Zauber der Schwingen: Ein Leben für unsere Wildvögel

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Zauber der Schwingen: Ein Leben für unsere Wildvögel

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Aug in Aug mit einem majestätischen Adler, ringsherum das Geschrei hungriger Vögel während man zusieht, wie der Jäger der Lüfte genüsslich einen Rehkopf reißt. Im Bann dieses Moments ist man wieder Teil der Wildnis. Ein Gefühl, das einem in der Greifvogel- und Eulenschutzstation OAW des OÖ Naturschutzbundes in Ebelsberg ereilt.

Eulen-Statuen, Eulen-Bilder, Eulen-Polster – man muss nicht Sherlock Holmes sein um zu erahnen, dass man hier das Stammhaus der Station betritt. Gleich werde ich auf den Vogelexperten Reinhard Osterkorn treffen, der ehrenamtlich und voller Hingabe seit dreißig Jahren die einzige Pflege- und Aufzuchtstation für Eulen und Greifvögel in Oberösterreich betreut.

Als ich eintrete stolpere ich beinahe über einen der vier Kübel direkt am Eingang. Es ist kein schöner Anblick, der sich mir bietet. Tote Küken, Ratten und Rehköpfe. Nun ist klar, was ansteht: Wildtier-Fütterung.

Zauber der Schwingen: Ein Leben für unsere Wildvögel 1140 Vögel müssen täglich gefüttert werden

Aus mehreren kleinen Käfigen blicken mich die scharfen Augen von Falken und Käuzen an. lch denke bei mir: Sie sind es wohl, die auf ihr Mittagessen warten. Doch Reinhard Osterkorn klärt mich auf. Ganze 140 hungrige Mäuler müssen jetzt gestopft werden und zwar in den dreißig teils offenen Gehegen unweit vom Stammhaus entfernt. Im Haus warten lediglich die fast täglichen Neuzugänge auf ihre Versorgung und je nach Genesung auf ihre baldige Freiheit.

50% der verletzten Vögel genesen wieder vollständig

Denn in Osterkorns Vogelhotel leben nicht nur Dauergäste. Nach Kollisionen mit Autos, Fensterscheiben oder Leitungen schaffen es rund die Hälfte der gefiederten Patienten die Lüfte wieder zu erobern. Und das ist es auch, das dem Tierfreund seine unbändige Motivation liefert: „Das Leuchten in den Augen der Menschen, die mir einen Pflegling bringen und ihn dann wieder freilassen dürfen“, schildert der Vogelpapa, während wir 15 Kilo Futter in seinen VW laden und uns auf den Weg zu den Gehegen machen.

Zauber der Schwingen: Ein Leben für unsere Wildvögel 2Mit Knackgeräuschen droht der Kauz!

Es ist für mich ein bewegender Moment, als ich das erste Mal in die tiefschwarzen Augen eines Habichtskauzes blicke. Knack, knack, knack dringt es aus den Ecken. „Eine Drohgebärde der Käuze“, erklärt Osterkorn, der gerade einige Kadaver im Gehege verteilt. Mit einem geübten Griff fängt er einen Steinkauz und wendet sich zu mir um: „Gut halten!“, schimpft mich Osterkorn, weil ich das kleine Wesen zu zaghaft berühre. Ein kurzes Foto und schon fliegt er wieder davon.
Am Weg zum nächsten Gehege pöbelt uns Mäusebussard „Pipsi“ von der Seite an. „Er ist der Wächter hier“ erklärt der Ziehvater und drückt mir ein totes Küken in die Hand. Nimmt Pipsi das Futter von mir an? „Sieht gut aus!“, lobt mich Osterkorn und erklärt, dass er damit testet, ob freiwillige Helfer für eine Mitarbeit geeignet sind. „Denn dafür braucht es eine gewisse Ausstrahlung“, weiß der Vogelflüsterer.

Schlechtwetter und Krankheit konnten Reinhard Osterkorn nicht aufhalten

Zauber der Schwingen: Ein Leben für unsere Wildvögel 4
Reinhard Osterkorn

Nach gut einer Stunde ist das letzte Gehege geschafft und ich spüre meine Zehen und Finger nicht mehr. Es herrschen eisige Temperaturen und ich bin ein wenig angeschlagen. Etwas, für das der Tierschützer wenig Verständnis aufbringt: „Ich begann mit vierzig Jahren, das alles hier aufzubauen. Neben meinem Job, bei jedem Wetter und sogar mit Fieber kümmerte ich mich täglich um meine Schützlinge“, erzählt Osterkorn, der seither bereits 70.000 Euro in die Ebelsberger Vogelstation investierte. „Ich tue das alles, um die Artenvielfalt zu erhalten und die Menschen für die Natur zu sensibilisieren.

Freilassungen sind besonders sehenswert

Unterstützung erhält er dabei von Ehrenamtlichen, vom Land Oberösterreich und vom OÖ Naturschutzbund, der 2012 die Trägerschaft der Einrichtung übernahm.
Wir machen uns auf unseren Rückweg und Osterkorn deutet auf einen noch leeren Bereich neben einer Voliere. „Hier entsteht das Klassenzimmer im Grünen“, erklärt er aufgeregt. Ab Mai können dort Schülergruppen inmitten der Käuze und Bussarde den spannenden Geschichten vom erfahrenen Vogelliebhaber lauschen. „Bei Gelegenheit kann man auch bei Freilassungen zusehen“, macht er mir abschließend den nächsten Besuch noch schmackhaft. Die nächste Visite ist somit fix.

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