Das Osterfest wird heute gern als Hauptfest der Christen betrachtet. Den wenigsten dürfte jedoch bewusst sein, dass es schon viel älter und indogermanischen Ursprungs ist.

Ein Freilegen der heidnischen Wurzeln aus vorchristlicher Zeit erklärt die große Bedeutung dieses Frühlingsfestes im Jahreslauf und im Brauchtum: Wie Weihnachten ist es Teil europäischer Urtradition.

Unsere naturverbundenen Vorfahren feierten ihre Feste im Jahreslauf so, wie sie sich aus dem Naturgeschehen ergaben. Daher fällt Ostern immer auf den ersten Sonntag nach dem Vollmond, der auf die Frühlings-Tag-und-Nachtgleiche folgt. Damit ist erklärt, warum Ostern – im Gegensatz zur Sommer- und Wintersonnenwende (und damit Weihnachten) – jedes Jahr an einem anderen Tag begangen wird.

Im Osten geht die Sonne auf

Woher der Name kommt, wird unterschiedlich gedeutet. Sicher hängt er mit der Bezeichnung „Osten“ zusammen, denn in dieser Himmelsrichtung geht für die Menschen unseres Lebensraumes die Sonne auf. Und gerade im Frühling wird ja das nun wieder wärmer strahlende Sonnenlicht nach der langen Zeit der Kälte und Dunkelheit als lebensspendende Kraft besonders herbeigewünscht und begrüßt.

Jacob Grimm leitete durch philologische Vergleiche den Namen „Ostara“ (von „Eostrae“) für eine germanische Frühlingsgöttin her. In der vergleichenden Religionsforschung wird eine indoeuropäische Göttin der Morgenröte angenommen, wie die griechische Eos, die römische Aurora und die litauische Aušrinė zeigen.

Brennende Osterräder

Die Bräuche der Faschingszeit zeigen uns den Kampf zwischen Winter und Sommer/Frühling, den naturgemäß der Frühling gewinnt. Zum Abschluss wird der Winter als Hexe oder Strohpuppe (Stroh als Sinnbild des Toten, Unfruchtbaren) ausgetrieben, ertränkt oder verbrannt. Das Leben kann wieder erblühen…

Die Feuer, die am Funkensonntag (dem Sonntag nach Faschingsdienstag) auf den Bergen auflodern, sollen das Alte, Morsche vertilgen und reinigend wirken. In den verschiedenen deutschen Landschaften werden sie an unterschiedlichen Tagen abgebrannt bis hin zu den Osterfeuern. In manchen Gegenden rollen die brennenden Osterräder von den Bergen. Von den Feldern, über die die Räder rollen, verspricht sich der Bauer eine besonders gute Ernte.

Wasser des Lebens

Neben dem Feuer spielt auch das Wasser in all unseren Bräuchen eine wesentliche Rolle. Die drei Nornen sitzen am Lebensquell und bestimmen die Geschicke. In vielen unserer alten Märchen finden wir den Brunnen, denken wir nur an Frau Holle, Brüderchen und Schwesterchen, u.a. Die christliche Kirche hat die Bedeutung des Wassers für die Menschen des alten Europas erkannt und als Tauf- und Weihwasser in ihre Rituale einbezogen.

In den Städten ist es heute kaum noch üblich, Osterfeuer zu entzünden. Auf dem Land brennen sie noch gelegentlich auf einem nahen Berg oder einem besonderen Platz.
Die bekanntesten Sinnbilder der Osterzeit sind das Osterei und der Osterhase, beides Fruchtbarkeitssymbole. Das Ei ist die Quelle des Lebens überhaupt. Die Ostereier wurden früher ausschließlich rot gefärbt. Rot, die Farbe des Lebens, des Blutes und der Liebe, finden wir daher auch als Hauptfarbe in den überlieferten Trachten und volkskundlichen Stickereien.

Vom Hasen ist bekannt, dass er zahlreiche Junge zur Welt bringt (daher der Ausspruch „jemand vermehrt sich wie die Karnickel“). Damit ist er auch Sinnbild der Fruchtbarkeit und des Lebens. Gerade im Frühling werden die jungen Tiere geboren (Lämmer, Küken, Kaninchen…). Das christliche Symbol des Osterlammes hatte damit ursprünglich wohl eine ganz andere Bedeutung! Um Ostern herum kann man viele Feldhasen über die Äcker hoppeln sehen – der Osterhase ist unterwegs…

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