FPÖ-Sozialsprecherin Ulrike Wall und LH-Stv. Manfred Haimbuchner stellten das innovative Vier-Säulen-Konzept der Freiheitlichen vor.

Es ist ein Thema, das viele Menschen nicht sofort am Radar haben – und doch wird es uns irgendwann alle betreffen. Entweder, weil geliebte Menschen ihren Alltag nicht mehr alleine bestreiten können – oder weil wir selber pflegebedürftig werden. Daher stellte der oö. Landeshauptmann-Stellvertreter Manfred Haimbuchner ein neues Konzept vor, wie die Pflege in Oberösterreich zukunftsfit gemacht werden soll.

Haimbuchner bedauert, dass der grüne Sozialminister die Präsentation einer Pflege-Reform „zu Lasten der Betroffenen immer weiter nach hinten“ verschiebe. Daher will er selbst ein Konzept vorstellen, das besonders den Bereich „Pflege daheim“ betrifft. Diese sei nicht nur die für den Staat günstigste Pflegeform – sondern auch noch jene, welche Betroffene am häufigsten wünschen. Und zwar mit Abstand: Einer aktuellen Studie zufolge wollen 98,5 Prozent der heimischen Senioren so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden bleiben.

Haimbuchner: „Einen alten Baum verpflanzt man nicht“

Gleichzeitig glauben nur 44 Prozent – also nicht einmal die Hälfte, dass sie sich diese Variante auch leisten können. Hier gelte es anzusetzen: „Die erste wesentliche Folgerung ist, dass unsere Senioren zuhause bleiben wollen, solange es geht. Ein Sprichwort sagt: ‚Einen alten Baum verpflanzt man nicht.‘ Hier ist die Politik gefragt, um diesen Wunsch zu ermöglichen“, so Haimbuchner.

Darauf gelte es weiter zu setzen: „Wir wollen jener Generation, die unsere Heimat durch ihre Leistung aufgebaut hat und der wir unseren Wohlstand verdanken, ein Altern in Würde in ihrem Umfeld ermöglichen.“ Hier müsse allerdings „eine stärkere Entlastung der pflegenden Angehörigen“ in Form von mehr Unterstützungsangeboten für alleinstehende Senioren her.

Vier-Säulen-Konzept für zukunftsfitte Pflege

Aus diesem Grund stellen die Freiheitlichen ein Konzept vor, das auf vier Säulen fußt: Hilfe bei der Aufgabenbewältigung, finanzielle Unterstützung, zeitliche Entlastung und Maßnahmen gegen Vereinsamung. Dies könne etwa durch den Ausbau mobiler Dienste und der Tagesbetreuungsmodelle, aber auch des Ehrenamts geschehen. Auch ein „Pflege-daheim-Bonus“ für die Angehörigen von Pflegebedürftigen, etwa durch eine höhere Pflegegeld-Einstufung bei Demenzkranken sei hierfür vonnöten.

Laut Haimbuchner ist die Pflege daheim ein Herzensanliegen seiner Partei: „Für uns Freiheitliche is Angehörigenpflege Ausdruck des familiären Zusammenhalts, den wir unterstützen. Familie steht für uns an erster Stelle.“ Hier gelte es die Leistung vor den Vorhang zu holen: „Wir wollen die Leistungsbereitschaft honorieren und die wertvolle Tätigkeit erleichtern. Die Pflegeleistungen werden in vielen Fällen unter erheblichem persönlichem Verzicht erbracht.“

Ehrenamt ausbauen, auf Bestand zurückgreifen

Vorstellen kann man sich – gerade im im ländlichen Raum – den Rückgriff auf bereits bestehende Infrastruktur. Man müsse etwa auf „innovative regionale Projekte unter Einbeziehung von Ehrenamtlichen“ setzen. Leerstehende Gebäude auf Bauernhöfen könnten zu (Tages-) Betreuungseinrichtungen umfunktioniert werden. Dasselbe gelte für stillgelegte Gastronomie und Beherbergungsbetriebe. Damit eröffne man auch ehemaligen Betriebsführern eine Zukunftsperspektive.

Damit die Senioren nicht vereinsamen, erwartet sich die FPÖ einen „verstärkten Ausbau von Strukturen für ehrenamtliche Besuchs- und Betreuungsdienste. Dies bedeute die Schaffung einer Alltagsbegleitung. Eine weitere Möglichkeit sei die Einführung einer vom Land geförderten „Alltagsbegleitung“ wie in anderen Bundesländern. In Oberösterreich wird dies derzeit nur für beeinträchtigte Personen angeboten, dies müsse aber auf alle Senioren ausgeweitet werden.

24-Stunden-Pflege unabhängig vom Ausland gestalten

Ganz wichtig war es Haimbuchner auch, herauszustellen, dass die Pflege von Ausland unabhängiger werden müsse. Dies betreffe insbesondere die 24-Stunden-Betreuung, wo derzeit 96 Prozent der rund 9.000 in Oberösterreich tätigen derartigen Betreuungskräfte aus Osteuropa kommen. Gerade die aktuelle Coronakrise habe aufgrund der Problematik mit der Einreise dies Abhängigkeit „drastisch vor Augen geführt“. 

Die FPÖ Oberösterreich will hier diese Abhängig reduzieren und gleichzeitig die Lücke zwischen der 24-Stunde-Betreuung und den mobilen Diensten schließen. Hier gelte es auch den jeweiligen Bedarf zu analysieren: „Nach der Devise ‚bedarfsgerecht statt überversorgt‘ fordern wir die Schaffung eines mehrstündigen Betreuungsangebots zuhause und eine Erhebung, in welchen Fällen gegebenenfalls diese statt einer Rund-um-die-Uhr-Betreuung ausreichen würde“, so Haimbuchner.

Auf Nachfrage des Wochenblick betonte der Landeshauptmann-Stellvertreter, dass auch in diesem Bereich der Rückgriff auf familiäre Strukturen ein wesentliches Element sein könnte, um die heimische Pflege zu stärken.

Wall: „Müssen jetzt an den richtigen Schrauben drehen“

Auch FPÖ-Sozialsprecherin Ulrike Wall betonte die Aktualität des Themas als auch die Notwendigkeit, bereits jetzt eine Vorsorge zu treffen: „Die Coronakrise hat die herausfordernden Umstände bei der Pflege daheim zusätzlich verschärft und viele Betroffene verunsichert. Wir wollen den auf fremde Hilfe angewiesenen Menschen wieder Sicherheit geben und wollen der Angehörigenpflege jenen Stellenwert einräumen, der ihr gebührt.“

Außerdem, so die Klubobmann-Stellvertreterin, gelte es, bereits jetzt Vorsorge für spätere Generationen zu treffen: „Prognosen sagen uns bis 2040 in Oberösterreich einen Anstieg der Pflegebedürftigen von 86.000 um 46 Prozent auf 125.000 voraus. Wir müssen jetzt an den richtigen Schrauben drehen, um das Pflegesystem nachhaltig zu sichern.