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Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt: 2017 lief positiver, als bei vielen der üblichen Jahresprognosen vorhergesagt wurde.

Eine Kolumne von Dr. Herbert Samhaber

In Bezug auf die heimische Wirtschaft dürften die ursprünglichen bereits positiven Prognosen der renommierten Wirtschaftsforschungsinstitute WIFO und IHS, sowie der Österreichischen Nationalbank mit einem Wirtschaftswachstum von deutlich mehr als zwei Prozent noch übertroffen werden.

Brexit und Trump

Die Prognosen zum Wirtschaftswachstum für 2018 in Bezug auf die heimische Wirtschaft und den OECD-Raum des WIFO sehen ähnlich positiv aus, wie das zu erwartende Endergebnis für 2017. Trotz politischer Beben in Form von BREXIT und Trump, sowie diversen Wahlen, die sich durch das Jahr zogen, ging die wirtschaftliche Erholung in Österreich, Europa und den USA weiter.

An den Finanzmärkten gab es ein Auf und Ab, wobei die ersten Börsenmonate in Summe positiv verliefen, gefolgt von einer deutlichen Korrektur von Mai bis September in Europa und einer anschließenden Erholung, die sich in letzter Zeit etwas abgeschwächt hat. In den USA hält der positive Trend an.

Anleihenkaufprogramme der EZB

Ein Wermutstropfen war die Stärke des Euro im Vergleich zum US-Dollar aus Sicht von europäischen Exportunternehmen, wobei Österreich und Deutschland besonders betroffen sind. Dasselbe gilt aus europäischer Investorensicht, denn der stärkere Euro wirkte Kursgewinnen in US-Titeln entgegen.

Für USA-Besucher aus Europa war die Stärke des Euro positiv. In den USA ist die Zinswende bereits erfolgt, wodurch speziell die Kurse länger laufender Anleihen in diesem Bereich leiden. In Europa haben wir schon länger das Erreichen des Kurszenits im Staatsanleihenbereich kolportiert, eine Senkung der Leitzinsen unter 0 steht nicht im Raum, Anleihenkaufprogramme der EZB werden zurückgefahren.

Finanz-Check: Dr. Herbert Samhaber antwortet

Der Ölpreis blieb auf niedrigen Niveau

Die Wahrscheinlichkeit für den Beginn der Zinswende erhöht sich. Der Ölpreis blieb trotz der guten Konjunktur auf einem relativ niedrigen Niveau. Da es zu keiner Eskalation von Krisen kam, wundert mich das relativ stabile Niveau des Goldpreises im abgelaufenen Jahr nicht.

In Österreich geht nun erfreulicherweise auch die Arbeitslosigkeit zurück. Während auf der einen Seite immer noch viele Österreicher arbeitslos sind, suchen auf der anderen Seite Unternehmen qualifizierte Kräfte. Hier sind politische Impulse und Planung gefragt um bereits für Schüler die Bereiche interessanter zu machen, wo Bedarf herrscht bzw. sich ergeben wird.

Beschränkung von Ausbildungsplätzen

Langfristiges Denken ist gefragt – man sollte sich den Altersschnitt der Beschäftigten in den unterschiedlichen Branchen heranziehen – so kann man zukünftige Lücken zumindest grob identifizieren. Auch eine Beschränkung von Ausbildungsplätzen in den Bereichen, wo mit einem Überangebot an Arbeitskräften gerechnet wird, ist für mich sinnvoll.

Es gilt für die neue österreichische Regierung das positive Umfeld und die Gelegenheit zur Neustrukturierung zu nutzen. Den Abbau von Defiziten mahnen auch WIFO und Co ein. Wenn wir positive Phasen nicht zum Schuldenabbau nutzen, haben wir keinen Puffer für negative Phasen. Auch die überfällige Strukturreform sollte helfen, dass die verhältnismäßig hohen Steuereinnahmen des Staates reichen, um Schulden abzubauen und Reserven für schlechte Zeiten anzulegen.