Was mit einem Polizeikessel begann, setzte sich in weiterer Folge mit Polizeihunden und Pfefferspray fort. Wir konnten die überharte Auflösung des Spazierganges hautnah miterleben und dokumentieren.

Da wähnten sich wohl einige Scharfmacher in den Reihen der Exekutive gänzlich von der Öffentlichkeit unbeachtet. Während die Kundgebung am Samstag zu einem Fanal des Widerstandes wurde, fuhren einige Einsatzkräfte in den Abendstunden eine gnadenlose Eskalationsstrategie gegen tausende Bürger, die sich entschieden hatten, friedlich weiter in der Wiener Innenstadt zu spazieren. 

Gerade einmal drei Plusgrade hat es noch, als diese Zeilen geschrieben werden – aber die Wiener Polizei hat kein Erbarmen. Seit mehr als einer Stunde halten sie die Menschen zu diesem Zeitpunkt schon in einem Polizeikessel auf Höhe des Schwedenlatzes fest. Keiner durfte rein oder raus – obwohl sie frieren, aufs Klo müssen oder einfach nur nach Hause wollen. Dabei kommt es auch immer wieder zur Anwendung von unnötiger Zwangsgewalt gegen die Bevölkerung. Wochenblick-Redakteurin Bernadette Conrads begleitete den Spaziergang und konnte einige der übelsten Szenen beobachten und dokumentieren.

Kessel, Hundestaffel, Pfefferspray

Zumindest so lange, bis sich die Beamten schließlich gegen 19 Uhr 15 entschieden, auch die Pressefreiheit mit Füßen zu treten und sie aus der Menge zu eskortieren, obwohl sie sich als Journalistin zu erkennen gab. Schon bei der großen Demo am 31. Jänner in Wien hatten einzelne Polizisten gezeigt, dass sie mit der kritischen Berichterstattung freier Medien keine Freude haben. Damals wurde der Chefredakteur des Magazins Info-Direkt „einkassiert“, als er die überharte Festnahme einer älteren Dame wegen eines angeblichen Maskenvergehens festhalten wollte.

Bis es so weit kam, spielten sich unfassbare Szenen ab. Denn die Polizei rückte mit einer Hundestaffel an und kesselte die Spaziergänger ein. Zumindest gegen einen Teilnehmer wurde – seiner Aussage zufolge ohne jegliche Vorwarnung -Pfefferspray eingesetzt. Er kämpfte gegen den Schmerz und erzählte dem Wochenblick, wie er die Situation erlebte.

Aggressives Auftreten, als Bürger aus Kessel wollen

Nach einiger Zeit, während der die Exekutive den Eingekesselten nicht gewährte, mit dem Einsatzleiter zu sprechen, gelang es einigen Personen aus dem eiskalten und schikanösen Kessel zu entkommen. Sie retteten sich in den Innenhof eines Wohngebäudes. Auch hier kannten die Beamten kein Pardon und rückten mit Schilden und Polizeihunden an.

Das Auftreten der Beamten war auch hier teils von massiven Aggressionen geprägt. Teilweise wurden Menschen von der Polizei niedergeschlagen. Mit der Dokumentation dieses Vorgehens hatten sie ebenfalls keine Freude, versuchten unsere Videoaufnahmegeräte wegzuschlagen.

Anstatt deeskalierend zu wirken, ging man einfach mit einiger Brutalität gegen friedliche Bürger vor – und forderte in der Folge, fast schon zynisch, Rettungswägen an, die sich dann um die Verletzten zu kümmern hatten.

Alles friedlich – und plötzlich hagelt es Anzeigen

Weswegen man dieses harte Vorgehen für nötig erachtete, ist vorerst unklar. Denn als die Spaziergänger sich bereits geraume Zeit im Kessel befanden, war die Stimmung noch unumwunden friedlich und positiv, wie ein Video beweist.

Allerdings hatte die Polizei bereits gegen 18:40 Uhr begonnen, pauschal die Identitäten der Beteiligten aufzunehmen, um diese in der Folge anzuzeigen. Die Maßnahme zog sich bis knapp vor 20 Uhr hin.

Wer befiehlt solche Einsatzstrategien?

Einem weiteren Außenreporter unseres Teams gelang es, bis zum Ende des Kessels vor Ort zu bleiben. Er berichtet davon, dass die Beamten mit vorgefertigten Formularen auf den Weg geschickt werden, auf denen bereits angebliche Verstöße vorab angekreuzt sind. In seinem Fall habe der Beamte dann mit sich reden lassen und wahrheitswidrige Details wie die fehlende Maskentracht wieder weggestrichen.

Dabei – und das ist wichtig zu erwähnen – kam unser Kollege auch mit Beamten ins Gespräch, die sich gegen Ende dann doch „tiefenentspannt“ zeigten. Dabei entschuldigten sie sich zum Teil für das Vorgehen. Einige davon pflichteten sogar bei, dass sie sich unter Herbert Kickl als Innenminister wohler fühlten als unter Karl Nehammer. Mit den Vorgaben hatten einige davon im Einzelgespräch keine Freude.

Demnach stellt sich die Frage: Auf wessen Geheiß müssen die Beamten sich zwischen die Regierung und dem Volk, aus dessen Mitte sie eigentlich kommen stellen, sich zwischen alle Mühlsteine begeben? Der Wochenblick wird lästig bleiben und von der LPD Wien erfragen, weshalb sie derart strenge Maßnahmen für notwendig erachtete, um einer Gruppe friedlich demonstrierender Bürger Herr zu werden und weshalb Polizeibeamten entgegen ihrer Moralvorstellungen nicht deeskalierend eingreifen sollen.