In letzter Zeit ist in der Bevölkerung eines sehr häufig festzustellen, dass die Menschen die Frage beschäftigt, wie sich die Schulden des Staates auf einen selbst auswirken können. Einerseits sind sie von der Frage zum Teil genervt und andererseits fehlt ihnen aber der Bezug zur eigenen Situation.

Ein Beitrag von diegeldretter.at

Die Medien sind jeden Tag voll mit dem Thema Staatsverschuldung und dies führt bei vielen Bürgern dazu, dass sie mittlerweile genug davon gehört haben und einfach abschalten.

Letzter Schuldenschnitt zu Ende des 2. Weltkriegs

Eng mit dem Begriff Staatsverschuldung wird in den Medien das Thema Schuldenschnitt diskutiert. Ein Schuldenschnitt ist aber etwas, das bei den meisten Menschen kein besonderes Bewusstsein auslöst, weil wir seit dem Ende des 2. Weltkriegs dieses Szenario in Österreich nicht erlebt haben.

Schwerwiegender würde sich ein Crash als Lösung des Staatsschuldenproblems auswirken, doch auch dieses Szenario ist in den Köpfen der Bevölkerung nicht besetzt.

Schlussendlich ist das Thema Inflation laufend in den Medien zu finden, dies löst ebenfalls keine Handlungen bei den Menschen aus.

Somit sind die Medien mit Informationen über die Staatsverschuldung voll, die Bürger sind abgestumpft, können aus den Informationen keinen Bezug zur eigenen Realität herstellen und verharren in Gleichgültigkeit.

Die Dimension der Staatsverschuldung

Wie enorm die Verschuldung der Staaten der Welt ist, kann man sich gar nicht mehr vorstellen. So betrug die Verschuldung der USA im Jänner 2020 22.432 Mrd. Dollar, der Schuldenstand Japans lag bei 10.939 Mrd. Dollar, Deutschland hatte 2.252 Mrd. Dollar Schulden, die öffentlichen Schulden Österreichs betrugen vergleichsweise lächerliche 323 Mrd. $. Aber ins richtige Verhältnis gesetzt und nüchtern betrachtet, können diese Zahlen einen in Angst und Schrecken versetzen.

Von der Größenordnung dieser Zahlen bzw. von deren Ausmaß haben die Menschen in der Regel keine Vorstellung. Aus diesem Grund wollen wir dies einmal mit einem Vergleich darstellen.

Ein Beispiel

Stellen Sie sich vor, ein Bürger Österreichs hat ein regelmäßiges monatliches Einkommen in der Höhe von 2.500 €, er muss seine Ausgaben in der Höhe von 2.000 € davon bedienen. Vom übrig gebliebenen Monatseinkommen spart er seit 20 Jahren die Hälfte und kommt somit auf einen Polster von 60.000 €. Zusätzlich hat er einen Kredit laufen über 30.000 €, weil er in der Vergangenheit in diverse Anschaffungen investiert hat. Die Situation stellt sich also graphisch folgendermaßen dar:

Wie man erkennen kann, hat der Bürger einen Ersparnisfaktor von 2, d.h., er kann 2 Jahre von seinen Ersparnissen leben, kann seine Ausgaben decken, egal was ihm geschieht, ob er arbeitet oder nicht und er könnte auch seinen Kredit zur Gänze auflösen. So sieht ein normaler Haushalt aus, der gut funktioniert.

Wenn wir das Bild vergleichen, mit dem, was der Staat Österreich in den letzten 70 Jahren getan hat, dann erkennt man den gravierenden Unterschied. Wir nehmen den Haushalt des Jahres 2019 als Vergleichsbasis.

Die Daten sind auf der Seite des Finanzministeriums abrufbar und stellen quasi die Gewinn-/Verlustrechnung des Staates dar.

Es ergeben sich dann folgende Werte: Staatsaufwendungen 81,9 Mrd. €, die Erträge liegen bei 79,6 Mrd. €, die Staatsschulden betrugen 280,3 Mrd. €.

Das bedeutet, dass der Staat in den letzten Jahren keine Ersparnisse gebildet hat, weil er regelmäßig mehr ausgegeben hat, als er eingenommen hat. Soll heißen, er produziert ein Defizit, das sich zwar in den letzten Jahren etwas abgebaut hat, aber trotzdem sind die Einnahmen geringer als die Ausgaben. Und somit werden Schulden aufgebaut, mit einem Schuldenfaktor von 3,5. Der Sparfaktor liegt andererseits bei 0. Dem Staat gelang es also in den letzten 70 guten Jahren nicht, irgendeinen Betrag auf die Seite zu legen und die Schulden damit zu reduzieren.

