Sie nehmen uns alles: Müssen bald auch Sozialmärkte um ihren Weiterbestand kämpfen?

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Noch herrscht keine Not, aber Waren werden knapp

Sie nehmen uns alles: Müssen bald auch Sozialmärkte um ihren Weiterbestand kämpfen?

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Nicht nur die Menschen müssen immer mehr knapsen, auch Sozialmärkte, der Rettungsanker für die Ärmsten der Armen, könnten allmählich in Bedrängnis geraten. Denn zum einen steigt die Zahl der Hilfsbedürftigen, zum anderen schicken viele Firmen ihre Waren in großen Mengen in die Ukraine.

Kampf ums nackte Überleben

“Sommer bringt Preisschock” titelte unlängst die Zeitung “Österreich” und monierte: Vom Freibad über Mineralwasser bis zum Eis – alles wird teurer! Den Gmundner Sozialmarktabhängigen Toni Loidl (Name geändert) kann so eine Meldung nicht mehr schrecken. Ein Eis oder einen Freibadbesuch kann er sich schon lang nicht mehr leisten. “Ich kämpfe nur noch ums nackte Überleben”, sagt er, denn es ist nicht einmal mehr Geld für das Nötigste da. Die Preiserhöhungen für die Dinge des täglichen Bedarfs ließen ihn finanziell schon so weit ausbluten, dass er sich jetzt eine kleinere Wohnung suchen muss, da er sonst nicht wüsste, wo er sonst einsparen könnte. Ob das reichen wir, um über die Runden zu kommen, wird sich zeigen. Loidl ist mit seinem Problem auch nicht allein.

Corona-Chaos und Inflation treibt Volk in den Ruin

“Tatsächlich können 12 Prozent der Bevölkerung ihre Fixkosten nicht mehr decken”, hat das Tarifvergleichsportal “durchblicker” ermittelt. “Viele haben in der Covid-Krise unter beträchtlichen Einkommenseinbußen gelitten”, erläutert “durchblicker”-Geschäftsführer Reinhold Baudisch, und der zusätzliche sprunghafte Anstieg der Inflation infolge des Ukraine-Kriegs hätte vielen Menschen den Rest gegeben.

Eine steigende Zahl von Menschen müsse gegenüber Einkommensverlusten und Teuerung kapitulieren, konstatiert auch die Schuldnerberatung, die für heuer einen massiven Anstieg der Privat-Konkurse erwartet. Allein in Oberösterreich sind die Insolvenzen im ersten Quartal um 22 Prozent in die Höhe geschnellt und immer mehr Menschen sind bereits auf das Einkaufen in Sozialmärkten (SOMA) angewiesen.

Firmen spenden lieber direkt in die Ukraine

“Auch bei uns ist der Ansturm größer geworden”, antwortet die Gmundner SOMA-Leiterin Walpurga Hackmair auf eine “Wochenblick”-Anfrage. “Normalerweise bekommen wir jährlich etwa 40 neue Kunden”, erzählt sie: “Doch heuer waren es allein schon 146 im ersten Quartal, wovon allein 128 Neukunden ukrainische Flüchtlinge sind.” Da viele Firmen jetzt direkt in die Ukraine spendeten, haben die Sozialmärkte oft das Nachsehen, weshalb dort so manche Waren schon knapp werden, wie beispielsweise Öl, sagt Hackmair. In anderen Sozialmärkten wie beispielsweise in Linz sind manche Warengruppen sogar schon rationiert, heißt es. In einem Markt in Urfahr wird bei einem Einkauf nur noch eine Packung Eier ausgegeben.

Deutlich weniger Waren für Sozialmärkte

Noch habe man keinen Notstand, beruhigt Walpurga Hackmair, gibt aber auch zu bedenken, dass das Warenaufkommen deutlich weniger geworden sei. Zum einen werde dies durch die gestiegene Kundenzahl verursacht, wie man im Vöcklabrucker Sozialmarkt erklärt, zum anderen, weil Firmen weniger liefern. Von der Firma Manner hätte man früher palettenweise Zeugs bekommen, betont Hackmair, jetzt – so ihre Worte – schickten diese wohl alles in die Ukraine.

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