Revolution in Wien: Ja dürfen’s denn das?

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1848 in Österreich

Revolution in Wien: Ja dürfen’s denn das?

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“Ja dürfen’s denn das?”, soll Kaiser Ferdinand I. im März seinen leitenden Minister Fürst Metternich verdutzt gefragt haben, als dieser ihm erklärte, dass die lärmende Menge vor der Hofburg nicht seiner apostolischen Majestät zujubelt, sondern Revolution mache. Es ging um Freiheiten, die wir heute als selbstverständlich erachten. Rede- und Meinungsfreiheit, Pressefreiheit, Freiheit der Wissenschaft usw. und auch dem Wunsch nach einer Verfassung, die auch die Macht des Monarchen beschränken sollte.

1848 wurde ausgehend von der Februarrevolution in Frankreich ganz Europa – mit Ausnahme von Großbritannien und Russland – von der Revolution erschüttert. Über Deutschland erreichte sie schließlich auch am 13. März 1848 Wien, wo es zu Demonstrationen der Bürger und Studenten kam, die ein Ende der Zensur, eine Verfassung (Constitution) und die Abdankung des Fürsten Metternich forderten. In den Vorstädten kam es zu Aufständen, woraufhin sich der Kaiser zum nachgeben gezwungen sah. Die Zensur wurde abgeschafft und eine Verfassung versprochen. Der verhasste Metternich floh nach England. Scheinbar hatte die Revolution gesiegt. Wobei der kleinere Aufstand in Prag bald niedergeschlagen wurde und in Ungarn die Revolution weiterging.

Weitere Spannungen

Auch in Wien war es noch nicht vorbei. Es gärte weiter und vor allem Studenten und Arbeiter zeigten sich – im Gegensatz zum Bürgertum mit dem Erreichten der Märzrevolution noch nicht zufrieden. Aber auch die Restauration formierte sich, um die Revolutionen zu unterdrücken. Zwar hatten die bürgerlich-liberalen Garden längst wieder die schwarz-gelbe Fahne am Stephansdom gehisst, bereits am 1. April hatten vom Dom die Farben der deutschen Einheit schwarz-rot-gold geweht, die schwarz-gelben Stadtgarden hatten die Lage aber nicht wirklich unter Kontrolle. Dem Druck der schwarz-rot-goldenen Vorstadtverbände konnten sie kaum noch standhalten. Zudem war es zur Entfremdung und Polarisierung der Garden gekommen. Während die Bürgerlichen Mitspracherecht an der Staatsverwaltung und den Finanzen wollten, war dies den Studenten zuwenig. Sich um das ängstliche Wirtschaftsbürgertum nicht scherend, verlangten sie Presse-, Rede-, Lehrfreiheit, Volksbewaffnung und eine Reform der Bundesverfassung.

Teile und herrsche, statt Einigkeit

Somit vollzog sich die Spaltung der Garden zwischen jenen der Innen- und jenen der Vorstädte, welche auch die Gegensätze zwischen dem (schwarz-gelben) bürgerlichen Liberalismus und der (schwarz-rot-goldenen) mittelständischen Demokratie widerspiegelten. Die Garden der Vorstädte, unter denen auch die Akademische Legion zu finden war, waren naturgemäß stärker. Zudem war es den Studenten gelungen, sich trotz ihrer Beteiligung an der Niederschlagung der Arbeiterunruhen der Unterstützung der Arbeiter zu sichern. In Ungarn zündelte die Habsburgerregierung und provozierte einen Bürgerkrieg zwischen Ungarn und Kroaten. Auch in Wien entzündete sich im Oktober wieder der Konflikt. Es kam zum Oktoberaufstand in Wien, der zu den blutigsten Auseinandersetzungen im Revolutionsjahr 1848 gehörte und der letzte Versuch einer Erhebung in Wien war. Obwohl sich der Konflikt am 6. Oktober an der Ungarnfrage entzündete, schwang doch die Frage pro oder contra Frankfurt bestimmend in dem Konflikt mit.