Wie soll/kann das funktionieren?

Die Frage ist nun, wie soll der Staat die Schulden zurückzahlen, wenn seine Einnahmen gerade nicht einmal die Ausgaben decken? Der Staat müsste 3,5 Jahre seine gesamten Einnahmen dafür aufwenden, um seine Schulden zurückzuzahlen. Gleichzeitig müssen aber die staatlichen Funktionen, wie Polizei, Verwaltung, Gesundheitswesen, etc., weiter aufrecht erhalten bleiben. Und deren Finanzierung benötigt weiterhin Geld.

Die Antwort lautet: der Staat tilgt alte Schulden, indem er neue Schulden aufnimmt!

Alle anderen Länder in Europa tun dies ebenfalls. Und die Zahlen der Verschuldung sehen bei den anderen Ländern zum Teil wesentlich dramatischer aus. Deutschland zum Vergleich, das Land, das sich der besten Kreditwürdigkeit rühmen darf, hat einen Schuldenfaktor von 7! Soll heißen, 7 komplette Staatshaushalte sind erforderlich, um die Staatsschulden abzutragen! Dass das unter normalen Umständen mit herkömmlichen Maßnahmen nicht klappen kann, liegt auf der Hand!

Vergleich privater Haushalt mit Staatshaushalt

Wenn man die Zahlen und Verhältnisse des Staatshaushalts auf unseren österreichischen Bürger überträgt, würde das bedeuten: die Ausgaben liegen bei 3.100 € monatlich, die Einnahmen bei 3.000 €, seine Ersparnisse wären bei 0 und seine Schulden betragen gemäß dem Schuldenfaktor von 3,5 105.000 €. Das heißt, er kommt mit seinen Einnahmen und Ausgaben nicht zurecht, hat keinerlei Mittel zur Verfügung, seine Schulden zurückzuzahlen und er hat deswegen in der Vergangenheit seinen Kredit ständig erhöht!

Wie würde man einen solchen Bürger nennen, der einen Schuldenberg von 105.000 € aufgebaut hat, ohne Möglichkeit den Kredit jemals abzubauen?

Er ist konkursreif oder pleite!

Das ist aber die aktuelle Lage, in der sich nahezu alle Staaten befinden, wenn man einen Privathaushalt mit dem Staatshaushalt vergleicht.

Wer hat all den Staaten das Geld geliehen?

Wer würde denn auf die Idee kommen, jemandem, der regelmäßig mehr Geld ausgibt, als er einnimmt, einen Kredit über das 3,5-Fache seines Einkommens zu geben?

Und die Antwort finden wir, wenn wir unseren Blick auf die eingangs erwähnten Staatsschulden werfen. Denn die Staatsschulden sind ja irgendwie finanziert. Wer gibt den Staaten immer wieder frisches Geld, ohne dass die bisherigen Schulden zurückgezahlt werden?

Seien Sie gewappnet: Die Antwort auf diese Frage erzeugt regelmäßig ein Unwohlsein!

Es sind Banken und Versicherungen, die den Staaten diese enormen Geldsummen zur Verfügung stellen.

Und jetzt werden diejenigen ein wenig nachdenklich werden, die ihre Ersparnisse Banken und Versicherungen anvertraut haben! Denn die meisten Menschen veranlagen bei Banken oder Versicherungen – in Österreich gibt es z.B. mehr Lebensversicherungspolizzen als Einwohner.

Lebensversicherungen investieren treuhänderisch das Geld ihrer Kunden. Und was machen die Versicherungen mit dem Geld der Kunden? Sie investieren den überwiegenden Teil der Kundengelder in Anleihen. Dieses Modell hat in der Vergangenheit recht gut funktioniert.

Institutionelle Anleger veranlagen in Bankanleihen und Staatsanleihen

Es stellt sich nun zunächst die Frage: Was ist denn überhaupt eine Anleihe?

Eine Bankanleihe ist ein Kredit für eine Bank. Sie geben einen bestimmten Betrag an eine Bank, erhalten ein Papier dafür, bekommen regelmäßig Zinsgutschriften und nach Ablauf der Laufzeit erhalten Sie den Betrag wieder zurück. So funktioniert eine Anleihe.

Und genauso verhält es sich mit Staatsanleihen. Staatsanleihen sind Kredite an den Staat. Staaten erhalten Geld von Anlegern, diese erhalten ein Papier dafür, ebenfalls regelmäßig Zinszahlungen und am Ende wird vom Staat der aufgenommene Betrag zurückgezahlt. Wer sind quasi die Sparer des Staates? Staaten nehmen Geld bei sogenannten institutionellen Anlegern auf und finanzieren sich damit.

