Wie der ORF berichtete, haben in der Ukraine bereits 44 bis 60 Prozent der Bevölkerung (Stand Jänner) Antikörper gegen das Corona-Virus. Das ergab eine Studie von 140.000 Antikörpertestungen. Im Juli des Vorjahres sei der Wert noch bei neun Prozent, im Oktober bereits bei 33 Prozent gelegen. Die Ukraine könnte damit bereits die Herdenimmunität erreicht haben.

Von Bernadette Conrads

Die Corona-Maßnahmen sind in der Ukraine nicht annähernd so streng wie in Österreich. So dürfen die Gaststätten dort nach wie vor täglich von sieben bis 23 Uhr geöffnet halten. Dabei ist das ukrainische Gesundheitssystem alles andere als führend. Dennoch zog das Corona-Virus offenbar ohne Massensterben durchs Land.

Das Ziel der Herdenimmunität

Interessant: Die Strategien der Regierungen zielen – soweit bekannt –  auf das Erreichen einer sogenannten Herdenimmunität ab. Ist sie erreicht, so sei unser Gesundheitssystem nicht weiter in Gefahr, so die Theorie. Die breite Immunität in der Bevölkerung kann einerseits durch durchgestandene Coronavirus-Infektionen und andererseits durch Impfungen erreicht werden. Problem: Es ist bisher jedoch nicht abschließend geklärt, ob eine längerfristige Immunität durch das Durchstehen einer Coronavirus-Infektion gegeben ist. Doch es ist ebenso wenig klar, wie stark der Schutz durch die Impfungen ist.

Immunologin: 50-70% Infektionen erforderlich

Gegenüber dem ORF gab die Immunologin Ursula Wiedermann-Schmidt von der MedUni Wien bereits im März 2020 Aufschluss darüber, ab welchem Prozentsatz eine solche Herdenimmunität beim Coronavirus erreicht sein könnte: „Hier müssten, damit man diesen Herdenschutz in der Bevölkerung etablieren kann, etwa 50 bis 70 Prozent der Bevölkerung die Erkrankung durchmachen, damit eine natürliche Immunität in der Bevölkerung entsteht“. Ab diesem Prozentsatz würde sich das Coronavirus nicht mehr weiter verbreiten.

Kann sich Ukraine den Impfstoff sparen?

Das ukrainische Gesundheitssystem leidet unter der schlechten, wirtschaftlichen Situation des Landes und ist mit westeuropäischen Standards nicht zu vergleichen. Die Impfstoffbeschaffung laufe schleppend. 1,9 Millionen Dosen habe man aus China angefordert, den russischen Impfstoff lehnt das kriegsgeschüttelte Land ab. Die Herdenimmunität sei so nicht zu erreichen, mahnte die ARD-Tagesschau unlängst. Dabei zeigt sich: Die Ukraine hat die Herdenimmunität wohl bereits erreicht oder steht – geht man von einem höheren, erforderlichen Immunitäts-Anteil aus – kurz davor. Insofern muss sich die Ukraine wohl keine Sorgen wegen des Impfstoffs machen.

Ukraine überstand Coronavirus ohne Massensterben

Das Coronavirus zog offenbar ohne große Zwischenfälle durch das Land. 23.000 Todesfälle wurden statistisch dem Coronavirus zugeordnet. Bei 41,5 Millionen Ukrainern ergibt das eine Corona-Todesrate von rund 0,06%. Im Vergleich dazu starben in Österreich bei 8,8 Millionen Einwohnern mit 8.000 offiziellen Todesfällen 0,09%, also mehr als in der Ukraine. Trotz des schlechten Gesundheitssystems haben die Ukrainer das Coronavirus offenbar ohne große Zwischenfälle so gut wie überstanden.