also die Residenzen der Ob-der-Ennsischen Klöster und Stifte. Hier weilten die Äbte und geistlichen Herren während ihrer Aufenthalte in der landesfürstlichen Hauptstadt.

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Die Linzer Martinskirche in der Römerstraße, hier findet man römische Grabsteine mit Inschriften aus dem 3. Jahrhundert.

Landhaus: Renaissance-Juwel

Ein wahres Juwel aus der Renaissance-Zeit stellt unser schönes Landhaus dar, mit seinem stimmungsvollen, dreigeschossigen Arkadenhof und dem großartigen, zur Altstadt weisenden Nordportal. Auch der Umbau des Linzer Schlosses datiert in diese Epoche. Leider fiel der Südflügel einem Brand im Jahr 1800 zum Opfer.

Gänzlich verändert wurde das Erscheinungsbild der alten Habsburger-Residenz in der Moderne durch das Hinzufügen einer Stahl-und-Glas-Konstruktion, die den abgekommenen Südflügel ersetzt. Immerhin kommt der Blick von der Urfahrer Seite jener Ansicht des Schlosses noch sehr nahe, wie man sie im 16. und 17. Jahrhundert gehabt haben mag.

Kein Gespür für Gewachsenes

Einige Linzer Baudenkmäler sind für immer verloren – nicht zuletzt durch eine fahrlässige Politik, deren Sinn für historisch Gewachsenes leider oftmals zu wünschen übrig lässt. Wir alle erinnern uns noch an die Diskussionen um den Abriss der alten Eisenbahnbrücke. Ein fester Bestandteil bei Fremdenführungen, stellte die dreibogige Metallkonstruktion im 19. Jahrhundert eine architektonische Meisterleistung dar.

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Die Landstraße mit schmucken Fassaden.

Mangelnde Wartung führte zur Baufälligkeit und in Folge zum Abriss eines unwiederbringlichen Architektur-Denkmals. Das gleiche Schicksal traf die alte Linzer Wollzeugfabrik, ein noch in die Barockzeit datierendes Gebäude und bedeutendes Beispiel einer frühen Textil-Manufaktur. Nachdem man jahrelang dem Verfall der Anlage zugesehen hatte, wurde das Gebäude in den Sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts vielen Protesten zum Trotz schließlich endgültig abgerissen.

Reichgegliederte Fassaden

Im Bereich der Inneren Stadt erinnern die reichgegliederten Fassaden vieler Wohnhäuser noch an die sogenannte Gründerzeit des späten 19. Jahrhunderts. Das bedeutendste Zeugnis dieser stilistisch dem späten Historismus zuzuordnenden Epoche stellt aber zweifellos der Mariä-Empfängnis-Dom dar. Vom energischen Linzer Bischof Rudigier initiiert und vorangetrieben, war der Bau des Neuen Doms Zeugnis katholischen Selbstbewusstseins.

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Auch die flächenmäßig größte Kirche Österreichs steht in Linz: Der Mariendom!

Mariendom: Einweihung erst 1924

Bereits im Jahr 1862 begonnen, konnte man die feierliche Einweihung erst nach dem Ende des Ersten Weltkrieges, nämlich im Jahr 1924 vornehmen. Der französischen Kathedral-Gotik nachempfunden, bietet der Mariendom ein beeindruckendes Raumerlebnis, und sein 135 Meter hoch aufragender Kirchturm ist zum weithin sichtbaren Symbol der Bischofsstadt Linz geworden.

Sollten Sie nach diesem ersten Überblick neugierig geworden sein, dann freuen wir uns, Ihnen ab der nächsten Ausgabe einige der bedeutendsten Linzer Kunstdenkmäler näher bringen zu dürfen!

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