Es sei nicht das erste Mal, berichtete ein Priester in Lahore/Pakistan: die von der Regierung in der Corona-Krise bereitgestellte Nahrungsmittel-Hilfe wurde jetzt offenbar zum wiederholten Mal Christen verweigert. Mit der Begründung, dass diese nur für Muslime gelte. Christen beklagen in der Islamischen Republik Pakistan schlimme Diskriminierung aufgrund ihres Glaubens.

Eine Beitrag von Kornelia Kirchweger

Keine Menschenrechte

Ein lokaler Priester, der laut „Persecution.org“ seinen Namen aus Angst vor Repressalien nicht nennen wollte, berichtete von mehreren Anrufen pro Tag, in denen von ähnlichen Problemen erzählt wird. Vor einigen Tagen wurden über Moschee-Lautsprecher in Sher-Shah, einem Viertel von Lahore, Menschen aufgefordert, die von der Regierung bereitgestellten Nahrungsmittel abzuholen. Als Christen zum Verteilerzentrum kamen und ihren Personalausweis zeigten, wurden sie aufgefordert, die Reihe zu verlassen, denn die Nahrungsmittel seien nur für Muslime.

Im Punjab erging es über 100 christlichen Familien im Dorf Sandha Kalan so. Der örtliche Sheikh entschied, die Nahrungsmittel sollen nur an Muslime gehen, obwohl sie für alle Dorfbewohner von der Regierung kamen. Proteste vor Ort wurden ignoriert. Jetzt sammeln Menschenrechtsaktivisten bei liberalen Muslimen Spenden für Christen.

Ärztestreik niedergeschlagen

In Pakistan gibt es seit 21. März – voraussichtlich bis 14. April – Ausgangsbeschränkungen, um die Ausbreitung des Corona-Virus einzudämmen. Aktuell bestätigt wurden über 4.000 Corona-Fälle (Stand: 9. April). Die Hälfte davon im Punjab, dort wurden auch 50 Gefangene positiv getestet. Im Gefängnis von Lahore gibt es 20 mit Corona Infizierte. Insgesamt starben 58 Menschen an den Folgen des Virus. In Belutschistan streikten Ärzte, weil sie zu wenig Schutzkleidung haben. Sie wurden von der Polizei mit Gewalt verjagt, einige Ärzte wurden festgenommen.

Corona-Leid für Arme

Die Ausgangs-Beschränkungen haben vor allem für die Armen und Benachteiligten im Land schlimme Folgen. Dazu gehören auch die religiösen Minderheiten. Rund 45% der Bevölkerung in Pakistan leben unter der Armutsgrenze und verdienen ihren Lebensunterhalt von Tag zu Tag. Wegen der Corona-Maßnahmen haben die Tagelöhner keine Chance auf Arbeit, es wird bereits von Hungernden berichtet. Christen zählen generell zur ärmeren Bevölkerung. Sie haben – wegen ihres Glaubens – schlechte Jobchancen und leben zumeist in den Slums und Armenvierteln der Großstädte.