Die Gefahr einer Pandemie ist jeder Nation seit langer Zeit bewusst. Auf Google finden sich zahlreiche gut ausgearbeitete Pläne für Vorsorge und Maßnahmen im Pandemiefall. Die meisten davon wurden nicht für ein Coronavirus sondern für Influenza entwickelt, was im Krisenfall keinen Unterschied bedeutet. Nach zahllosen Planspielen und wissenschaftlichen Untersuchungen lagen überall die Pandemie-Krisenpläne bereit. Die bisher wahrnehmbaren Maßnahmen der Bundesregierung haben damit so gut wie nichts zu tun. 

Ein Kommentar von Willi Huber

Sehr informativ ist das Ergebnis einer großen Pandemie Übung in Deutschland im Jahr 2007: „Demnach waren die übenden Krisenstäbe zum Teil unfähig, Entwicklungen vorherzusagen und „vorausschauende strategische Entscheidungen“ zu fällen. Bedrohliche Szenarien wurden „zum Teil unterschätzt“, auf gravierende Auswirkungen nur schleppend oder gar nicht reagiert. Der Bericht moniere, es habe an „Instrumenten und Daten“ gefehlt, um den Bedarf an Antibiotika oder antiviraler Arznei realistisch einzuschätzen.“

Dies beschreibt gut, was auch heute in Deutschland und Österreich geschieht, wobei Deutschland die Entwicklungen scheinbar absichtlich noch länger verschläft als die Alpenrepublik. Das ach so gute Zeugnis, das sich Bundeskanzler Sebastian Kurz zur Zeit von den ihm freundschaftlich verbundenen Medien ausstellen lässt, wirkt allerdings wie von einer privaten Maturaschule gekauft.

Welche Maßnahmen wären bei einer Viren-Pandemie eigentlich vorgesehen?

1. Vorbereitung des Krankensystems

– Für ausreichend Schutzmaterialien und Desinfektionsmittel
– Für ausreichend Diagnosekapazität sorgen, um für Quarantäne selektieren zu können
– Für ausreichend Behandlungskapazitäten sorgen

In Österreich hat man statt Vorsorge zu treffen erst einmal abgewartet. „Schau ma amoi.“ In Kurzschem NLP-Sprech wurde dies mit „wir beobachten die Situation genau“ übersetzt. Bis zum ersten Fall in Österreich wurde beschwichtigt. Das beträfe uns ja quasi gar nicht. Auch der massive Ausbruch im benachbarten Italien führte zu keinen Maßnahmen. Innenminister Nehammer schickte 27 Tonnen medizinisches Material – nein nicht an unsere Krankenhäuser. Er schickte sie nach China. Übrigens schickte China gestern 30 Tonnen medizinisches Material nach Italien. In Österreich sind Schutzmasken und Desinfektionsmittel rare Güter, die speziell aus Krankenhäuser gestohlen werden. Im Privatsektor ist so gut wie nichts mehr davon verfügbar.  Dass man für die Schwerkranken auch mehr Spitalsbetten brauchen wird ist mitten in der Krise eine plötzliche Erkenntnis – auch dieses Detail hätte man bereits Anfang Februar vorbereiten können, wo man noch beobachtete und dementierte.

2. Flächendeckende präventive Tests und konsequente Quarantäne

An tatsächlichen Tests war und ist in Österreich niemand interessiert. Für ausreichende Kapazität zur Diagnose von Infektionen wurde nicht ein Finger gerührt. Stattdessen werden an sehr wenigen, zentralen Stellen wenige Testungen durchgeführt, auf deren Ergebnis man lange warten muss. Getestet werden nach wie vor nur Menschen, wo ein absolut dringender Verdacht der Infektion vorliegt. Es ist deshalb von zehntausenden Infizierten auszugehen, wo die Krankheit einen milden Verlauf nimmt und die außer einem leichten Husten nichts davon bemerken.