Wer verbirgt sich hinter diesen institutionellen Anlegern? Es sind vor allem die Versicherungen, bei denen die Bürger ihre Ersparnisse veranlagen. Wenn Menschen ihre Ersparnisse über Fonds investieren, dann wird ebenfalls häufig in Staatsanleihen investiert. Denn viele Fonds kaufen Staatsanleihen als sichere Anlageform in ihre Portfolios. Somit sind neben Lebensversicherungen und Banken auch Fondssparer in Staatsanleihen investiert.

Damit kann die Frage beantwortet werden, wer all diesen Staaten so viel Geld geliehen hat: Wir sind es, die Sparer!

Staatsschulden sind Sparguthaben!

Die traurige Erkenntnis an dieser Stelle ist für viele Menschen: die Staatsschulden sind die Sparguthaben!

Die weltweiten Staatsschulden sind irgendwann zur Rückzahlung fällig und stellen die weltweiten Ersparnisse der Bürger bei Banken, Versicherungen und Fonds dar. Sprich die Weltschulden sind die Weltkundenvermögen!

Wie bin ich davon betroffen?

Damit schließt sich der Kreis und die Antwort auf die Frage „Die Schulden Österreichs – Wie bin ich davon betroffen?“ lautet: Es ist mein Geld – mein Geld auf der Bank, mein Geld bei der Versicherung, mein Geld bei Fonds!

Das Geld liegt bei diesen Institutionen. Und es ist nur sicher dort, wenn im Finanzsystem nichts geschieht! Doch angesichts der erschreckend hohen und mittlerweile ausufernden Staatsschulden ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass dieses Finanzsystem an seine Grenzen gestoßen ist.

Schuldenschnitt – die Lösung für Staaten und die Katastrophe für Sparer

Wenn in letzter Zeit häufig über einen Schuldenschnitt gesprochen wird, dann verbinden viele Menschen nichts Dramatisches damit. Doch dieser Fall wäre dramatisch! Denn ein Schuldenschnitt bedeutet automatisch auch einen Schnitt auf Seite der Sparguthaben!

Wenn einem Staat Schulden erlassen werden, dann sind vom Schuldenerlass automatisch auch die Vermögen der Sparer im selben Ausmaß betroffen. Der Staat bedient seine Rückzahlungen nicht mehr und der Sparer erleidet einen Verlust in der Höhe der nicht geleisteten Rückzahlungen. So einfach wäre es für Staaten ihre Schulden abzubauen und so schmerzhaft wäre es auf der anderen Seite für den Sparer.

Crash – die Lösung für Staaten und die Katastrophe für Sparer

Wenn sich die Situation weiter zuspitzen sollte, dass einer der Staaten gar nicht mehr zahlen kann, was bedeutet das dann für mich, der über Sparguthaben dieses Landes verfügt?

Die Sparvermögen lösen sich in Luft auf!

Was würde es für mich, als jemand, der über Sparguthaben verfügt, bedeuten, wenn sich die Euro-Zone auflösen würde? Was heißt es für mich, wenn die USA ihre Schulden nicht mehr bedienen könnten?

Wenn ein Crash kommt, ist unser Vermögen bei Banken, Fonds und Versicherungen mit einem Schlag aufgelöst! So wird die traurige Erkenntnis für jemanden aussehen, der sich über die Folgen eines Crashs keine Gedanken macht und nicht rechtzeitig handelt.

Inflation – die Lösung für Staaten und die Katastrophe für Sparer

Auch das Thema Inflation wird von den meisten Menschen nicht als Bedrohung für ihre vorhandenen Vermögen angesehen. Wenn die Zentralbanken weiter die Druckerpressen anwerfen und die Staaten ihre Probleme über Inflation lösen wollen, dann hat das automatisch Auswirkungen auf die Vermögen der Bürger. Die Wahrnehmung der Menschen diesbezüglich nimmt aber infolge ständiger Medienpräsenz von Thesen zur Inflation kontinuierlich ab.

Wenn aber die Staaten ihre Schulden durch Inflation reduzieren, verlieren im selben Ausmaß auch die Ersparnisse der Bürger an Wert. Der Kaufkraftverlust der Ersparnisse ist die Folge von Inflation. Und damit sind wieder wir, die Bürger, betroffen.

Fazit

Die Staatsschulden sind unser Vermögen. Und alle Maßnahmen, die zu einer zwangsmäßigen Reduktion der Staatsschulden führen, sei es ein Schuldenschnitt, ein Crash oder Inflation, betreffen unser Vermögen.

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