Nach seiner Befragung im Untersuchungssausschuss konnte der WOCHENBLICK dem Unternehmer und Mitgründer der SPÖ-„Sektion ohne Namen“ Niko Kern ein paar Sätze abringen. Er ärgert sich: Die ÖVP habe ihn nur geladen, weil er der Sohn des ehemaligen SPÖ-Bundeskanzlers ist, um von ihrem eigenen Skandal abzulenken, wie er sagt. Im Gespräch wirft er der ÖVP Korruption vor: Sobald ein Verdacht gegen die ÖVP aufkomme, würden die Medien ohnehin nicht berichten.  

Ein Interview geführt von Bernadette Conrads

Wochenblick: Sie waren heute zum U-Ausschuss geladen. Wie war es?

Niko Kern: Es war nicht nett, weil der Vorsitzende mutmaßlich befangen ist.  Sie wollten mich missbrauchen, um von den ÖVP-Skandalen abzulenken. Denn wie ich bereits in meinem Eingangsstatement gesagt habe: Das ist kein FPÖ-Skandal, sondern ein ÖVP-Skandal. Und die ÖVP hat mich geladen, sie versinkt im Moment in ihrem eigenen Korruptionssumpf und schlägt wahllos in alle Richtungen.
Und da mein Nachname Kern ist, haben sie versucht, mich als absurde Ablenkung durch die Manege des U-Ausschusses zu ziehen.

Wie wurden Sie dort behandelt? Kathrin Glock beklagte sich ja sehr über ihre Ladung. Waren die Parteien fair zu Ihnen?

Wie ich bereits festgestellt habe, ist es vollkommen unverständlich, dass ich überhaupt geladen wurde. Alle Parteien (die nicht ÖVP heißen) haben auch nicht verstanden, wieso ich geladen wurde. Die Fragen erschienen mir teils so nebensächlich, dass sich für mich wirklich nicht erschlossen hat, warum ich damit konfrontiert wurde. Bei der ÖVP war es so, dass wahrscheinlich 50% der Zeit über die Geschäftsordnung und die Angemessenheit der Fragen diskutiert wurde. Ich habe mich schon gefragt, warum die ÖVP mir und allen Anwesenden die Lebenszeit dermaßen stiehlt.

Und warum hat man Sie geladen?

Wegen meines Nachnamens, um vom Korruptionssumpf abzulenken. Wissen Sie, manchmal frage ich mich ja, ob ich  Skandinavier bin.

Warum das denn?

Na weil mich so viele Leute als Kern-Son bezeichnen!

*lacht* – Soweit ich weiß, wurde ihre Ladung doch mit einer Wette aus der Sektion ohne Namen (bei der Sie Mitglied waren) auf Neuwahlen im unmittelbaren Vorfeld der Ibiza-Enthüllung, begründet?

Das erklärt nicht, wieso ich geladen wurde. Ich habe seit Oktober 2018 nichts mehr mit der Sektion ohne Namen zu tun. Anscheinend hat einer aus der Sektion auf Neuwahlen gewettet. Ebenso sein Lebensgefährte, der übrigens eher ÖVP-nahe ist, soweit ich weiß. Die beiden haben gewettet. Von den Leuten die gewettet haben war also nur einer bei der SPÖ. Dass der andere ein ÖVP-ler war, das berichten die Medien nicht. Ich frage mich schon: Warum liest man nur, dass ein SPÖ-ler gewettet hat aber nicht dass ein ÖVP-ler gewettet hat?

Sie kritisieren den medialen Fokus auf Ihre ehemalige SPÖ-Sektion?

Man redet viel über diese Sektion, aber über den Umstand, dass der R.M. (Anm. d. Redaktion: Ibiza-Anwalt) in ebenjenem Haus wohnt, in dem eine CV-Verbindung ist, in der hochrangige ÖVP-Mitglieder verkehren, redet keiner! Das wird auch nicht berichtet.

Ihr Resümee zu Ibiza?

Ganz ehrlich, ich bin HC Strache dankbar für diesen Vodka Bull Abend, weil nur dadurch ist das Licht auf das wahre Gesicht der durch und durch korrupten ÖVP gefallen.