Unfassbar: Bei der traditionellen Zusammenkunft zwischen Papst Franziskus und 1.500 armen Menschen im November, bei einem großen Mahl gab es erstmals eine gravierende Änderung: Um Muslime nicht vor den Kopf zu stoßen, wurde die Lasagne Bolognese ohne Schweinefleisch zubereitet und es gab keinen Wein. Die muslimische Gemeinschaft freute sich über diesen „Lasagne-Dialog“.

Ein Bericht von Kornelia Kirchweger

Papst wollte es so

Monsignore Rino Fischella, Präsident des Pontifikalen Rates zur Förderung der „Neuen Evangelisierung“ kündigte die auf muslimische Gäste zugeschnittene kulinarische Innovation so an: „Da ist kein Schweinefleisch dabei, damit alle Gäste das ohne Problem essen können“. Laut der Zeitung Il Giornale sei dies der ausdrückliche Wunsch des Papstes gewesen. Das gemeinsame Mahl für arme Menschen wurde erstmals 2016 in Rom abgehalten.

Kirche verneigt sich vor dem Islam

Die italienische Zeitung La Verità bezeichnete das Vorgehen des Papstes als zutiefst anti-christlich. Die Schlagzeile lautete: „Kein Wein. Und die Kirche verneigte sich vor dem Islam.“ Erfreut berichtete hingegen die Zeitung „The Daily Muslim“: Papst und Islam im Dialog mit Lasagne. Papst Franziskus servierte Schweinefleisch-freie Lasagne…für jene, die dem Koran folgen. Papst Paul VI. stellte ein strenges Halal-Menü im Vatikan bereit.

„Willkommens-Tortellini“ für Migranten

Die Inspiration für sein Rezept holte sich der Papst vielleicht beim Erzbischof von Bologna, Kardinal Matteo Maria Zuppi. Dieser ließ letzten Oktober, anlässlich des Festes für den Heiligen Petronius von Bologna, Tortellini mit Hühnerfleisch füllen. Das Fest stand im Zeichen der Begrüßung von Migranten. So könne jeder das „Symbol von Bologna“ essen, hieß es aus der Diözese. Die Form der Tortellini erinnere an etwas, das alles umarme. Ebenso müsse der Kardinal über die Grenzen hinaus die ganze Welt umarmen. Viel Anklang fand das Multi-Kulti-Rezept aber nicht. Nur zwei oder drei Muslime kauften die „Hühner-Pasta“, einige Italiener aus Neugier.

Katholische Kirche unterstützt Ethik-Globalisierung

Die Hühner-Tortellini entfachten einen Shitstorm von allen Seiten. Sie wurden als Vergewaltigung der kulinarischen Tradition Italiens empfunden. Der Präsident des Tortellini-Verbandes rief zum Boykott auf. Denn die aus Bologna stammende Spezialität wird seit Jahrhunderten mit rohem Prosciutto und der aus Schweinefleisch erzeugten Mortadella gefüllt. Als „Anbiederung des Erzbischofes an Muslime“, empfand diese Aktion ein Kommentator in der Zeitung Corriere della Sera. Den in Bologna lebenden Juden sei man nie auf dieser Weise entgegengekommen (auch sie essen kein Schweinefleisch). Die Katholische Kirche unterstütze die Ethik-Globalisierung.