Wimholzel-Hinterland: „Ich hab’ geglaubt, mich trifft der Schlag“

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Sie hat 60.000 Euro in ihre Wohnung investiert

Wimholzel-Hinterland: „Ich hab’ geglaubt, mich trifft der Schlag“

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„Was soll hier abbruchreif sein?“ fragt Karin Maderthaner, während unseres Lokalaugenscheins in einem vom Abriss bedrohten Wohnblock im Wimhölzel-Hinterland im Linzer Franckviertel.

Ein Bericht von Georg M. Hofbauer

Die Wände weiß, die Keller aufgeräumt, versperrt, alle Leitungen verhüllt, die Postkästen alle adrett und nichts aufgebrochen. Ganz anders, als in den beiden Hochhäusern am Leondinger Harter Plateau, in den Jahren vor der Sprengung.

Abriss von 480 Wohnungen

Dennoch, den acht Wohnblocks, Anfang der 1930er-Jahre errichtet und immer wieder saniert, geht es an den Kragen. Zumindest, wenn es nach der GWG und einem Gutachten geht, das von der Initiative „Wimhölzel-Hinterland am Leben erhalten“ in Zweifel gezogen wird.

Für die GWG „sei alles andere, als dem Gutachten zu folgen, nicht zu verstehen“. Heißt also: Abriss von 480 Wohnungen, betroffen sind rund 1.000 Menschen. Und Neubau: Natürlich höher, um mehr Menschen ansiedeln zu können.

Die Stadt Linz will im Wimhölzel-Hinterland höher hinaus, das beweist ein Neubau nach einer Gas-Explosion.

Abrisspläne verschwiegen?

Was die Verunsicherung bei den Mietern bewirkt, konkret bei der Pensionistin Karin Maderthaner, die im Sommer ihren Sechziger feierte, wird beim Besuch sichtbar: „Mich freut nicht einmal mehr das Zusammenräumen“, entschuldigt sie sich beim Besuch und zeigt die Investitionen der jüngsten Zeit.

IHRE Investitionen: 60.000 Euro habe sie in ihre – für sie perfekt aufgeteilte – 50 Quadratmeter-Wohnung gesteckt. In Küche, Bad und WC. „Selbst vor einem Jahr, als ich wegen des Umbaus mit der GWG in Kontakt war, hat keiner etwas von den Plänen abzureißen, gesagt“, schildert die frühere Quelle-Mitarbeiterin, die seit 27 Jahren gut und gern in ihrer Wohnung in ihrem Viertel wohnt.

“Ich will auf jeden Fall nicht weg”

„Ich habe geglaubt, es trifft mich der Schlag, als ich von den Abrissplänen gehört habe. Ich bin wie gelähmt, die Freude über die neue Küche, das Bad. Alles ist weg“, schildert die begeisterte Franckviertlerin, die jetzt nicht mehr weiß, wie es weitergehen soll. Schlimm empfindet sie die Irreführung durch die GWG – wie sie es bezeichnet: „Die haben das sicher schon lange gewusst, aber uns nichts gesagt. Ich hätte sonst nicht so viel investiert in den letzten Jahren.“

Und sie ergänzt: „Ich will auf jeden Fall nicht weg von hier!“ Alles funktioniere, vor allem die Nachbarschaftshilfe, die gewachsene Struktur sei bestens bewährt. Alle helfen zusammen und kennen einander. Wenn sie jemanden braucht, der auf ihren elfjährigen Mischlingshund „Idefix“ aufpasst, sei das nicht das geringste Problem.

Bis zum Schluss alles durchfechten

Was Karin Maderthaner vor allem nicht einsehen kann und will: Sie, die sie im Jahre 2023 vom Abriss und der „Umsiedelung“ betroffen sein könnte, müsste vermutlich dann 200 Euro pro Monat mehr an Miete bezahlen. „Ich sehe das nicht ein, dass ich mich einschränken soll und alles zurückschrauben muss. Ich brauche keinen Balkon“, betont sie. Und will alles durchfechten bis zum Schluss.

Die Wohnsituation, abseits der Bedrohung durch die Abrisspläne, beschreibt sie, mit spürbarer Begeisterung für das Franckviertel als Wohngegend, die auch die Schattenseiten genau kennt, aber: „Sie müssen sich das anschaun’, was die Leute aus den Vorgärten gemacht haben, im Sommer ist alles grün und schön. Wir haben hier alles. Es ist ruhig, ich bin sogar relativ schnell zu Fuß im Zentrum der Stadt. Was will ich mehr…“

GWG: “Erneuerung der Wohnanlage”

„Der GWG-Aufsichtsrat hat sich mit großer Mehrheit entschlossen, den Empfehlungen des Sachverständigen-Gutachtens zu folgen. Dieser Plan sieht innerhalb von zehn Jahren eine Erneuerung der Wohnanlage vor, so dass der Bezug der letzten Wohnungen 2027 erfolgen kann“, heißt es jetzt seitens der GWG…

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