Kurze und schwere Kämpfe in der Innenstadt

Am 6. Oktober entluden sich schließlich die lange schwellenden Spannungen, als die Richter-Grenadiere zum ungarischen Kriegsschauplatz entsandt werden sollten. Teile des Regiments meuterten und sein Abmarsch wurde schließlich von den Revolutionären in blutigen Kämpfen an den Taborbrücken vereitelt. Als die schwarz-gelben Nationalgarden jedoch in der Innenstadt beim Stephansdom das Feuer auf die zurückkehrende Volksmenge mit Gewehren und am Graben sogar mit Kartätschen eröffnete, eskalierte die Lage vollends. Nach kurzen aber schweren Kämpfen war die Innenstadt von den Bütteln der Reaktion gesäubert. Vergeblich versuchten schwache militärische Einheiten das Kriegsministerium zu verteidigen. Doch das aufgebrachte Volk bemächtigte sich des Kriegsministers Theodor Graf Latour und „laternisierte“ ihn. Zudem wurde das Zeughaus am Rennweg gestürmt, wodurch die Revolutionäre in den Besitz zahlreicher Waffen kamen. Am 7. Oktober flohen Kaiser Ferdinand und sein Hof nach Olmütz. Auch der Großteil der Ministerriege und die Masse der schwarz-gelben Reichstagsabgeordneten verließen in den folgenden Tagen die Stadt.

Blutige Niederschlagung des Aufstands

Aber die erhoffte Unterstützung für die Revolutionäre blieb aus. Zwar war der Abgeordnete des Frankfurter Parlaments Robert Blum seit dem 13. Oktober in der Stadt und zeigte sich begeistert und zuversichtlich: „Wien ist prächtig, herrlich, die liebenswürdigste Stadt, die ich je gesehen; dabei revolutionär in Fleisch und Blut. Die Leute treiben die Revolution gemütlich, aber gründlich. Die Verteidigungsanstalten sind furchtbar, die Kampfbegier grenzenlos. Alles wetteifert an Aufopferung, Anstrengung und Heldenmut. Wenn Wien nicht siegt, so bleibt nach der Stimmung nur ein Schutt- und Leichenhaufen übrig, unter welchem ich mich mit freudigem Stolz begraben lassen würde.“ Doch faktisch war der Aufstand isoliert. Bereits am 10. Oktober waren die Truppen Jellacic’ vor Wien in Stellung gegangen und als am 21. Windischgrätz eintraf war die Stadt eingeschlossen. Als am 26. Oktober österreichisches und kroatisches Militär mit der Beschießung Wiens begann, war der Fall nur noch eine Frage von Tagen. Am 31. Oktober wurde die Stadt schließlich von Militär gestürmt, nachdem am 30. Oktober eine 25.000 Mann starke ungarische Armee, die sich nach langem Zögern entschlossen hatte, den Wiener Aufständischen zu Hilfe zu eilen bei Schwechat vernichtend geschlagen worden war.

Kerkerstrafen und Hinrichtungen

Nun folgte die Abrechnung. Viele der Revolutionäre wurden zu langen Haftstrafen verurteilt oder flüchteten ins Ausland. Robert Blum, der als Abgeordneter eigentlich Immunität genoß, wurde von einem Standgericht am Abend des 8. November zum Tod durch den Strang verurteilt, allerdings zum Tod durch erschießen begnadigt. Am 9. November, 9 Uhr, wurde das Urteil in der Brigittenau vollstreckt und Blum füsiliert. Im Währingerpark, dem alten Währinger Friedhof wo Blum beerdigt wurde, erinnert noch ein Gedenkstein an die letzte Ruhestätte des Abgeordneten. Doch die Ideale waren nicht tot, das Volk ließ sich nicht mehr in das Korsett pressen, welches die Herrschenden vorgesehen hatten und erkämpfte sich nach und nach seine Freiheit.

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