Eine Frage, welche mir Kunden, Partner, Interessierte und Freunde in letzter Zeit wieder öfter stellen, ist die zur Zukunft des Bargeldes und wie ich dazu stehe.

Dr. Herbert Samhabers Finanz-Check

Die Menschen reden, lesen und hören über die Entwicklung beziehungsweise eigentlich die Nicht­entwicklung des Bargeldes als Zahlungsmittel und reagieren – sagen wir mal nett ausgedrückt – unbehaglich darauf.

Eine aktuelle Studie der Boston Consulting Group (BCG), der Report Global Payments 2017, zeigt auf, dass die Österreicher „Cash-Fans“ sind und am Bargeld gerne festhalten.

Rahmenbedingungen

Gerade einmal eine Steigerung von 8,2 Prozent der jährlichen Transaktionen pro Kopf im Zeitraum zwischen 2010 und 2016 ist festzustellen. Österreich gehört damit zu den Schlusslichtern – neben den mediterranen Staaten Portugal, Spanien, Italien und auch – bemerkenswert – Deutschland. Aber warum ist das so?

Manche Experten gehen davon aus, dass dies an den Rahmenbedingungen im Banken- und Finanzdienstleitungssektor liegen würde. Denn in den skandinavischen Ländern Norwegen, Schweden und Finnland, aber auch in den USA und Australien, wären die vorherrschenden Umstände der Geldbranche andere und deshalb würden Menschen dort den bargeldlosen Zahlungsverkehr vorziehen.

Gefahr im Verzug

Es wird sogar abschätzig und negativ über die Rückständigkeit von „Bargeldländern“ gesprochen und, dass diese umdenken müssten, da ansonsten Gefahr im Verzug wäre.

Ich bin jedoch der Meinung, und dazu stehe ich und habe dies schon in diversen Stellungnahmen so von mir gegeben – und würde dies jederzeit auch wieder tun – Bargeld bedeutet Freiheit!

Privatsphäre bedroht

Ohne dieses wäre die Privatsphäre in Bezug auf Geld gänzlich aufgehoben. Wir würden den Banken und der Technik komplett ausgeliefert sein (was wir großteils schon sind).

Jegliches Bargeld müsste auf Konten eingezahlt werden. Die Menschen wären einer Art Kontozwang unterworfen. Außerdem hätten diese keine Möglichkeit Teile des Geldes außerhalb des Bankensystems zu halten.

Gesetzliche Absicherungsinstrumente

Im Falle eines großen Bankcrashes müssten wir uns auf gesetzliche Absicherungsinstrumente wie die Einlagensicherung verlassen, die wiederum mittlerweile ausschließlich bankenfinanziert ist.

Stellen Sie sich vor, ein Computervirus legt das elektronische Bankensystem oder zumindest das System Ihrer Hausbank lahm. Im schlimmsten Fall ist der Zugang zum Geld weg.

Im besten Fall können Sie nur kurz auf das Geld nicht zugreifen. Ohne Bargeld wären wir gegen Überweisungsspesen machtlos. Zahlungen könnten nur mittels Überweisung erfolgen. Dadurch wären wir Negativzinsen hilflos ausgeliefert.

Bargeld ist pure Vernunft

Das Festhalten an Bargeld ist daher aus meiner Sicht kein ewiggestriger Traditionalismus, sondern pure Vernunft. Die Menge an Bargeld in der EU ist übrigens beträchtlich: Mit Stand 31. Dezember 2016 waren 20,22 Milliarden Banknoten und 120,97 Milliarden Münzen im Umlauf – mit einem Gegenwert von 1.153 Milliarden Euro.

Im Vergleich zum Vorjahr stieg damit der wertmäßige Bargeldumlauf um 3,9 Prozent. Nach Schätzungen der Nationalbank sind übrigens noch Schillingbestände im Wert von 621,4 Millionen im Umlauf. Sollten Sie noch 500er mit Otto Wagner bzw. 1.000er mit Erwin Schrödinger besitzen, dann sollten Sie das Ende der Umtauschfrist für diese Banknoten am 20. April 2018 im Auge behalten.