Maßnahmen wie „kontaktloses Fiebermessen“ an Grenzen und Flughäfen sind aufgrund der oft langen Inkubationszeit und der Tatsache, dass Menschen schon vor ihrer eigenen Erkrankung andere anstecken können, weniger als ein Hohn. An sich hätte jeder Reisende getestet werden müssen. Wer nicht, zögerlich oder lückenhaft testet, kann die Infizierten nicht herausfiltern und in Quarantäne stecken. Deshalb wurden fast ausschließlich bereits erkrankte Infizierte unter Quarantäne gestellt, nachdem sie das Virus gut verbreiten konnten.

Asiatische Länder wie Singapur haben das Virus gut unter Kontrolle. Dort sind die Tests kostenlos und dauern 10 Minuten. In Südkorea kann man das bequem in eigens errichteten Drive-Ins erledigen. In Österreich muss man darum betteln, die Zahl der täglich möglichen Tests ist verschwindend gering und ein Test dauert 4 Stunden. Dafür ist unser Test „zu 99% sicher“, darauf ist man sehr stolz.

3. Schließung der Grenzen und der Flughäfen

Auf Basis der wissenschaftlichen Untersuchungen der letzten Jahrzehnte wurden sogar Computerspiele entwickelt. Manche davon erscheinen angesichts der Corona-Krise vielleicht zynisch wie Plague Inc., wo man nicht die Menschheit spielt sondern versucht, diese mit einem Designer-Virus möglichst schnell auszurotten. All diesen Spielen gemein ist eine weitere Grundlage der Pandemie-Vorsorge: Sperre der Verkehrsverbindungen, Sperre der Grenzen.

Es gibt keine einzige Simulation, wo nicht dieses Detail dafür entscheidend ist, die Leben von Millionen zu retten. Man könnte sagen, bereits jedes Kind weiß das. In Österreich sind Flughäfen und Grenzen bis heute nicht geschlossen. Stattdessen wurde darauf gesetzt, die Vorgaben der EU zu den geheiligten offenen Grenzen umzusetzen, begleitet von linken ideologischen Aussagen wie „Viren machen vor Grenzbalken nicht halt“. In einigen Monaten wird sich zeigen, wie es der Bevölkerung von Ländern erging, welche auf geschlossene Grenzen setzten.

Schildbürgerstreiche der Regierung

Wenn man von Schildbürgerstreichen spricht, wäre es noch untertrieben. Weshalb das Virus nach 15.00 besonders wirksam sein sollte, wird man wohl niemandem erklären können. Bis dahin darf man sich in Lokalen gegenseitig anstecken. Für den öffentlichen Verkehr, der vor allem in Städten das höchste Infektionsrisiko in sich birgt, gibt es kaum Einschränkungen. Während andere Länder gerade dort ständig mit Desinfektionsteams arbeiten und bei jedem Eingang Desinfektionsmittel-Spender zur Verfügung stellen um zumindest die Hände zu reinigen, reagiert man beispielsweise in Wien mit 3-Minuten statt 2-Minuten Intervallen darauf. Also sollen sich noch mehr Menschen in noch weniger U-Bahn-Garnituren versammeln. Während man Geschäfte schließen will, die kaum Personenverkehr haben, bleiben andere offen, wo auch ohne Korona ständiges Geschiebe und Gedränge vorherrscht. Besonders kreativ ist dabei die Ansage, dass Handy-Shops geöffnet bleiben dürfen.

Fühlen Sie sich sicher?

Finden Sie die Performance von Sebastian Kurz und seinen grünen Partnern wie dem Volksschullehrer Rudolf Anschober tatsächlich so vorbildlich und lobenswert? Oder hätten Sie sich unter einem Innenminister Kickl wohler gefühlt, der schon vor Wochen sehr konkrete Maßnahmen der internationalen Pandemie-Forschung vorschlug?

Links:

2007 – Große Probleme bei Pandemie Übung
2014 – Handlungesmpfehlungen bei Pandemien auf Basis einer Fraunhofer-Studie
2017 – G20 – gemeinsam Pandemien verhindern
2018 – Experten proben weltweiten Bioterror