So wurde St. Florian der Schutzpatron von OÖ

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So wurde St. Florian der Schutzpatron von OÖ

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Eine Reportage von Chefredakteur Kurt Guggenbichler

Obwohl er nie heiliggesprochen wurde, wird er doch als Heiliger verehrt. Die Rede ist vom jüngsten offiziellen Schutzpatron des Landes Oberösterreich, dem „Heiligen“ Florian, einem römischen Märtyrer, der am 4. Mai vor 1713 Jahren im Enns-Fluss ertränkt worden ist.

Das zumindest scheint sicher zu sein, sonst ist über Sankt Florianus nichts allzu Konkretes bekannt.

Schutzpatron vieler Zünfte…

Trotzdem haben ihn im Laufe der Jahrhunderte diverse Zünfte zu ihrem Schutzpatron erkoren, unter anderem die Feuerwehrleute, weshalb er volkstümlich auch salopp als „Wasserkübelmann“ bezeichnet wird.

In vielen Darstellungen ist der heilige Florian nämlich als römischer Soldat oder mittelalterlicher Ritter zu sehen, der einen Eimer mit Wasser über ein brennendes Haus schüttet. Diese ihm zugekommene Funktion als Schutzheiliger der Feuerwehren hat ihm in der Bevölkerung jedenfalls zu großer Beliebtheit verholfen.

So wurde St. Florian der Schutzpatron von OÖ 1
Florian-Skulptur neben dem Haupteingang in das St. Florian.

…und der Oberösterreicher

Nicht zuletzt deshalb ist Florian hierzulande auch ein beliebter Vorname, was aber auch an der wohlklingenden Abfolge der Vokale liegen könnte wie Florian-Kenner Florian Trenner vermutet, möglicherweise aber auch an seinem Image als „Identifikationsfigur“ wie Alt-Landeshauptmann Josef Pühringer im Jahr 2004 bei der Ernennung Florians zum zweiten oberösterreichischen Schutzpatron – der erste ist Leopold – konstatierte: „Auch unsere heutige Zeit braucht Vorbilder“, sagte Pühringer, „die den Gemeinsinn und das Zusammenleben fördern.“

Viele Menschen, auch jene, die nicht dem katholischen Glauben angehören, sehen in Florian wohl so ein Vorbild, das zeitlos gültige Werte der Solidarität, der Zivilcourage und des Eintretens für Bedrängte verkörpert. Florianus lebte im dritten Jahrhundert n. Chr. in der römischen Provinz Ufer-Noricum, etwa auf jenem Gebiet des heutigen Oberösterreich, das sich südlich der Donau erstreckte, die damals Imperiumsgrenze war.

Zuerst war er kein Soldat

Doch der spätere Märtyrer war hier nicht als Soldat eingesetzt, sondern als Kanzleidirektor des römischen Provinz-Statthalters Aquilinus. Es wird vermutet, dass Florianus in Ovilava, dem heutigen Wels, tätig war. Als Kaiser Diokletian auf Drängen seines Mitregenten Galerius eine schärfere Gangart gegenüber den bis dahin geduldeten Christen einlegte, zu denen auch Florianus gehörte, wurde der Kanzleichef zwangspensioniert.

Er verließ Ovilava und zog nach Cetium, in die heutige Gegend von St. Pölten-Tulln, zumal Florianus in Zeiselmauer das Licht der Welt erblickte – wie Historiker vermuten.

Mutiges Bekenntnis mit Folgen

303 wurde das Christentum im Römischen Reich dann endgültig verboten. In seinem Ausgedinge erfuhr der geschasste Kanzleidirektor von der Gefangennahme seiner Glaubensbrüder, vierzig an der Zahl, in seinem ehemaligen Verwaltungsbereich. Daraufhin begab sich Florianus von Cetium sofort nach Lauriacum, dem heutigen Enns, um zu intervenieren.

Dabei bekannte er, selbst ein Christ zu sein, wurde verhaftet, zum Tode verurteilt und schließlich hingerichtet, weil er trotz Folter standhaft blieb. Mit einem Stein, den man ihm an den Hals gebunden hatte, wurde er am 4. Mai 304 auf eine Brücke geführt und in die Enns gestoßen.

Historische Zeugnisse

Das weiß man aus den Texten der „Passio Floriani“, die aber keine Zeitzeugenberichte sind. Notiert wurde das alles erst im 8. Jahrhundert in einem unbeholfenen, mittelalterlichen Latein, nachzulesen in mehreren Handschriften, aus denen man zum Umstand seines Ablebens unter anderem erfährt:

„Als er an der Brücke angelangt war, „wo sie ihn hinunterstoßen mussten, war er immer noch so heiter als würde er zum Bade geführt; sie befestigten einen großen Stein an seinem Hals. Er aber bat die Soldaten, die ihn festhielten, um die Erlaubnis, zum Herrn beten zu dürfen… Da kam ein junger Mann wütend herbei und sprach zu ihnen: ‚Was steht ihr da herum und vollzieht nicht den Befehl des Statthalters?‘“ So geschah es dann auch. Sie stießen ihn „von der Brücke der Enns“, heißt es in dem alten Text, „und sogleich brachen seine Augen.“

Über die Bergung des Leichnams und dessen Beisetzung existieren nur Legenden. Tatsächlich wurden bisher keine Überreste gefunden, von denen man zweifelsfrei sagen könnte, dass es sich dabei eindeutig um die Knochen von Florianus handelt. Auch über seinen Begräbnisort ist nichts wirklich Konkretes bekannt.

Verschleppten die Römer den Leichnam?

Solange aber kein Zufallsfund Gewissheit bringe, sei auch die Möglichkeit nicht auszuschließen, dass Florian dort begraben wurde, wo sich heute das nach ihm benannte Stift (in dem nach ihm benannten Ort) befindet. Die Augustiner-Chorherren scheinen jedenfalls fest daran zu glauben, auch wenn ihr Stiftsarchivar Karl Rehberger schon bei einer früheren Gelegenheit gegenüber der „Kronen Zeitung“ eingeräumt hatte, dass die Römer beim Abzug im Jahr 488 Florians sterbliche Überreste verschleppt haben könnten.

Angeblich befinden sich die Hauptreliquien des Heiligen seit 1183 im polnischen Krakau, wovon erst 1736 auch das Stift St. Florian eine winzige Knochenreliquie übereignet bekam. Diese wird heute in einem Gefäß hinter Glas verwahrt, flankiert von zwei Engeln mit Siegeskranz.

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