Fucking, Weibern, Mösendorf: So ausgefallen sind unsere Ortsnamen

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Hölle bis Himmelreich

Fucking, Weibern, Mösendorf: So ausgefallen sind unsere Ortsnamen

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Kaum ein Bundesland hat so viele kleine ländliche Weiler, durch die selten ein Ortsfremder kommt. Es liegt also in der Natur der Sache, dass einige von ihnen Namen tragen, die für heutige Ohren seltsam klingen. Wir haben uns umgehört, woher sie wirklich kommen.

Zusammengetragen von Alfons Kluibenschädl

Diesseits/Jenseits (Gde. St. Martin im Innkreis, Bezirk Ried im Innkreis)

Was sich wie die Schwelle zur Unterwelt anhört, bezieht sich eigentlich nur darauf, auf welcher Seite der Antiesen man sich in St. Martin befindet. Auch der Autor kehrte einst nach einer Wohnungsbesichtigung unbeschadet aus dem Jenseits zurück.

Fucking (Gde. Tarsdorf, Bezirk Braunau am Inn)

Der bekannte Ort benennt sich mit Jahresfrist in „Fugging“ um. Neben der Ableitung von einem Adeligen könnte er auch einfach „bei Fockos Leuten“ heißen. Der Name könnte einst beliebt gewesen sein: Im Innviertel gibt es auch noch Ober- und Unterfucking (Gde. St. Marienkirchen bei Schärding) und Fuckersberg (Gde. Zell an der Pram).

Hühnergeschrei (Gde. Altenfelden, Bezirk Rohrbach)

Mit Geflügel hat das womöglich wenig zu tun, es gibt mehrere Deutungen. Vom Schlachtruf durchziehender Hunnen bis hin zu einem lateinisch-deutschen Wörterbuch, das einem Hünen einen Schrein zubilligt, war vieles schon dabei.

Schwarzindien (Gde. Mondsee, Bezirk Vöcklabruck)

Die Gemeinde selbst führt den Namen auf einen Ausspruch zurück, mit dem die Kurgäste um 1870 die wohlgebräunten einheimischen Naturburschen bezeichneten. Egal, was daran ist: Der heutige Zeitgeist würde wohl Sturm dagegen laufen…

Ellend (Gde. Unterach am Attersee, Bezirk Vöcklabruck)

Einer regionalen Sage zufolge begrub man an dieser Stelle die Toten einer Pestseuche. Ursprünglich meinte das Wort “Elend” eine Verbannung in die Fremde, also ein anderes Land. Es könnte somit einfach der Landstrich am „anderen“ Seeufer sein.

Weibern (Bezirk Grieskirchen)

Mit Frauen hat dieser Ortsname wenig zu tun. Vielmehr handelt es sich um einen der wenigen echten romanischen Ortsnamen in Oberösterreich – ein „Vivarium“ ist ein Lebendtiergehege oder ein Fischteich. Die Lautverschiebungen taten ihr Übriges.

Hundbrenning (Gde. Rohrbach-Berg, Bezirk Rohrbach)

Nein, die Mühlviertler sind keine grausamen Tierquäler. Der Name bezeichnet lediglich eine Stelle in Verbindung mit minderwertiger, also „hundiger“ Holzkohle. Damit ist die Herleitung spannender als die von Sexling in der gleichen Gemeinde – nach der früheren Anzahl der Häuser.

St. Thomas am Blasenstein (Bezirk Perg)

Der namensgebende Blasenstein könnte sich entweder wie das steirische St. Blasen vom heiligen Blasius ableiten – oder, wie seine „Bucklwehluck‘n“ dem Volksglauben nach, tatsächlich gesundheitliche Beschwerden lindern. Dem „luftgselchten Pfarrer“ in der nahegelegenen Kirche half das freilich nichts mehr.

Mösendorf/Mösenthal (Gde. Vöcklamarkt, Bezirk Vöcklabruck)

Bitte, wo denken Sie hin? Die Ortschaften standen wohl einst auf sumpfigem, eben „moosigem“ Untergrund. Ähnliches gilt für landläufig bekannte Nachnamen wie Möseneder – ein solcher besiedelte oft mit Pioniergeist einen einsamen Hof (eine „Einöde“) im unwegsamen Gelände.

Dickerldorf (Stadtteil Pernau, Statutarstadt Wels)

Das Gebiet im Stadtteil Pernau verweist wahrscheinlich auf keinen wohlgenährten Gutsbesitzer, sondern auf jemanden, der Benedikt hieß. Die Pfarrkirche jüngeren Datums ist aber unschuldig, die ist nämlich dem heiligen Josef geweiht.

Hölle (Gde. Garsten, Bezirk Steyr-Land)

Der Flurname bezeichnet ein Engtal, im Sinne von „Spalt, eingeschnittene Öffnung“. Er leitet sich wie der eigentliche Teufelsort von einem alten germanischen Wort für „verbergen“ ab. Immerhin liegt der Ortsteil weit vom „Himmelreich“ weg.

Himmelreich (Gde. Utzenaich, Bezirk Ried im Innkreis)

Der scheinbare Gegenpart zur am anderen Ende Oberösterreichs gelegenen „Hölle“ ist das „Himmelreich“ bei Utzenaich. Ganz so göttlich ist es aber auch nicht: Bei Ortsnamen bezeichnet der „Himmel“ nämlich einfach eine offene Flur auf einer Anhöhe.

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