Friedliche Demonstranten bezeichnete er als „Mob“. Seine Sondereinheit „Lentos 400“ soll an Eskalationen bei Kundgebungen beteiligt gewesen sein. Nun ließ sich der oberösterreichische Polizeichef von der Kronenzeitung zum einfachen Parteimitglied kleinschreiben, das gerade mal Gemeinderat in Grein wäre. Damit habe man einen „FPÖ-Angriff“ gekontert.

In der viel gelesenen Samstags-Krone vom 20. Februar wurde ein großes Bild präsentiert, wo der oberösterreichische Polizeichef Andreas Pilsl im Jahr 2018 durch Herbert Kickl für 30 Jahre Diensterfüllung geehrt wurde. Im Text erklärte Pilsl, dass er keineswegs parteipolitisch motiviert handeln würde. Kritische Fragen finden sich in dem Text nicht. Diese würden sich aber anbieten. Dabei sollte, so viel Zeit muss sein, die Arbeit von Landespolizeidirektor Andreas Pilsl nicht generell herabgewürdigt werden. Doch die Frage nach der Parteinähe ist zulässig und sollte geklärt werden, darauf hat der Steuerzahler jedes Recht.

Mehrfach als Innenminister gehandelt

Tatsächlich war Andreas Pilsl schon mehrfach knapp davor, Innenminister der Republik zu werden. Der 1969 geborene Oberösterreicher leitet die Landespolizei seit dem Jahr 2012. Der karrierebewusste Spitzenbeamte wurde zuletzt im Jahr 2019 als Innenminister im viel zu wenig hinterfragten Interims-Kabinett „Bierlein“ gehandelt. Das war kein Geheimnis sondern ein offen diskutiertes Skandälchen:

Tiroler Tageszeitung: Kabinett Bierlein wird immer konkreter

OÖN: FPÖ stellte sich gegen Pilsl als Innenminister

Heute: Wird Polizei-Chef Pilsl der neue Innenminister

Liste JETZT: Pilsl als Innenminister untragbar

OE24: Streit um Innenminister entschieden

Dass man einen Polizeichef, der zumindest für das Kabinett Bierlein aber auch im Rahmen der türkis-grünen Bundesregierung sehr konkret als Innenminister im Gespräch war, nun zum „kleinen Gemeinderat“ stilisieren will, entspricht wohl nicht der journalistischen Sorgfältigkeit. Der Wochenblick hilft hier aber gerne nach und ergänzt die fehlenden Informationen.

Vehemente Pilsl-Kritik durch Peter Pilz

Widerstand gegen Andreas Pilsl als Innenminister gab es übrigens nicht nur seitens der FPÖ sondern auch vom ehemaligen Grünen Peter Pilz. Diese erinnerte daran, dass Pilsl bereits im Jahr 2003 intensiv in Geschäfte der ÖVP-Spitzenpolitik verwickelt gewesen wäre. Dies würde aus „Strasser-E-Mails“ hervorgehen, der als politischer Ziehvater Pilsls gilt. Der ehemalige ÖVP-Innenminister Ernst Strasser wurde im Jahr 2013 wegen Bestechlichkeit zu vier Jahren Haft verurteilt. Pilz erinnerte in seiner Aussendung ebenso daran, dass Pilsl auch im Jahr 2006 eine maßgebliche Rolle im ÖVP Wahlkampf spielte.

„Partei hat nichts mit Polizeifunktion zu tun“

Für die Kronenzeitung war hingegen folgende Aussage Pilsls ohne kritische Nachfrage publizierenswert: „Ich bin in Grein ÖVP-Gemeinderat, das war’s dann. Da geht es ausschließlich um das Zusammenleben in Grein und da möchte ich auch weiter meinen Beitrag leisten. Das hat Null damit zu tun, wie ich meine Funktion ausübe.“ Der Linzer Vizebürgermeister Markus Hein äußerte dazu im Jänner 2021 eine alternative Ansicht: Polizeidirektor agiert als ÖVP-Polizeisoldat. Möge sich dazu jeder seine eigene Meinung machen.

(WH)