Dieser Versuch einer Inszenierung hat mehr Staub aufgewirbelt als es Sebastian Kurz lieb sein dürfte. Auf manche wirkte es äußerst befremdlich, dass die ÖVP Mittelberg auf Facebook um „Beflaggung“ und „Bekundungen“ warb. Es gab verwunderte bis negative Reaktionen von Links und Rechts. Die Ortspartei fühlte sich letztendlich „falsch verstanden“. 

Am Mittwoch, dem 13. Mai besuchte Bundeskanzler Kurz den Ort Mittelberg im Kleinwalsertal. Die Meister der Inszenierung ersuchten die Bevölkerung um „Beflaggung der Häuserfassaden“ und um „Bekundungen“. Dies erregte naturgemäß die Gemüter bei den Linken, die das Zeigen der Nationalflagge als nationalistisch und ewiggestrig ansehen. In den Kommentaren ist von „solch einem Mief“ die Rede. Andere fühlten sich in den Kommentaren heimischer Zeitungen an „längst vergangene Tage“ erinnert.

Wehende Flaggen vor Gebirgskulisse

Was Sebastian Kurz tatsächlich mit Patriotismus zu tun haben sollte, ist nicht bekannt. Bekannt ist dafür, dass die ÖVP nichts dem Zufall überlässt. Schöne Bilder für den ORF kämen den PR-Profis gerade recht. Was könnte es da Schöneres geben als eine „freiwillig“ jubelnde Bevölkerung vor der hollywoodreifen Kulisse wehender Flaggen und österreichischer Berge? Speziell jetzt, wo die Bevölkerung aufgrund der überzogen erscheinenden Corona-Maßnahmen zu murren beginnt und der Kanzler bei Umfragen erstmals sinkende Zahlen verbuchen musste?

Nordkoreanische Verhältnisse?

Besonders scharfzüngige Kritiker erinnerten an den Wirbel mit den bestellten Kinderzeichnungen für das ORF Radio Wien und an nordkoreanische Verhältnisse. Der Vorteil, Österreicher zu sein, dürfte aber immer noch sein, dass man nicht vor dem Hinrichtungskommando landet, wenn man „nicht begeistert genug“ klatscht. Ob wahrhaft begeistertes Klatschen vor einem reichlich beflaggten Haus bei der Auszahlung von Corona-Förderungen hilft, ist nicht bekannt – aber auch nicht auszuschließen.

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen …