Sparguthaben sind nicht sicher

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Sparguthaben sind nicht sicher

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Wie krank ist unser Finanzsystem? Ein Interview mit dem Finanzexperten Dr. Herbert Samhaber (Kapitalmarktexperte und Fachgruppenobmann der Finanzdienstleister in der Wirtschaftskammer OÖ)

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Herbert Samhaber (li.) mit WKO-Präsident Rudolf Trauner (Foto: cityfoto.at)

Wochenblick: Die Staatsschulden in Österreich und den meisten EU-Ländern sind hoch. Die Europäische Zentralbank (EZB) pumpt durch Anleihenkäufe immer mehr Geld ins System. Eine Insolvenzmöglichkeit von Kärnten scheint gegeben zu sein. Steht Österreich vor dem Bankrott?

Samhaber: Staatsschulden sind solange kein Problem, wie die Gläubiger darauf vertrauen, dass die Staaten zahlungsfähig sind. Wirft der Staatshaushalt genug ab und sind die zu zahlenden Zinsen sind niedrig, sehe ich keine Gefahr, dass Österreich zahlungsunfähig wird. Österreich hat nach wie vor eine sehr gute Bonität. Dies könnte sich durch einen Zahlungsausfall von Kärnten ändern. Hier könnten Haftungen des Bundes sehr wohl schlagend werden.

Der Ausgang der Gerichtsprozesse wird darüber entscheiden.

Wochenblick: Kann Kärnten in Konkurs gehen?

Samhaber: Im Unterschied zu den Aussagen mancher Politiker sehen Rechtsexperten zumindest die Möglichkeit einer Insolvenz gegeben. Es könnten „die nicht lebensnotwendigen Teile“ des Landesvermögens unter den Hammer kommen.

Wochenblick: Müssen wir uns Sorgen um unser Erspartes machen?

Samhaber: Die meisten Österreicher erkennen nicht, dass sie nicht Eigentümer des Geldes auf ihren Sparbüchern sind.

Wochenblick: Wie bitte?

Samhaber: Sparbücher sind Wertpapiere! Das bedeutet, dass ich als Sparbuchinhaber eine Forderung gegen die Bank habe. Wenn die Bank zahlungsunfähig ist, greift ein neues Einlagensicherungssystem nur für Konsumenten bis zu 100.000 Euro pro Bank – der Staat haftet nicht mehr! Hält das System nicht, könnten Sparer im Extremfall bei einer Pleite von Großbanken leer ausgehen.

Wochenblick: Was halten Sie von der Diskussion um die Abschaffung des Bargeldes?

Samhaber: Ohne Bargeld würde Geld ausschließlich digital im Bankenkreislauf zur Verfügung stehen. Die Macht des Bankensektors und des Staates wäre unerträglich groß. Die (Noten-)Banken könnten durch Negativzinsen das Geld der Konsumenten entwerten, ohne dass diese die Chance hätten, ihr Geld in Form von Bargeld in Sicherheit zu bringen. Ohne Bargeld wären wir dem Finanzsystem hilflos ausgeliefert. Ich bin gegen eine Abschaffung des Bargeldes. In der Schweiz wird nicht einmal die Abschaffung des 1.000-Franken-Scheins andiskutiert. Anstatt des
500-Euro-Scheins wäre es besser über die Abschaffung der 1-Cent-Münze nachzudenken.

Dr. Herbert Samhaber

[email protected]

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