Von den Passauern „geraubt“: das Bistum Linz

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Bewegte Linzer Kirchengeschichte zwischen Kriegen und Aufklärung

Von den Passauern „geraubt“: das Bistum Linz

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Die Gründung der Diözese Linz ist dem reformfreudigen Kaiser Josef II. zu verdanken. Zu jener Zeit waren Oberösterreich und das westliche Niederösterreich dem Bistum Passau angegliedert.

Ein Bericht von Dr. Siegfried Pichl

Die von Josef angestrebte Neuregelung, die eine Übereinstimmung der Bistums mit den Landesgrenzen vorsah (die sogenannte Diözesankongruenz), war von langer Hand vorbereitet. Als im Jahr 1783 der Passauer Bischof Leopold Ernst Firmian verstarb, wurden vom Wiener Hof sofort die nötigen Maßnahmen ergriffen.

Im neu begründeten Bistum St.  Pölten wurde Johann Heinrich Kerens als Oberhirte eingesetzt, in Linz ernannte der Kaiser Ernest Johann Herberstein zum Bischof. Der Papst konnte letztlich zu den gesetzten Tatsachen nur mehr seinen Segen geben, wenn ihm der kaiserliche Eingriff in die Rechte der Kurie auch wenig gefiel.

Turbulente Errichtung zu Ende des 18. Jahrhunderts

Herberstein konnte sein bischöfliches Amt nur wenige Jahre ausüben, die nötigen organisatorischen Maßnahmen zur Einrichtung der Diözese blieben seinem Nachfolger überlassen. Mit Josef Anton Gall wurde ein Vertreter der katholischen Aufklärung zum Bischof ernannt.

Ziel war eine „vernünftige“ Religion, die sich von Äußerlichkeiten und „abergläubischen“ Ritualen befreien sollte. Besondere Bedeutung kam dabei der Ausbildung des Klerus als Vermittler eines aufgeklärten Glaubens zu. Die Finanzierung eines eigenen Priesterseminars erwies sich indes als schwierig, die monetäre Unterstützung der von Kaiser Josef arg gerupften Klöster hielt sich in Grenzen.

Trotzdem konnte der Bischof – auch unter Beisteuerung eigener Mittel – sein Herzensprojekt noch zu Lebzeiten verwirklichen. Im Jahr 1807 wurde das Priesterseminar im ehemals Harrach’schen Palais eröffnet, wo es sich auch heute noch befindet.

Für Wohltätigkeit bekannt

In Galls Amtszeit fielen die Napoleonischen Kriege und der Stadtbrand, wobei sich der Linzer Oberhirte auch durch seine Wohltätigkeit verdient machte. Sein Nachfolger Sigismund Ernst Hohenwart konnte in seiner Amtszeit keine wesentlichen Akzente setzen, galt es doch vor allem, den Krieg und seine Folgen aufzuarbeiten.

Mit Gregor Thomas Ziegler kam ein Mann auf den Bischofsstuhl, der entschieden die katholische Restauration vorantrieb. Viele der josefinischen Reformen waren nach dem Tod des Kaisers zurückgenommen worden, und die Kirche konnte wieder an Einfluss gewinnen.

Obwohl kein Mann der Aufklärung, machte Ziegler sich doch um das von Josef Anton Gall gegründete Priesterseminar verdient, das er ausbaute, und zudem am Freinberg das jesuitische Knabenseminar begründete.

Mariendom als Vermächtnis

Der selbstbewusste Kurs Zieglers wurde von seinem Nachfolger Franz Josef Rudigier fortgeführt. Als Mitglied des oberösterreichischen Landtages nahm er oftmals auch politisch Stellung und erwies sich als recht streitbarer Oberhirte.

Sein weithin sichtbares Vermächtnis ist der Linzer Mariendom, der die ehemalige Jesuitenkirche (heute Alter Dom) als Bischofskirche ablösen sollte. Das monumentale Bauwerk im Stile der Neogotik konnte nach fast sechzigjähriger Bauzeit im Jahr 1924 eingeweiht werden.

Von den vier Bischöfen, die Rudigier während dieser langen Zeit nachfolgten, ist besonders Rudolf Hittmair zu nennen, in dessen Amtszeit der Ausbruch des Ersten Weltkriegs fällt. Hittmair galt als schwierige und autoritäre Persönlichkeit. Mit Beginn des Krieges setzte er sich persönlich in der Krankenpflege ein.

Beim Besuch eines Lazarettes in Mauthausen steckte er sich mit Typhus an und starb an den Folgen der Erkrankung. Sein Sukzessor Johannes Maria Gföllner hatte in schwierigen Zeiten keine einfache Aufgabe zu bewältigen. Den großen politischen Veränderungen nach dem Krieg konnte der kaisertreue Bischof wenig abgewinnen.

Kein Aufruf zum Widerstand

In den 1930er-Jahren warnte er vor dem aufkommenden Nationalsozialismus, konnte aber freilich die Entwicklung nicht aufhalten. Gföllners Nachfolger Josef Fließer versuchte, sich mit den Nationalsozialisten zu arrangieren und riet vom Widerstand gegen Hitlers Regime ab.

So bemühte er sich auch – allerdings vergeblich – Franz Jägerstätter von der Verweigerung des Wehrdienstes abzubringen. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges engagierte sich Fließer im Wiederaufbau und unterstützte die Caritas, die er unmittelbar der Diözese unterstellte. 1955 legte er aus gesundheitlichen Gründen sein Amt nieder und verstarb nach langer Krankheit im Jahr 1960.

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