Südkärnten: Sogar die Slowenen stimmten für einen Verbleib bei Österreich

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Kärntner Volksabstimmung jährt sich zum 100. Mal

Südkärnten: Sogar die Slowenen stimmten für einen Verbleib bei Österreich

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Zum 100. Mal jährt sich heuer das Jahr der Kärntner Volksabstimmung. 59 Prozent der Bevölkerung Südkärntens haben sich am 10. Oktober 1920 für einen Verbleib bei Österreich entschieden, was diesmal auch groß gefeiert werden wird.

Von Kurt Guggenbichler

Mit dem seinerzeitigen Volksentscheid endete ein zweijähriger Kampf österreichischer und jugoslawischer Truppen, der gleich nach der Niederlage des österreichischen Kaiserreiches im Ersten Weltkrieg begonnen hatte.

Einmarsch der Gendarmen

Denn schon im Oktober 1918 machte der slowenische Nationalrat in Laibach seinen Anspruch „auf das ganze Gebiet des Herzogtums Kärnten“ geltend und schuf sofort harte Fakten: Am 5. November marschierten slowenische Gendarmen im Rosental und im Unteren Gailtal ein. Unter anderem besetzten sie die wichtigen Orte Ferlach, Völkermarkt, Lavamünd und St. Paul im Lavanttal.

Der neue jugoslawische Staat unter serbischer Führung, zu dem auch Kroatien (Hrvatska) und eben Slowenien gehörten – weshalb man vom sogenannten SHS-Staat sprach – wollte große Gebiete Kärntens annektieren, darunter auch die Städte Klagenfurt und Villach, die ebenfalls besetzt wurden.

Die Aufregung und die Angst vor den jugoslawischen Truppen waren im Land unter den Karawanken natürlich groß, zumal die Kärntner, die zunächst auch von Wien im Stich gelassen wurden, diesen Invasoren nichts entgegensetzen konnten. Aus diesem Grund war die Landesregierung in Klagenfurt nach Spittal an der Drau geflüchtet. Doch große Teile der Bevölkerung waren bereits wild entschlossen, Widerstand zu leisten.

Darüber wurde natürlich auch in der provisorischen Landesversammlung beraten. Aus Wien kam freilich die dringende Empfehlung, jegliche Aufmüpfigkeit zu unterlassen. Dieser Ratschlag wurde allerdings nicht aus innerer Überzeugung erteilt, sondern war der Not geschuldet, weil der SHS-Staat das hungernde Wien mit Lebensmitteln belieferte. Würde er damit aufhören, hätte sich die Not in der Hauptstadt von Restösterreich rapide verschlimmert.

Bewaffneter Widerstand

Doch darauf konnten die Kärntner keine Rücksicht nehmen. Zu dieser Zeit ging es um ihr eigenes Überleben und um ihre Heimat. Daher entschied sich die provisorische Landesregierung, die von „Landesverweser“ Arthur Lemisch geleitet wurde, für den bewaffneten Widerstand. Damit sollte einem weiteren Vormarsch des Gegners, der an Zahl und Ausrüstung weit überlegen war, Einhalt geboten werden.

Oberstleutnant Ludwig Hülgerth, der später noch Landeshauptmann und österreichischer Vizekanzler werden sollte, war der militärische Führer des Abwehrkampfes, Oberleutnant Hans Steinacher einer seiner Truppenführer.

In besonders gefährdeten Gebieten bildeten sich sogenannte Heimwehren, die zu einem Großteil aus altgedienten Soldaten bestanden, wie sich einige von ihnen 1960, anlässlich des 40-jährigen Jubiläums der Kärntner Volksabstimmung, erinnerten.
Auch große Teile der Kärntner Slowenen hatten damals nicht nur an der Seite der Österreicher gestanden, sondern sich auch am bewaffneten Widerstand aktiv beteiligt.

Feind in Bedrängnis

Der Widerstand, der dann mit Vehemenz erfolgte, überraschte die Jugoslawen. So konnte schon gleich nach Beginn der Kämpfe im Gailtal, am 5. Jänner 1919, Arnoldstein zurückerobert werden. Die Abwehrkämpfer drangen auch ins besetzte Rosental ein und holten sich Ferlach zurück.

Diese Entschlossenheit und der kämpferische Elan der Widerständler beeindruckte schließlich auch die Wiener, die den Abwehrkampf nun zu unterstützen begannen. Die SHS-Truppen gerieten allmählich immer stärker in Bedrängnis und stimmten am 14. Jänner 1919 einem Waffenstillstand zu.

Danach beschäftigte sich eine Kommission der Weltkriegssiegermacht USA mit den Gebietsansprüchen der Jugoslawen und legte sich schließlich endgültig auf den Gebirgszug der Karawanken als Südgrenze Kärntens fest.

Daraufhin war wieder Feuer am Dach im jugoslawischen Lager, das am 29. April 1919 den Waffenstillstand brach; am 28. Mai marschierten serbische Truppen in Kärnten ein. Die überlegene Streitmacht des SHS-Staates besetzte am 6. Juni Klagenfurt, worauf sich die Landesregierung erneut nach Spittal an der Drau absetzte.

Tag der Abstimmung

Doch diese dreiste Aktion der Serben hatte den Unmut der Alliierten hervorgerufen, weshalb weitere Eroberungspläne am 18. September 1919 ad acta gelegt werden mussten. Zusätzlich erboste den SHS-Staat die durch den Vertrag bestimmte und nun auf Kärnten zukommende Volksabstimmung, die für den 10. Oktober 1920 anberaumt war.

Das Ergebnis dieses Volksentscheids war ein überragender Sieg für die Widerstandskämpfer, für die Kärntner. Denn in der „Zone A“, in der zu 70 Prozent Slowenen lebten, stimmten 59 Prozent für einen Verbleib bei Österreich. Damit hatte sich auch jeder zweite Kärntner Slowene zur rot-weiß-roten Republik bekannt.

Durch dieses Ergebnis entfiel die Abstimmung in der Zone B, zu der auch Klagenfurt gehörte, weil dieses Gebiet eindeutig österreichisch war und ist.
Damit die SHS-Truppen das von ihnen besetzte Kärntner Terrain auch tatsächlich räumten, war noch ein wenig diplomatischer Druck nötig, doch am 22. November 1920 waren sie weg, erläutern Historiker.

Gebietsverluste

Ganz leer ausgegangen sind die Jugo­slawen freilich nicht, denn ihr Staat hat auch ohne Volksabstimmung, nach dem Vertrag von Saint-Germain, das Mießtal, Unterdrauburg sowie die Ortschaft Seeland bekommen. Das Kanaltal streiften die Italiener ein.

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