Luxus und Reichtum gab‘s bereits in Ovilava

Werbung

Die alten Römer auch in Wels

Luxus und Reichtum gab‘s bereits in Ovilava

[responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Vorlesen"]

Werbung

Als Lutetia, das heutige Paris, noch ein bescheidenes gallo-römisches Städtchen war, war Ovilava, das heutige Wels, schon eine große römische 7.000-Einwohner-Metropole in der Provinz Ufer-Noricum, deren Bewohner bereits relativ luxuriös lebten, wie die zur Zeit laufende Ausstellung „Luxus im Alltag – Ziviles Leben im römischen Wels“ im Minoriten-Museum zeigt.

Ein Beitrag von Kurt Guggenbichler

Wels, das eine keltische Vorgängersiedlung hatte, war im Laufe seiner Geschichte das Schicksal beschieden, gleich mehrere Stadt-Karrieren zu machen. Zuerst unter den Römern, dann im Mittelalter und schließlich in der Neuzeit. Unter Kaiser Hadrian (117 – 138 n. Chr.) ist es erstmals zum „municipium“ (einer autonomen Stadt) aufgestiegen und Kaiser Caracalla (211–217 n. Chr.) hat es zu einer „colonia“ erhoben, einer Art Großstadt im Römischen Reich, die sich nicht zuletzt auf Grund ihrer hervorragenden geographischen Lage prächtig entwickelte.

Nachempfundene Reise

Bis zu 7.000 Bewohner hätten diese „colonia“ an der Traun bevölkert, heißt es, was sehr viel ist, wenn man berücksichtigt, dass Wels diese Einwohnerzahl in etwa erst wieder im 19. Jahrhundert erreichte. Das römische Wels muss tatsächlich sehr beeindruckend gewesen sein.

Der Welser Heimatforscher Ferdinand Wiesinger (1864 – 1943), dessen Spezialgebiet die römische Geschichte war, hat uns in einer seiner Schriften schon beizeiten ein Bild von dieser Stadt vor etwa 1.800 Jahren zu vermitteln versucht, in dem er eine nachempfundene Reise des römischen Prätorianer-Offiziers namens Lucius Saplius Honratius von Aquileia nach Ovilava beschreibt, wo sein Vater und sein Onkel leben: der Aedile (Marktvorsteher) Lucius Spalius Optatus beziehungsweise der Gemeinderat Lucius Saplius Aggrippea.

Römerexpertin Renate Mieglbauer erklärt die aufgefundenen Essensreste der Bewohner von Ovilava in der Ausstellung „Luxus im Alltag“.

Prächtige Stadt

Alle genannten Herrschaften hat es wirklich gegeben. Nur das geschilderte Reiseerlebnis ist fiktiv, auch wenn sich Wiesinger dabei an wissenschaftlichen Erkenntnissen orientierte, vor allem, was die Reiseroute, die Reiseorte und die damalige Art des Reisens und Übernachtens betrifft. Zum letzten Mal vor dem Eintreffen in Ovilava nächtigte der Tross in Betoniana schreibt Wiesinger, dem heutigen Pettenbach.

Als die Reisegesellschaft schließlich das Gelände auf Höhe der ehemaligen Würzburger Ziegelwerke erreichte, konnte sie auf Ovilava hinunterschauen. Welchen Eindruck es auf die Gruppe gemacht haben könnte, beschreibt der Heimatforscher so: „Vor uns, am anderen Traunufer, liegt in der Sonne, von der neuen blinkenden Mauer umfangen, die ausgedehnte Stadt. An der Mauer sehen wir die Türme vorspringen, einer vom anderen im Abstand von 70 Metern und wir zählen über 50 solcher Türme“. Dabei handelte es sich um die unter Kaiser Caracalla errichtete Stadtmauer, eine der größten nördlich der Alpen.

Gutes Leben

Dort, wo sich in Wels heute die Eisenbahnbrücke befindet, könnte nach Wiesingers Beschreibung die gemauerte römische Brücke gestanden haben einschließlich eines massiv gemauerten Wasserleitungsrohrstranges. „Am jenseitigen Brückenkopfe erhebt sich noch neu und in der Sonne glitzernd das eben erst fertiggestellte Reiterstandbild des Kaisers Caracalla“ – die Reisegruppe war an ihrem Ziel.

Nun begibt sich der Prätorianeroffizier in das prächtige Wohnhaus seines Vaters, des Aedilen, schreibt Wiesinger weiter: „Er tritt durch die enge Eingangspforte in das offene Atrium, an das sich rechts und links die Wohnräume anschließen. Nachdem der Reisende ein Bad genommen hat, legt er sich im vornehmsten Raum des Hauses, im Tablinum, zum Mahl.“

So etwas hätte man noch heute gern: Den Schmuck der alten Römer. (kleines Bild) Das befestigte Ovilava: So könnte das römische Wels von den Höhen des Reinbergs aus betrachtet ausgesehen haben.

Viele Delikatessen

Dort speist Lucius Saplius Honratius, was die Gegend bietet: große Traunfische, Wildbret aus den Traunauen. Als Konfekt gibt es frisch aus Oberitalien bezogene süß eingelegte Oliven. Auch Austern hätte die Küche wohl parat gehabt, vermutlich auch Meeresschnecken, die man in Keramikschüsseln servierte. In großen tönernen Amphoren reichten Diener den Wein…

Auch die Römer in der Provinz haben zu leben verstanden, erläutert die Welser Römerexpertin Renate Mieglbauer und sie hatten auch keine Scheu ihre Wohlhabenheit zur Schau zu stellen – auch in Ovilava. Das weiß man, weil man bei zahlreichen Ausgrabungen im Lauf von vielen Jahrzehnten im Welser Stadtgebiet nicht nur römische Abfallgruben mit den luxuriösen Essensresten gefunden hat, sondern auch Schmuck und andere Alltagsgegenstände, die dokumentieren, dass es sich die Römer auch in der Hauptstadt der keltischen Provinz Ufer-Noricum recht gut gehen ließen.

Wertvoller Schmuck

Mit mehr als 600 neuen Exponaten aus den letzten 15 Jahren lockt die bis zum Herbst laufende Ausstellung „Luxus im Alltag: Ziviles Leben im römischen Wels“, die auch einen aus Elfenbein gefertigten Griff eines Klappmessers aus dem Vorderen Orient zeigt, den es weltweit nur in den Minoriten zu sehen gibt. Ein einzigartiger Fund sei auch der Griff eines Spargelmessers, betont Mieglbauer.

Dieser Griff ist wie ein Asparagus-Gewächs geformt. Zudem sind noch jede Menge Fibeln (Gewandklammern), Ohrringe, Haarspangen, Schmink-Plättchen, Klapp-Spiegel und Parfüm-Fläschchen in der Ausstellung zu bewundern.
Wer offenen Auges durchs Museum streift, der wird auch den bronzenen Pferdefuß nicht übersehen, der einmal zu jenem Reiterstandbild gehört haben soll, welches Wiesingers fiktive Reisegruppe beim Eintreffen in Ovilava erspähte.

Luxus und Reichtum gab‘s bereits in Ovilava TEILEN
Share on facebook
Facebook
Share on twitter
Twitter
Share on linkedin
LinkedIn
Share on whatsapp
WhatsApp
Share on telegram
Telegram
Share on reddit
Reddit
Share on email
Email
Ähnliche Artikel
Schlagwörter
NEWSLETTER

Bleiben Sie immer aktuell mit dem kostenlosen Wochenblick-Newsletter!

Neuste Artikel
vor 3 Stunden, 25 Minuten
vor 19 Stunden, 25 Minuten