Ihre erschreckende Naivität und Gutgläubigkeit wurden einer 30-jährigen Australierin zum schlimmen Verhängnis: ihr pakistanischer Online-Freund lud sie zu Besuch nach Lahore ein, sperrte sie im Haus ein und vergewaltigte und erniedrigte sie monatelang.

Ein Bericht von Kornelia Kirchweger

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„Er kam zur richtigen Zeit in mein Leben“

Doch aus dieser schrecklichen Erfahrung wurde die junge Frau offenbar nicht klüger. Ihrem Martyrium endlich entkommen, schloss sie sich gleich wieder einer neuen Online-Bekanntschaft an.

Lara Hall aus Sidney stammt aus einer zerrütteten Familie und suchte, wie sie selbst sagte, immer nach Wärme, Anerkennung und einer Familie. Sie freundete sich mit einer Pakistanerin an, gab ihr Englischunterricht und ging in deren Familie aus und ein. Dabei lernte sie in einem Skype-Anruf auch den Bruder der Pakistanerin, Sajjid, kennen, verliebte sich in ihn. Lara und er begannen eine enge Facebook-Beziehung. Sajjid gab an, ein wohlhabender Anwalt zu sein und fünf Häuser zu besitzen.

Lara befand sich zu diesem Zeitpunkt in einem psychischen Ausnahmezustand – „Sajjid kam gerade zur richtigen Zeit in mein Leben“, sagte sie. Ihr Traummann hatte viel Verständnis für sie, wollte sie heiraten und ihr ein wunderschönes Leben bieten.

Monatelange Vergewaltigung und Erniedrigung

Im Frühjahr 2018 war es dann soweit: er lud sie zur Hochzeit seines Bruders nach Pakistan ein. Ohne ihn jemals getroffen zu haben, flog sie nach Lahore, sie kannte ja seine Familie in Sydney, glaubte sie. Statt in einer Villa landete sie in einem heruntergekommenen Gebäude, wo 20 Personen in fünf Zimmern lebten. Die Räume waren vermüllt und schmutzig. Anfangs erfand Sajjid Ausreden, schließlich gab er zu, dass er weder ein Anwalt sei noch eine Villa habe. Aber er wolle sie heiraten und sie solle zum Islam konvertieren, was sie ablehnte.

Sie wollte nur mehr weg. Ihr Visum war abgelaufen, Sajjid versprach, das zu regeln, das Haus dürfe sie nicht verlassen, sonst müsse sie ins Gefängnis. So hielt er sie monatelang fest, vergewaltigte sie regelmäßig, auch sein Bruder versuchte es. Er gab ihr kaum zu Essen, erniedrigte sie bei jeder Gelegenheit und verweigerte ihr auch die notwendigen Hygieneartikel.

Trotz Horror zieht sie zu neuem Online-Freund

Trotz mehrmaliger Kontaktaufnahme, erhielt Lara keine Unterstützung seitens des australischen Konsulats. Als Sajjid sie eines Nachts wieder mit dem „Auslöschen“ bedrohte, rief sie die Polizei. Sie wurde über Intervention eines wohlhabenden Geschäftsmannes, den sie kannte und kontaktiert hatte, auf die Wache gebracht. Er brachte sie in seinem Haus unter.

Von dort zog Lara nach nur zwei Wochen zu einem anderen Pakistaner, Rafi, den sie auch Online kennen gelernt hatte. Er fuhr mit ihr nach Islamabad, um ihr Visa zu regeln. Sie wurde zu einer Strafe von 400 US-$ verdonnert und sollte innerhalb von 10 Tagen das Land verlassen. Das Geld für den Flug konnte sie bei einer christlichen Organisation in Pakistan auftreiben, das australische Konsulat verweigerte erneut die Hilfe.