IG-Milch: „Die Bauern sterben leise“

IG-Milch: „Die Bauern sterben leise“

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Heute findet der „Weltmilchtag“ statt. Zu feiern gibt es leider nicht viel. Auf Facebook kursieren etliche Bilder mit Aufschriften wie: „Eine Packung Milch kostet 0,69 Euro, eine Flasche stilles Wasser 0,75 Euro.“  Rund 8.000 Milchbauern zählt Österreich noch, viele sind in ihrer Existenz bedroht. Eine erschütternde Bilanz…

Die Milchpreise sind im Keller. Im kommerziellen Bereich beträgt der Nettopreis pro Liter Milch 26 Cent, im Biobereich etwa 40 Cent. Geringfügige Abweichungen von 3-4% nach Sorten ändern die Sachlage nur geringfügig. Auch bei Biomilch ist die Tendenz fallend, erste Molkereien haben begonnen die Preise zu senken. Berechnungen des Ministeriums sowie des Agrarexperten DI Dr. Leopold Kirner zufolge müsste der Preis für kommerzielle Milch mindestens 50 Cent, für Biomilch mindestens 60 Cent betragen, damit Bauern auch wirklich gewinnbringend wirtschaften und Rücklagen bilden können. Die Milchbauern leben derzeit einfach nur von ihrer Substanz und können nichts in ihre Betriebe investieren.

Mengensteuerung – die einzige Lösung?

Laut Ewald Grünzweil von der „IG-Milch“, der selbst schon seit 35 Jahren als Bauer in die Milchwirtschaft eingebunden ist, sei eine Mengensteuerung die einzige nachhaltige und wirksame Lösung. Weil „kein Mensch diese Menge braucht“. Es soll offenbar ein Strukturbruch geschehen: Kleine Betriebe sollen gehen, Große sollen sich etablieren.

Grünzweil nennt solche Betriebe „Amokmelker“ – sie steigern ihre Produktion nach wie vor, trotz völliger Übersättigung. Molkereien müssten einfach sagen: „Wir holen deine Milch nicht ab“. Die „Gmunder Milch“ sei ein positives Beispiel – sie haben sich über ein Bonus-Malus System von selbst eine Mengensteuerung geschaffen.

Die IG-Milch arbeitet eng mit anderen NGO’s und Vereinen wie auch der Plattform „Wir haben es satt“ zusammen. Aus dieser Vernetzung heraus entstand überhaupt erst der aktuelle Milchdialog. Im Falle einer Mengensteuerung wären die Preise im Geschäft laut Grünzweil nur unwesentlich höher. Es brauche einen breiten Konsens in der Gesellschaft, und vor allem des Konsumenten, für Qualität zu bezahlen.

Bauern werden am Altar des Welthandels geopfert

„Die Bauern sterben leise“, sagt Grünzweil. Sie sind stark mit Grund und Boden verwurzelt und geben nicht von heute auf morgen auf. In den Medien bekommt man davon nicht viel mit, oft sei es auch die Scham, den Betrieb des familiären Hofes nicht mehr aufrecht erhalten zu können. In der bäuerlichen Bevölkerung herrscht Frust und Perspektivlosigkeit.

Grünzweil kritisiert das ganze System dahinter: „Es fängt in den Landwirtschaftsschulen an und geht mit Raiffeisen, Landwirtschaftskammer und Bauernbund weiter. Sie vereinnahmen das Geschehen für sich. Sie alle können jetzt – im negativen Sinne – ihre Früchte ernten. Wir können zwar am Weltmarkt mitproduzieren, aber die eigenen Bauern gehen drauf. Wenn das deren Erfolgsmodell ist, dann weiß ich auch nicht…“

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