Von Träumen, Mut und wahrhafter Kunst

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Von Träumen, Mut und wahrhafter Kunst

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Auf dem Gelände einer 1893 erbauten Ziegelbrennerei baute sich der ehemalige Weltenbummler Gerhard Götzendorfer in Laakirchen sein Leben auf.

Eine Reportage von Elsa Mittmannsgruber

Von Träumen, Mut und wahrhafter Kunst 1
Foto: Wochenblick

Frau, Tochter, Schwiegersohn und drei Enkelkinder – allesamt leben sie unter einem Dach und sind begeistert vom gelebten Traum des Hausherrn. Zu Recht, denn er ist ein wahrer Schöpfer: Aus Hirschhorn schnitzt er Kunstwerke, die mir den Atem rauben.

Der Geruch von Kreativität und Handwerk

Ein wohliger Geruch steigt mir in die Nase, als ich die Werkstatt von Gerhard Götzendorfer betrete. Es riecht nach Kreativität und Handwerk. In jedem Winkel des rund dreißig Quadratmeter großen Raumes finden sich Geweihe, Werkzeuge und alte Maschinen. Gleich nebenan präsentieren sich aufgebahrt auf mehreren Kommoden fertige Kunstwerke.

Ich komme aus dem Staunen nicht mehr heraus. Aus Hirschhorn fertigt Gerhard Götzendorfer außergewöhnliche Messer, Knöpfe, Broschen, Ringe und Unzähliges mehr. Der Fantasie seiner Kunden sind keine Grenzen gesetzt. Denn hauptsächlich und am allerliebsten verrichtet er Auftragsarbeiten: „Es gab bisher nichts, was ich nicht machte. Gerade das Ausgefallene und Besondere bereitet mir am meisten Freude. Einmal bestellte jemand eine Figur aus der germanischen Mythologie. Das war das erste Mal, dass jemand so etwas aus Horn fertigt. Das taugt mir!“, schwärmt der 52-jährige Familienvater.

Von Träumen, Mut und wahrhafter Kunst 2
Foto: Wochenblick; Redakteurin Elsa Mittmannsgruber

Jetzt geht’s ans Eingemachte

Als ich endlich wieder aus dem Staunen herauskomme, geht es zurück in die Werkstatt. Unser Plan: zuerst dem Meister zusehen und dann selbst probieren. Schnell wird mir jedoch klar, dass es für dieses Handwerk Eigenschaften braucht, die ich nicht habe: „Viel Geduld und Liebe zum Detail“, erklärt mir der gelernte Schlosser, während er mit einer Laubsäge ein Edelweiß mit penibler Finesse aus einem runden Hirschhorn-Plättchen heraussägt.

Dann darf ich auch ans Werk und säge mir (wahnsinnig kreativ) ein kleines Herzchen zurecht. Obwohl ich schon leicht am Verzweifeln bin, weil sich das Sägeblatt ständig spießt und das Hirschhorn unerwartet hart ist, bringe ich die Arbeit zu Ende. Nun ist es für mich noch unglaublicher, wie Gerhard Götzendorfer kleine Tiere oder Gesichter im Millimeterformat aus solch einem Material schnitzen kann. Dabei ist er auch ein unheilbarer Perfektionist: „Qualität ist mir sehr wichtig. Wenn ich selbst unzufrieden bin, mache ich es neu. Jeglichen finanziellen Stundenlohn muss ich bei meiner Arbeit ausblenden, sonst verzagst du“, sagt er mit einem Lachen im Gesicht.

Von Träumen, Mut und wahrhafter Kunst
Foto: Wochenblick

Reisen und ankommen

Obwohl Gerhard Götzendorfer eigentlich Schlosser lernte, faszinierte ihn seit jeher der Werkstoff Hirschhorn: „Das Geweih wird abgeworfen, wächst wieder nach und würde verrotten. Es ist ein Arbeiten mit der Natur und ich greife kaum in den natürlichen Kreislauf ein“, erklärt mir der 52-Jährige. Wir gehen etwas im Sonnenschein auf seinem Grund spazieren, den er sich im Alter von 27 kaufte und das dortige Haus selbst renovierte. Aufgrund der Liebe zu seiner Christine wurde er damals sesshaft. Eigentlich aber ist er ein Freigeist, der immer wieder durch aller Herren Länder reiste. „Mit 23 Jahren hatte ich einen schweren Motorradunfall.

Ich dachte mir, dass das jetzt nicht alles gewesen sein kann und wollte die Welt sehen. So begannen meine Reisen“, schildert der Künstler etwas wehmütig und erklärt weiter: „Ich kann mir die Bilder von damals aber gar nicht ansehen, das tut mir weh. Wegen den Finanzen und dem Haus konnte ich nicht mehr so lange weg. Aber ich bereue die Entscheidung nicht. Es wurde einfach Zeit, mich niederzulassen.“

Leben als großes Privileg

Aufgeben war für Gerhard Götzendorfer nie eine Alternative. Das wird mir noch klarer, als er mir vom Beginn seiner Selbstständigkeit erzählt, während wir an seinem Teich und seinen Hühnern vorbeispazieren: „Kurz nachdem wir das Haus kauften, wagte ich den Schritt zum hauptberuflichen Hirschhornschnitzer.

Ich machte mein Hobby damit zum Beruf. Am Anfang war das eine sehr schwere Zeit. Nach zwei Jahren wollte ich alles hinschmeißen, doch dann kam mit dem Trachtenboom plötzlich die Wende.“  Jetzt lebt der Handwerker rein von Mundpropaganda und Stammkundschaft und ist mehr als glücklich: „Ich sehe es als großes Privileg, wie ich mein Leben lebe.

Was will man mehr? Ich mache das, was mir Spaß macht und kann mir meine Zeit frei einteilen. Ich freue mich auf viele weitere Jahre in meinem Beruf.“

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