OÖ: Wer gewinnt die Schlacht um Facebook?
Bild: Pixabay

Nicht erst seit dem Wahlsieg Donald Trumps sprechen Experten von einer Digitalisierung des Wahlkampfes und dem entscheidenden Einfluss sozialer Medien. Die Möglichkeit, unverfälscht, wechselseitig und ohne Umwege mit der eigenen Zielgruppe in Kontakt zu treten, lässt man sich auch hierzulande nicht entgehen. Und so werden Facebook und Co. zunehmend zur Hauptkampflinie des politischen Wettstreits. Nachstehend eine Analyse des oberösterreichischen Wahlkampfs.

Statistiken statt Umfragen

Meinungsforscher und -institute haben sich in den letzten Jahren regelmäßig als unbrauchbar erwiesen, annähernd genaue Wahlentscheidungen vorherzusagen. Neben der steigenden Anzahl unentschlossener Wähler, ist es vor allem die „Soziale Erwünschtheit“, die eine Verzerrung der Ergebnisse mit sich bringt.

Dieses Phänomen bezeichnet die Tendenz, bei Umfragen eine Antwort zu geben, von der die Befragten glauben, dass sie gesellschaftlich erwünscht sei. Gerade im Falle gesellschaftlich diskreditierter Parteien und Positionen ein häufiger Antwortfehler, der ganze Umfragen auf den Kopf stellen kann. Klarere Zahlen liefern da schon die einzelnen Werbetätigkeiten der wahlwerbenden Gruppen.

So sind alle oberösterreichischen Parteien mit einer oder mehreren Seiten auf Facebook vertreten. Doch während SPÖ und ÖVP sowohl eine Seite für die Landespartei, den -obmann und den -Spitzenkandidaten aufweisen, verzichtet die FPÖ auf eine Seite für die Landespartei und den -Spitzenkandidaten. Die Grünen wiederum auf die Seite für den Landes-Spitzenkandidaten und die NEOS auf die Seite des Landesobmanns.

Klarer Sieger: Manfred Haimbuchner (FPÖ)

Mit 97.016 „Gefällt mir“ (Stand 7. September) ist dabei die Seite des FPÖ-Landesobmanns Manfred Haimbuchner die klare Nummer eins. Deutlich abgeschlagen folgt ÖVP-Landesobmann Thomas Stelzer (Bild) mit 67.421 „Gefällt mir“-Angaben. Auf Platz 3 findet sich mit 26.351 „Gefällt mir“ die Seite der Landes-ÖVP.

Auf dem letzten Platz landet – mit nur 310 „Gefällt mir“ – die Facebook-Seite des Sozialministers Alois Stöger, die erst Mitte August eingerichtet wurde. Doch nicht nur quantitativ, auch qualitativ punkten die Freiheitlichen klar.

Analyse-Plattformen ermöglichen exakte Auswertungen

Mit 82.000 Reaktionen, Kommentaren und geteilten Inhalten seit 1. August hat die Seite von Manfred Haimbuchner deutlich mehr Interaktionen als alle anderen Seiten zusammen (21.709). Ein Werbewert, der sich messen lässt. 44.000 Euro soll die Facebook-Seite von Manfred Haimbuchner seit dem 1. August wert sein, während Birgit Gerstorfer mit 2.800 Euro und Thomas Stelzer mit 2.600 Euro den zweiten und dritten Platz der Rangliste einnehmen. So die unabhängige Analyse-Plattform fanpagekarma.com.

Die Netzseite politometer.at, welche die wichtigsten Facebook-Seiten Österreichs auflistet, positioniert Haimbuchners Facebook-Auftritt auf Platz 38. Die anderen verglichenen Seiten landen abermals weit dahinter – beginnend bei Platz 105 für die ÖVP Oberösterreich. Doch nicht nur was Reichweiten und Fananzahl anbelangt, unterscheiden sich die Facebook-Seiten voneinander. Auch inhaltlich fahren die Partei verschiedene Strategien, die sich in unterschiedlichen Inhalten, Themen und Werbestilen zeigen.

Emotional und professionell

Während die FPÖ mit emotionalen Beiträgen heimische Werte betont und auf Themen wie Einwanderung, Islamisierung und Mindestsicherung setzt, positioniert sich die ÖVP sachlicher. Unwetter, persönliche Bilder und Sportereignisse werden beispielsweise bei Landeshauptmann Stelzer thematisiert.

Während Stelzer und Haimbuchner größtenteils auf eigene Inhalte setzen, veröffentlicht SPÖ-Politikerin Birgit Gerstorfer auch häufig Artikel von Zeitungen, die sie nur kurz kommentiert. Das ist authentisch, aber in der Wirkung unprofessionell.

SPÖ und ÖVP: Kommunikationswandel verschlafen

Andre Taschner (Bild li.) ist diplomierter Social Media Manager. Für ihn sind die Zahlen keine Überraschung. „Wir beobachten seit Jahren die Digitalisierung des Wahlkampfes. Die FPÖ versteht es hier perfekt, die eigene Zielgruppe anzusprechen. Und das in einer Sprache, die klar und deutlich ist. Währenddessen haben andere Parteien wie ÖVP und SPÖ diesen Kommunikationswandel schlichtweg verschlafen.“

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