Distance Learning, Schulschließungen, geschenkte Matura und keinerlei Sozialkontakte sind die Folgen der wirren Corona-Politik, die besonders Kinder und Jugendliche betreffen. Nicht umsonst steigt die Zahl Minderjähriger, die psychologische Betreuung brauchen, eklatant an. Aber nicht nur die Seele der Gegenwart leidet, sondern auch die – faktisch ausgesetzte – Bildung.

Von Franziska Bernhard

Unlängst diskutierten Vertreter der österreichischen Parlamentsparteien zum Thema. Während Neos-Bildungssprecherin Martina Sarre mit Sorge feststellt, dass die bereits jetzt vorhandene ungleiche Chancenverteilung noch weiter auseinander driftet, da nicht jeder gleiche Zugangsmöglichkeiten zu neuen Technologien hat, kontert ÖVP-Bildungssprecher Rudolf Tascher lapidar, man würde sich ja darum bemühen, mit Fördermaßnahmen in Höhe von 200 Mio. Euro dem Eklat entgegenwirken zu wollen.

Trägt ÖVP die Schuld?

Auch SPÖ-Jugendpolitikerin Eva Maria Holzleitner betont, dass vor allem die ungleiche Ressourcenverteilung gerade in der eigenverantwortlichen Bildung deutlicher denn je zum Vorschein komme. Schuld daran sei die ÖVP, die den Schulen, aber auch den betroffenen Schülern und Eltern die notwendigen Informationen meist viel zu spät und zu spärlich hat zukommen lassen. So wurde eine angemessene Vorbereitung auf die tiefgreifenden Veränderungen bis zum heutigen Tage deutlich erschwert.

Schule als sozialer Ort

Am meisten fehlt aber die Schule als sozialer Ort. Bildung ist weitaus mehr als das bloße Auswendiglernen von Fakten. Christiane Spiel von der Universität Wien betont, dass besonders „der strukturierte Tagesablauf, das Sprechen einer gemeinsamen Sprache und die Unterstützung durch Lehrer“ maßgeblicher Teil der Schulbildung seien, die jetzt aber seit Monaten de facto ausgesetzt ist.

Psychische Belastung

FPÖ-Bildungssprecher Hermann Brückl stimmt zu, wenn er vor allem die Schulschließungen als das größte Problem identifiziert. „Damit einhergehend gebe es ein Defizit sozialer Kontakte, Bildungs- und Lernrückstände sowie fehlende Motivation, was zu einer „psychischen und sozialen Belastung“ der Kinder führe. Daneben gelte es, den gesundheitlichen Aspekt zu beachten: Für viele Kinder und Jugendliche sei die einzige Möglichkeit, sich zu bewegen, die wöchentliche Schulsporteinheit, die es momentan nicht gibt. Die Eltern könnten all das nicht ersetzen und ihren Kindern in dieser Situation nicht helfen,“ so Brückl.

SPÖ sorgt sich wegen Hassnachrichten

Statt die Chancen der Digitalisierung zu nutzen und die Schulen mit funktionsfähiger Technologie auszustatten, sorgt sich die SPÖ dagegen eher darum, „den SchülerInnen Medienkompetenz zu vermitteln, wie man mit Hassnachrichten und Fake News umgeht.“ Offenbar hat man auch hier mehr Angst vor den Risiken der Digitalisierung als vor ihren Chancen.

Schlecht für das Selbstbewusstsein

Besonders die Schule als sozialer Ort fehle, so FPÖ-Brückl weiter. Wertevermittlung und gesellschaftliche Erziehung könne über den Computer aus der Ferne schlichtweg nicht erbracht werden. „Digitalisierung schafft es nicht, unsere Kinder selbstbewusst und mutig zu machen“ kritisierte der freiheitliche Politiker. Aber vielleicht sollen sie genau das auch gar nicht werden.

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