Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron weiß nicht mehr ein und aus: weil viele Migrantenviertel zu unkontrollierbaren No-Go-Zonen werden, soll jetzt die marokkanische Polizei eingreifen.

Ein Bericht von Kornelia Kirchweger

Massengebete in Migranten-Viertel

Vier Beamte werden vorläufig nach Paris geholt. Ihr Einsatzgebiet sind die Straßen des Brennpunktviertels Goutte d’Or, wo immer mehr minderjährige marokkanische Migranten die Szenerie beherrschen. Goutte d’Or hat sich schon vor Jahren „einen Namen gemacht“, als dort hunderte Muslime das französische Verbot von Massengebeten auf den Straßen ignorierten und ihre Gebete weiter öffentlich verrichteten.

Im Vorjahr wurde die Situation im Viertel des 18. Bezirkes explosiv: wegen der vermehrten Zuwanderung jugendlicher Migranten aus den spanischen Enklaven in Marokko, Ceuta und Melilla („Wochenblick“ berichtete). Sie leben auf der Straße und wollen eigentlich weiter nach Nordeuropa. Die Kriminalität stieg im Vorjahr sprunghaft an. Es gab 813 Festnahmen aus dieser Community.

Migranten identifizieren und ausweisen

Die zu Hilfe gerufene marokkanische Polizei soll einerseits helfen, die Kriminalität und „illegale Einwanderung durch organisierte Kriminalität“ einzudämmen. Sie soll aber auch die Migranten identifizieren, um eine Rückführung nach Marokko zu ermöglichen. Das Kooperationsabkommen dazu wurde im Juni zwischen den Innenministern beider Länder unterzeichnet.

Migrant: „Stehle Schmuck, um Essen zu kaufen“

So versammelt sich etwa eine Gruppe von 30 Jugendlichen regelmäßig vor dem öffentlichen Waschsalon. Der Bürgermeister des Viertels ist ratlos. Die Jugendlichen schlafen in Parkhäusern oder Parks, sie nehmen keine Unterkünfte an, sie seien es gewohnt auf der Straße zu leben.  Die Behörden tun nichts, zur Lösung des Problems, hieß es.

Der TV-Sender BMF hat einige von ihnen interviewt. Sie seien minderjährig und kamen aus Marokko über Spanien nach Paris erzählen sie. Der 15jährige Hamzid sagt: „Ich komme aus Tanger, ich habe mich in einen LKW eingeschlichen. Meine Eltern wissen, dass es mir gut geht, ich habe mit ihnen telefoniert. Ich stehle den Leuten Schmuck, um Essen zu kaufen“.

Brandbrief an Regierung

Den Leuten reichte es. Im Frühjahr haben 1.600 Bewohner von Goutte D’Or und anderen Brennpunktzonen, ein Schreiben an die Regierung gerichtet. Sie solle endlich die Probleme lösen, die durch minderjährige Migranten entstehen.

Eine Frau beklagte, ihre 15-jährige Tochter sei Ziel von Übergriffen durch Migranten-Gangs geworden. Eine andere Frau erzählte, sie sei mehrmals von Migranten aus einem Café verwiesen worden: Als Frau habe sie hier nichts zu suchen!