Rohmilch-Verarbeiter für Richtwert statt Grenzwert

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Rohmilch-Verarbeiter für Richtwert statt Grenzwert

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Am 1. Juni ist Weltmilchtag, der auch in Oberösterreich von bekannten Milchproduzenten und dem ORF-Landesstudio gefeiert wird.

Lokalaugenschein von Chefredakteur Kurt Guggenbichler

Doch nicht allen, die von der Milchverarbeitung leben, ist auch zum Jubeln zumute – wie ein Lokalaugenschein auf dem Hof des Käse- und Butterherstellers Robert Strasser in Frankenburg, zeigt.

Verwöhnte Gaumen

„Immer mehr Menschen wollen natürliche, lebendige Lebensmittel“, sagt Strasser, der aus Rohmilch nicht nur verschiedene Käsesorten, sondern auch eine hervorragende Butter erzeugt.

Die schmeckt sogar den verwöhntesten Gaumen von Gästen der Wiener Top-Restaurants und Luxushotels wie „Steirereck“ und „Imperial“, um nur die beiden zu nennen. Nur der oberösterreichischen Lebensmittelaufsicht  will die Strasser-Butter nicht so recht munden, weil deren Hefeanteile die dafür festgelegten Grenzwerte übersteigen.

Vorschriften

Das ist zwar weder geschmacksbeeinträchtigend noch gesundheitsschädigend, betont der Produzent, eher das Gegenteil sei der Fall. Aber der über dem Grenz­wert liegende Hefeanteil stellt einen  Verstoß gegen eine bestehende bürokratische Verordnung dar, die Strasser für blanken Unsinn hält. Denn in keinem anderen Land der Welt gebe es eine nichtpasteurisierte Butter, die weniger Hefeanteile  hätte als seine, weshalb es zum Beispiel in der Schweiz von Seiten der Behörde auch keine Grenz­werte, sondern lediglich Richtwerte gebe.

In Oberösterreich jedoch reiten die Beamten der Lebensmittelpolizei  auf den bestehenden Grenzwerten herum und drohen mit saftigen Strafen schon bei erstmaliger Überschreitung und im Wiederholungsfall sowieso. Damit machten sich diese Herrschaften zu Handlangern und Vollzugsorganen der Industrie, die natürlich ein Interesse an diesem Grenzwert habe, weil sie dann selber mehr pasteurisierte Butter verkaufen könne, erläutert ein verärgerter Strasser, der aber die Hoffnung auf die Vernunft des Gesetzgebers noch nicht aufgegeben hat.

Vorsichtig

An ihn appelliert er eindringlich, den bei uns geltenden Grenzwert zu kippen und stattdessen ebenfalls einen Richtwert einzuführen, damit man die Butter nicht zu Tode pasteurisieren müsse. Skeptisch, dass das passieren könnte, ist er allerdings schon, weil er den Verdacht nicht ganz los wird, dass die Menschen aus wirtschaftlichen Gründen in ein standardisiertes Ernährungskorsett gezwängt werden sollen.

Um jedoch weiteren Ärger mit der Lebensmittelbehörde zu vermeiden, hat Strasser seine Rohmilchbutter vorsichtshalber in Aufstrich umbenannt, für den der vorgeschriebene Hefe-Grenzwert keine Geltung hat. Das Produkt ist dasselbe und erfreut sich auch als Aufstrich großer Nachfrage, wegen seines intensiven Buttergeschmacks, denn in seiner 25-jährigen Tätigkeit als Rohmilchverarbeiter habe Strasser gelernt wie man eine gute Rohmilchbutter macht, sagt er nicht ohne Stolz.

Verkaufserfolg

Der Verkaufserfolg gibt ihm auch Recht: Die Nachfrage nach seinen Rohmilchprodukten steige permanent und schon längst verkauft der Frankenburger Bauer nicht nur ab Hof, sondern beliefert auch Kunden in Deutschland und eben auch feine Abnehmer im fernen Wien.

„Wir wissen schon ganz genau wie es geht“, sagt Strasser. Aus diesem Grund sollten die Mitarbeiter der kontrollierenden Behörde mehr Verständnis für unsere Arbeit aufbringen, wünscht er sich, und weniger inquisitorisch auftreten und agieren.

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