Diese Woche rührte der ORF angesichts der österreichweiten Demos gegen die Corona-Maßnahmen der Regierung wieder kräftig im Propaganda-Topf. Dabei nicht fehlen durften Einschätzungen einschlägiger „Experten“. Dabei suchte man auch einen Journalisten aus, der bereits mehrfach mit vulgären Ausritten gegen Demonstranten auffiel. 

Schon die Anmoderation des Kurzbeitrags ließ jede faktengebundene Neutralität vermissen. ORF-Moderator Tarek Leitner wetterte über „Demonstrationen, von Menschen die die Gefahren des Virus bestreiten und staatliche Strukturen infrage stellen“. Im fraglichen ZiB-Beitrag bezeichnete ein Sprecher des Innenministeriums diese sogar als „Corona-Leugner-Demos“ und behauptet, die federführenden Personen kämen „aus der rechtsradikalen Szene“.

Autor unterstellt Corona-Demos in ZiB Antisemitismus

Aber dem nicht genug, denn als einzige einordnende Instanz erkor man einen aus Oberösterreich stammenden Blogger, der sich in seinen Texten schon seit Jahren abfällig über Impf-Kritiker äußert. Daneben verdingte er sich mit teils mangelhaft recherchierten Artikeln über Akteure der patriotischen Zivilgesellschaft mit deutlicher Schlagseite. Nun durfte er für den ORF zur besten Sendezeit über die Maßnahmen-Demos hetzen, wo man ihn als „Autor und Szenebeobachter“ vorstellte.

„Der kleinste gemeinsame Nenner ist eine Totaloppositon und zu einem sehr großen Teil auch latenter oder manifester Antisemitismus“, behauptet der Mann. Dies zeige sich durch die Verwendung eines Judensterns mit „Ungeimpft“ durch einige Teilnehmer. Dabei kann der „Experte“ in sozialen Medien nicht verhehlen, dass er von seinem Objekt der Beobachtung gar nichts hält. Tatsächlich wird er zum Corona-Thema oft grob ausfällig, bezeichnet die Demonstranten regelmäßig als „Covidioten“.

Regelmäßige abfällige Bemerkungen über Kritiker

Ein besonders arger Fall ereignete sich erst am 27. Dezember, also zehn Tage, bevor ihn der ORF als Experten einspielte. Anlässlich einer Maßnahmen-Demo in Graz fantasierte er sogar über das Ableben der Teilnehmer. Er zitierte die Foto-Dokumentation einer nahe am linken Rand stehenden Seite und schrieb wörtlich: „Wenn die Verabschiedung aus dem Genpool nur ohne Kollateralschäden möglich wäre….“ Eine schriftliche Anfrage des Wochenblick, wie er sich dies konkret vorstelle, blieb bis dato unbeantwortet.

 

Ein andermal zeigte der ORF-„Experte“ als Reaktion auf einen offenbar satirisch gemeinten Gesang von Corona-Kritikern beachtliche Gewaltfantasien. Ob er Gewalt gegen Andersdenkende prinzipiell duldet oder gar gutheißt – und in welchen Fällen er diese für legitim erachtet – muss neuerlich mangels Beantwortung unserer Anfrage aber offen bleiben.


Im Kommentar auf ein Schild bei einer Maßnahmen-Demo in Linz bedauerte er einen Mangel an Exorzismus. Infolge seiner Nichtbeantwortung unserer Anfrage bleibt zudem unklar, wieso ein Mensch mit ethnologischer Bildung heimische Maskenbräuche mit religiösen Exorzismen verbindet.

 

Martin Rutter, der sich derzeit mit der Organisation des Widerstandspotenzials verdingt, unterstellte er indes, sich an „vorderster Front der Seuchenfreunde“ zu engagieren. Detail am Rande: Auch der behauptete „Angriff“ auf ein ORF-Kamerateam geht aus der Originalquelle nicht hervor. Man sieht einfach Menschen, die auf ihr Recht am eigenen Bild beharren wollen.

 

Feindbilder: Patrioten, Corona-Kritiker, Waldorfschulen

Es ist kein Einzelfall. Unlängst behauptete er, „kleine Aerosole und große Arschlöcher“ würden der Gesellschaft derzeit zu schaffen machen. Im Hinblick auf einen taz-Artikel, der die kritische Haltung von Waldorfschulen zu den Corona-Maßnahmen thematisierte, kommentierte er unironisch: „Waldorfpädagogik ist eine kriminelle Vereinigung“.

Im Bezug auf eine Maßnahmen-Demo in Salzburg verband der Autor seine Feindbilder „Rechts“ und „Waldorf“ sogar. Er bezeichnete die von ihm identifizierte, vermeintliche Schnittmenge als „Schaum, der im Kehrwasser von FPÖ und Waldorf-Ideologen entsteht“.

 

Tirade gegen Bioladen und Phantome

Ein andermal verriss er in einem Artikel den Besteller von Prof. Sucharit Bhakdi („Corona Fehlalarm?“). Dabei nutzte er die Gelegenheit, und versuchte dabei auch noch, einen kleinen, regionalen Bioladen mit anzupatzen. Wörtlich: „Dort gibt es nicht nur Tipps zu fair gehandelten Mandarinen vom Peloponnes und feinem Schafkäse aus der Region, sondern stets auch eine ganze Latte von knallhartem Covidioten-Kram.“ Nicht das einzige Mal, als er negativ über das Geschäft schrieb.

Und auch in mehreren Städten in Oberösterreich erstmals die „Phantome“ für Furore sorgte, suchte er nach Verantwortlichen für die kreative künstlerische Protestaktion. Anfänglich vermutete er fälschlicherweise die Identitären dahinter. Wenig neutral behauptete er: „Ich tippe auf ein Identiscum Spin Off.“ Für den ORF ist eine solche Wortwahl aber scheinbar das perfekte Bewerbungsschreiben als „Experte“…

 

Nicht immer die feine verbale Klinge

Auch sonst verliert der Schreiberling – Pardon, „Autor und Szenebeobachter“ – öfters die Beherrschung auf sozialen Medien. Einem Nutzer, den er wegen der Verwendung eines Pseudonyms anging, schrieb er: „Leck mich einfach am Arsch, du Trottel“. Auch gegenüber Kommentatoren anderer Medien wird er zumal ausfällig. Zumindest ersteren Tweet dürft der Journalist mittlerweile eigentätig gelöscht haben.

Ein Anrecht auf eine eigene Meinung hat jeder Mensch – ob man sich mit einer solchen Ausdrucksweise als „Experte“ für den mit Zwangsgebühren finanzierten ORF empfiehlt, möge jeder Leser für sich selbst beurteilen.