Als verfrühtes Weihnachtszuckerl wird die ÖBB ihren Mitarbeitern eine Lohnerhöhung um drei Prozent angedeihen lassen. Leisten kann sich der staatsnahe Betrieb das eigentlich nicht.

Rückwirkend ab 1. Oktober gibt es für die Eisenbahner mehr Gehalt, und zwar freiwillig drei Prozent. Laut dem Wirtschaftsmagazin „trend“ haben die ÖBB-Vorstände Andreas Matthä und Josef Halbmayr derartige Pläne bereits unterzeichnet.

Schuldenberg wächst rasant

Die ÖBB-Chefs sehen sich als Christkindl: Da sie noch immer in Gehaltsverhandlungen mit der Gewerkschaft Vida feststecken, wäre es ohne die Maßnahme vor Weihnachten überhaupt nicht zu Gehaltserhöhungen gekommen.

Leisten kann sich der staatsnahe Betrieb ein derartiges, freiwilliges Zuckerl eigentlich nicht. Der kernrote Konzern steckt seit Jahren schon tief im Schuldensumpf. Etwa 20 Milliarden Euro Schulden hat das Unternhemen bereits angehäuft. Bis zum Jahr 2026 werden die Schulden voraussichtlich um 50 Prozent auf 30 Milliarden anwachsen.

Gleichzeitig zu den Gehaltsauffettungen tönen aus dem Rechnungshof auch kritische Töne. Bei einer Follow-Up-Überprüfung der ÖBB-Pensionen stellte der Rechnungshof fest, dass einige dringend notwendige Anpassungen noch nicht vorgenommen wurden.

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Einsparungspotenzial nicht ausgeschöpft

Das Einsparungspotenzial der nicht umgesetzten Maßnahmen würde rund eine Milliarde Euro betragen. Viele der nicht gesetzten Schritte würden laut Rechnungshof direkt in die Zuständigkeit des Verkehrsministeriums fallen.

Verkehrsminister Hofer verteidigte sich indes, dass bereits erfolgreich auf Schiene gebrachte Reformen mit kleinen Schritten und Augenmaß verfolgt werden müssen „um keine Unruhe und keine Widerstände“ im Unternehmen zu wecken.

Trotz einiger wirtschaftlichen Positivtrends bei der ÖBB besteht angesichts des enormen Schuldenberges und Problemen wie etwa einer sehr niedrigen Eigenkapitalquote kein Grund zu feiern. Freiwillige Gehaltszuckerl rücken den Konzern angesichts der Wirtschaftslage in eine schiefes Licht – denn finanzieren muss es im Endeffekt der Steuerzahler.