Wels: So wird das alte Truppenspital zur neuen Polizeischule

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Dritte Karriere für betagtes Gebäude

Wels: So wird das alte Truppenspital zur neuen Polizeischule

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Späte dritte Karriere für ein altes Welser Haus: Nachdem das ehemalige k. u. k. Landwehrspital in den Augen der Welser Bevölkerung auch als langjähriges Geburtenspital schon längst absalutiert hatte, bereitet es sich nun, im schon reiferen Alter, auf eine neue Laufbahn als Polizeischule vor.

Von Kurt Guggenbichler

Wenn Häuser Empfindungen hätten und sprechen könnten, dann würde das Welser Gebäude mit der Adresse Linzer Straße 89 vor Freude vermutlich lauthals jubeln. Im Alter von nun schon 113 Jahren hätte es vermutlich nicht mehr damit gerechnet, noch einmal gebraucht zu werden, zumal auch viele Welser schon glaubten, dass sein Ende nahe ist.

Jahrzehntelang hatte das Haus als Geburtenspital gute Dienste geleistet: Viele Generationen von Menschen haben darin das Licht der Welt erblickt. Darunter der Autor dieses Berichtes und – zeitversetzt – auch der Welser Bürgermeister Andreas Rabl, der letztlich dafür sorgte, dass dieses Haus nun weiterleben wird, allerdings nicht aus Gründen der Sentimentalität, sondern zum Nutzen der Stadt.

Startschuss 1905

Zuletzt stand das ehemalige Spital leer und drohte in eine Art Dornröschenschlaf zu verfallen. Seine Zukunft sah alles andere als rosig aus. Es war als Asylquartier im Gespräch.

Dabei begann die Karriere dieses Gebäudes sehr vielversprechend: Gestartet war es 1905 als Landwehrspital in einem großen und offenen k. u. k. Reiterkasernen-Areal, das sich zwischen der Magazinstraße, Reitschulgasse, Dr. Groß-Straße und Linzer Straße erstreckte.

Von diesem großen Soldatenquartier ist kaum noch was übrig. Nur zwei große, wuchtige Mannschaftsunterkünfte und ein ehemaliger und schon ziemlich ramponierter Pferdestall, der heute als Lagerschuppen verwendet wird, haben die Zeiten überdauert

1923: Gebärklinik Wels

Dass das Landwehrspital überlebte, verdankt es der Tatsache, dass es das Land Oberösterreich nach dem Zusammenbruch der Monarchie aus dem nicht mehr benötigten militärischem Gebäudebestand kaufte und es samt der dazugehörigen Anlagen (Isolierspital) ab 1. April 1923 als „Gebärklinik Wels“ weiter nutzte.

Zwischen 1923 und 1938 wurde das Ur- und Hauptgebäude laufend umgebaut und aufgestockt. Damals bekam das Areal und das Spital an der Linzer Straße sein heutiges Aussehen, einschließlich der Ausschmückungen mit den Sternzeichen-Symbolen über dem Haupteingang.

2018: Polizeischule

Der wurde unlängst von Pressefotografen und Zeitungsreportern aus ganz Österreich belagert, weil sich dort Innenminister Herbert Kickl, der oberösterreichische Sicherheitslandesrat Elmar Podgorschek, Landespolizeidirektor Andreas Pilsl, der Welser Bürgermeister Andreas Rabl und Sicherheitsstadtrat Gerhard Kroiß mit Beamten aus dem Innenministerium über den Bauzustand der künftigen Polizeischule informierten.

So einen Auflauf hatte das Haus nicht einmal bei seiner Eröffnung als Landwehrspital gesehen. Dem seinerzeitigen „Welser Anzeiger“ war das Ereignis damals offenbar keine Nachricht wert, nur im Jahr davor hatte es eine karge Neun-Zeilen-Meldung gegeben, dass das Gebäude nächstes Jahr fertiggestellt werde und dann zwei Stockwerke hoch sein würde. Darin gäbe es dann einen Belegraum für 30 kranke Soldaten.

Nicht einmal Wände zu streichen

Drei Zeilen mehr wurden dann bei der Wiederinbetriebnahme des Hauses als Gebärklinik geschrieben. Für seine neue Karriere als Polizeischule dürfte mehr Medienecho zu erwarten sein. Zum Glück muss der Staat für den Umbau des Hauses zur Ausbildungsstätte für Polizisten nicht übermäßig viel investieren, weil der Bauzustand des ehemaligen Geburtenspitals von den Fachleuten als gut bewertet wird. Davon konnte sich auch der „Wochenblick“ bei einem Rundgang mit Innenminister Herbert Kickl überzeugen (wir berichteten).

„Da braucht man ja nicht einmal die Wände zu streichen“, hatte Sicherheitslandesrat Elmar Podgorschek gescherzt, während Kickl die gute Akustik des Hauses lobte. Zuletzt wurde es als psychiatrische Klinik genutzt und einige Relikte wie beispielsweise die großen Uhren in den Gängen als auch die Schwesternzimmern in den Stockwerken wie auch das Pförtnerhaus könnten sogar weiterverwendet werden, hieß es. Aber die Sicherung des Gebäudes würde wesentlich verstärkt.

50 Lehrer – 450 Schüler

Allgemein war man bei diesem Rundgang der Ansicht, dass diese ehemalige Welser Spitalsanlage für eine Polizeiausbildungsstätte bestens geeignet sei. Um die erforderlichen 17 Lehrsäle für die 450 Schüler und 50 Lehrer zu installieren, brauchte man nur einige Zimmer zusammenlegen, wurde betont und auch die Nebengebäude und Außenanlagen eigneten sich hervorragend für den künftigen Zweck.

„In Linz platzen wir jetzt schon aus allen Nähten“, erläuterte Landespolizeidirektor Pilsl, der dieser zweiten oberösterreichischen Polizeischule in Wels schon mit Freuden entgegensieht. Verläuft alles nach Plan, können schon im Sommer nächsten Jahres die ersten Kurse beginnen. Der Erleichterungsseufzer des alten Landwehrspitals wäre jetzt deutlich zu hören, wenn – wie schon gesagt – das alte Haus reden könnte. Zum Glück aber ist ihm das Schicksal, seine Karriere als Zuwandererlager beenden zu müssen, erspart geblieben.

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