Eine Studie der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung ist ein Schlag ins Gesicht all jener, die Bahnfahren und Elektroautos für das Nonplus-Ultra halten und Fliegen sowie Verbrennungsmotoren wegen der CO2-Emissionen verbieten wollen. Denn die Studie betrachtet erstmals die Fortbewegungsmittel zusammen mit der notwendigen Infrastruktur. Und da sehen die Ergebnisse bei CO2 plötzlich ganz anders aus.

  • Bahn hat schlechte Bewegungseffizienz – Zugfahrten nicht so umweltfreundlich wie gedacht, Flüge nicht so umweltschädlich wie behauptet
  • Riesiger CO2-Ausstoß bei Produktion von E-Autos – viel größer als bei Verbrennern
  • Vollbesetzte Flugzeuge mit niedrigem Pro-Kopf-Anteil, zudem wenig Wartung nötig
  • Ganzheitliche Herangehensweise an Mobilitätsfragen gefordert

Man habe einen ganzheitlichen Ansatz zur Betrachtung wählen wollen, so die Macher der Studie „Ganzheitliche Ökologische Bilanzierung von Verkehrssystemen“ gleich zu Beginn. Denn derzeit wird kein Thema so emotional diskutiert, wie der „ökologische Fußabdruck“ der verschiedenen Verkehrssysteme. Doch bisher sei diese Betrachtung immer einseitig gewesen und hätte nur die CO2-Belastung untersucht, die aus der Antriebsenergie entstehen würde. Dies wäre jedoch ungenau, da bei der Bewertung auf das Klima auch die Infrastruktur, deren Bau und Wartung u. ä. zur CO2-Beastung beitragen können.

Infrastruktur und Bewegungseffizienz

Dafür hat sich in der Studie die KRBE GmbH gemeinsam mit der Institut für Mobilität an der Universität St. Gallen die Verkehrssysteme Schiene, Straße und Luftfahrt unter diesen Gesichtspunkten genauer angesehen. Dabei kam heraus, dass Bahnfahren nicht per se so umweltfreundlich und Fliegen nicht so umweltschädlich ist, wie allenthalben behauptet wird.

Dies vor allem, da durch den Bau von Bahntrassen Unmengen an Stahl, Kupfer und Beton benötigt werden, von dem Bau von Tunneln oder Brücken noch ganz abgesehen. Ebenso liegt dem Konzept Schiene die mit Abstand ungünstigste mechanische Bewegungseffizienz zu Grunde. Denn an jedem Bahnhof muss ein gewaltiges Gewicht abgebremst und anschließend erst wieder beschleunigt werden.

Versteckte Belastungen

Dies alles sind versteckte Belastungen, die die Verkehrssysteme ineffizient machen. Bau und Wartung von Bahntrassen schlagen ebenfalls zu Buche, wie die Herstellung des Verkehrsmittels an sich. So mag zwar der CO2-Ausstoß eines E-Autos geringer sein, als bei einem Verbrennungsmotor, aber das ist eben nur die halbe Geschichte.

Denn beider Produktion der Akkus eines E-Autos wird jedoch deutlich mehr CO2 freigesetzt als bei der eines bisher handelsüblichen Verbrenners. Und auch Öko-Strom hinterläßt einen ökologischen Fußabdruck, bevor er aus der Steckdose kommt. Sei es er Bau eines Atomkraftwerks oder die Herstellung, Aufstellung, Inbetriebnahme oder Wartung eines Windrades.

Auslastung wichtig

Interessant ist zudem die Transporteffizienz der einzelnen Verkehrsmittel, die die Studienmacher ermittelten. Zwar hat ein Flugzeug den höchsten CO2-Ausstoß den Antrieb betreffend, aber in der Regel im Durchschnitt eine höhere Auslastung. Daher wird pro beförderter Person die geringste Masse mitbewegt, lediglich 0,3 bis 0,5 Tonnen.

Bei PKW beträgt die mitbewegte Masse eine Tonne und bei Zügen 1,7 Tonnen. Zudem ist bei Flügen die Bewegungseffizienz günstiger, da lediglich beim Start beschleunigt werden muss. Auch eine Wartung der Infrastruktur – ausgenommen Flughäfen – entfällt.

Ablegen von ideologischen Scheuklappen

Die Studie kommt schließlich zu dem Schluss, dass eine einseitige Verteufelung eines bestimmten Verkehrsmittels nicht zielführend ist. Vielmehr sollten sie sich sinnvoller ergänzen und versucht werden, die Auslastung zu erhöhen. Die Fokusierung von E-Mobilität und Milliardensubventionen dafür seien seien wenig zielführend. Denn auch bei E-Autos ändere nichts an der Auslastung. Dasselbe vernichtende Fazit gelte für überhasteten Bau neuer Hochgeschwindigkeitstrassen für Züge oder der Bau von U-Bahnen.

Dies möge im ersten Moment zwar umweltfreundlich klingen, die ökologische Gesamtbilanz kann jedoch verheerend sein. Es sollte mehr auf die Stärken und Schwächen der Fortbewegungsmittel geachtet werden und zudem statt einseitiger Bevorzugung ein Wettbewerb gefördert werden, der in sinnvolle ökologische Bahnen gelenkt wird.

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