Jetzt haben die Londoner es schwarz auf weiß: ihre öffentliche Sicherheit ist nicht länger gewährleistet, denn es gibt zu viele gefährliche IS-Extremisten auf den Straßen. Die Polizei kann nicht alle auf einmal überwachen. Das sagte Neil Basu, Vize-Polizeichef der Londoner Polizei und ranghoher Beamter der Anti-Terror-Einheit. Aktuell seien 3.000 (islamistische) Gefährder auf dem Radar der Polizei und viele verurteilte Terroristen stehen vor ihrer Freilassung, sagte er.

Ein Bericht von Kornelia Kirchweger

Rund um die Uhr-Observierung nützte nichts

Anlass für diese Schand-Erklärung war das kürzlich erfolgte Messer-Attentat eines verurteilten, frühzeitig aus der Haft entlassenen IS-Terroristen: denn obwohl der 20jährige Amman Sudesh seit seiner Entlassung rund um die Uhr von 20 Polizisten überwacht wurde, gelang es ihm, zwei Menschen auf offener Straße zu ermorden, bevor er selbst erschossen wurde. Amman saß seit Dezember 2018 im Gefängnis und kam nach der Hälfte seiner 40-monatigen Haftstrafe wieder frei.

Christianophobie und IS-Rassismus

Im Bericht des Evening Standard findet man übrigens nicht ein einziges Mal den Begriff „islamistischer Terror“. Auch keinen Verweis darauf, dass solche Attentate zutiefst christianophob und rassistisch sind. Man stelle sich nur vor, Christen laufen auf den Straßen herum und erstechen – im Namen ihres Gottes – andersgläubige Menschen. Die (inter)nationalen Schlagzeilen und Attribute für solche Täter kann man sich ausmalen.

Boris Johnson greift mit Notgesetz durch

Premier Boris Johnson greift jetzt mit einem Notgesetz durch, das ab kommender Woche gelten soll. Es ersetzt die bisherige Regelung, wonach (islamistische) Terroristen automatisch, nach Abbüßung der Hälfte ihrer Strafe, freigingen – auch wenn sie noch als Gefährder galten. Laut neuer Verordnung müssen inhaftierte (islamistische) Terroristen künftig mindestens zwei Drittel der Haftstrafe absitzen und werden erst früher entlassen, wenn sie das zuständige Gremium von ihrer „Harmlosigkeit“ überzeugen können. Von dem neuen Gesetz sind 220 Terroristen betroffen.

Angstkultur zerstört Sicherheit

Jeder „gut erzogene“ Brite hat Angst vor einer Abstempelung als rassistisch oder islamophob, was bei Kritik am Islam rasch der Fall ist. Deshalb wird auch der Appell von Vize-Polizeichef Basu, frühzeitig auffälliges Verhalten zu melden, ins Leere gehen. Denn die Angst vor einer Stigmatisierung ist immer noch größer, als vor IS-Attentaten. Das war u.a. auch der Grund, warum eine Pakistanische Kinderschänder-Mafia (Rotherham) jahrelang, vor den Augen der Behörden und trotz mehrfacher Anzeigen, ihr Unwesen treiben konnte. Der Eiertanz bei der Wortwahl des Vize-Polizeichefs bei seinem Aufruf an die Öffentlichkeit weist darauf hin: „Wir brauchen Ihre Hilfe, um zu verhindern, dass „anfällige“ Menschen dort landen, wo solche Gewalt wie letzten Samstag dann ausbricht“. „Der Angreifer vom letzten Sonntag hat sein Herz dem Märtyrertum verschrieben, schon bevor er verurteilt wurde. Aber in seinem früheren Leben gab es einen Punkt, an dem man ihn von Gewalt und Hass abbringen hätte können“. Deshalb sei frühe Intervention …der Schlüssel. Man brauche Familien, Freunde, Kollegen und die Gemeinschaft, um früh intervenieren zu können. Das ruiniere nicht das Leben des Betroffenen, sondern rette es – und potenziell auch das Leben anderer.