Seit 1999 packten immer wieder Opfer von Gewalt und Missbrauch am Gymnasium Schloss Dachsberg aus. Innerhalb von zwei Tagen wurden jetzt zwei weitere grauenerregende Vorfälle gemeldet. Eines der Opfer klagte nun auf 220.000 Euro Schadensersatz.

Schläge und sexueller Missbrauch durch den dortigen Salesianer-Orden standen am Gymnasium Schloss Dachsberg scheinbar an der Tagesordnung. Nachdem am Mittwoch der Vorwurf eines Missbrauchs-Opfers bekannt wurde, meldet sich heute ein 50-Jähriger zu Wort, der in den 80er Jahren massive körperlicher Gewalt von zwei Padres erdulden musste: „Eine Tür wurde durch die Wucht eines Faustschlags von Pater E. in mein Gesicht aus den Angeln gerissen und landete samt mir am Gang.” Hämatome und Mundwinkeleinriss waren die Folge. “Wegen angeblichem Schummelns musste ich im Winter im Pyjama am Gang sitzen.“

Klage auf Schadensersatz

Eine 220.000 Euro schwere Schadensersatzklage reichte ein 51-jähriger Mann ein, dessen Vorfall am Mittwoch an die Öffentlichkeit drang. Er wurde bereits von der Klasnic-Kommission als Opfer anerkannt, bekam jedoch nur 30 Therapiestunden und 15.000 Euro Entschädigung. Der Mann wurde am Gymnasium Dachsberg in den 70er-Jahren regelmäßig von Ordensmännern misshandelt und geschlagen. Einer der Täter soll sogar immer noch an einer Ordensschule in Essen arbeiten.

Grauenhafte Szenen

„Ich bin gezwungen worden, an privaten Religions-Nachhilfestunden teilzunehmen und habe dabei auf dem Schoß des Rektors und Lehrers Pater Josef B. sitzen müssen, der unter seinem Talar nackt war. Er hat mich unsittlich berührt und mich zum Oralsex gezwungen. Mir hat so geekelt vor dem Priester“, sagt das 51-jährige Opfer heute. Er erkrankte mit 22 Jahren an Kehlkopfkrebs. Da dies ungewöhnlich jung für die Krankheit ist, gingen auch die Ärzte von psychischen Ursachen aus.

Orden kontert mit Gegenklage

Der Salesianer-Orden kontert nun mit einer Gegenklage, weil der Vorwurf „nicht haltbar” sei. Das Opfer soll eine Konfrontation in Anwesenheit zweier „neutraler Personen” abgelehnt haben, so der in Wien ansässige Provinzial des Ordens der Oblaten, Thomas Vanek – das Angebot sei nicht angenommen worden. „Die angeblich neutralen Personen waren Kirchenangestellte. Die Kirchenbrüder wollen das krebskranke Opfer mit Gegenklagen nun einschüchtern, statt den Beschuldigten vom Dienst zu suspendieren. Die Beschuldigten werden von der Kirche gedeckt, es ist immer das gleiche Muster”, kontert Sepp Rothwangl von der Plattform Betroffener Kirchlicher Gewalt.

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