Es sind nur ein paar Worte auf Facebook, aber sie lassen tiefen Frust erkennen. Der Wirtschaftsstadtrat von Freistadt (ÖVP) kommentierte auf Facebook unter einem verzweifelten Posting eines anderen Wirtes: „Haben leider auch noch keinen Euro! Wenn wir solange unsere Abgaben nicht zahlen würden????“. Offenbar stimmen doch nicht alle Gerüchte, dass man die eigenen Parteifreunde zuerst versorgt. Quer durchs Land liegen immer mehr Nerven blank.

Informell hört man sowohl aus der ÖVP, aus der ÖVP-dominierten Wirtschaftskammer und anderen Bereichen, dass längst nicht alle mit dem Kurs der Bundesregierung unter Sebastian Kurz einverstanden sind. Unter der Oberfläche brodelt es, doch offiziell ist jeder auf Linie. Abweichler sind in der Partei nicht gerne gesehen, schon gar nicht wenn Kritik öffentlich geäußert wird. Im Zusammenhalt nach außen war die ÖVP schon immer Weltmeister.

Frust der Wirte

Umso erstaunlicher ist es, wenn gleich zwei ÖVP-affine Wirte auf Facebook kundtun, dass sie noch immer auf Corona-Hilfsgelder warten würden. Wochenblick hat nachgefragt. Der oben zitierte „Stoßseufzer“ stammte aus den Tasten von Clemens Poissl, Stadtrat in Freistadt. Er ist im Ausschuss I für Finanz- und Budgetangelegenheiten zuständig, im Ausschuss IX für kommunale Einrichtungen, Wasserversorgung, Abwasserbeseitigung, Wirtschaft, Tourismus, Forst, Landwirtschaft und Jagd. Neben seiner politischen Tätigkeit betreibt der sympathische Mühlviertler eine Café-Konditorei.

Lockdown-Hilfen bleiben bisher aus

Das Lokal ist eine Institution in Freistadt. Die traditionelle Konditorei bietet – zumindest außerhalb von Lockdown und Corona-Zeiten, feine Leckereien und prunkvolle Hochzeitstorten. Daneben gibt es einen Cafébetrieb. Auf die Frage, ob sich bei ihm schon ein gewisser Ärger wegen ausbleibender Corona-Hilfen breit gemacht hat, erklärte er, dass die Förderungen wohl diesmal „länger dauerten“. Es wäre diesmal wohl komplizierter, das Geld sei irgendwo hängen geblieben. Er sei aber zuversichtlich, dass es noch ankäme. Aus dem Gespräch ergab sich auch, dass es sich um die Zahlungen für den zweiten Lockdown handelt – für den ersten hätte alles gepasst.

Auf die eigenen Leute vergessen

Der Stoßseufzer Poissls erfolgte unter dem Quasi-Hilferuf eines anderen Wirts, Patrick Grubauer, auch bekannt als Hirschbacherwirt. Auch Grubauer scheint schon lange auf seine Corona-Hilfen warten zu müssen. Dabei dürfte auch er mit der ÖVP sonst recht gut stehen. Der freiheitliche Abgeordnete Peter Handlos kommentierte ebenso auf dieser Seite, er erinnerte mit einem Foto aus dem Sommer daran, auf dem Grubauer mit der ÖVP Abgeordneten Johanna Jachs posierte. Jachs freute sich damals darüber, „dass die jüngsten Maßnahmen bei den Betroffenen gut ankommen“. Damals war die Welt also noch in Ordnung – mittlerweile spüren aber auch die eigenen Parteigänger und Funktionäre, dass sie für die Kurz-ÖVP keine Priorität mehr genießen.