Wirtschaftskrisen und Inflationen gehen oft mit äußeren Einflüssen daher und sind meistens von diesen bedingt. Aber auch falsche wirtschafts- und fiskalpolitische Entscheidungen können Krisen hervorrufen. Für die meisten Menschen kommen Wirtschaftskrisen jedoch plötzlich daher, wie Naturkatastrophen, unvorhersehbar und nicht berechenbar.

Ein Bericht von Matthias Hellner

Denn wer beschäftigt sich schon – neben den Mühen des Alltags – mit Finanzpolitik, zumal ja auch die Experten selten einer Meinung sind. Zu viele Faktoren spielen eine Rolle, die selbst für ausgewiesene Experten kaum überschaubar sind. Hilfreich kann allerdings ein Blick zurück sein, schließlich sind die letzten Wirtschaftskrisen noch gar nicht so lange her.

EU-Griechenland-Rettung

Dass wir uns derzeit wieder einmal in einer Krise befinden, dürfte den meisten mittlerweile klar geworden sein. Denn die Auswirkungen des derzeitigen „Corona-Shutdowns“ sind nur schwer abschätzbar.

Und dies nach der Weltwirtschaftskrise ab 2007 und nur zwei Jahre, nachdem die EU die Anfang 2010 bekanntgewordene „Griechenland-Krise“ für beendet erklärt hatte. Damals stand Griechenland kurz vor dem Staatsban­k­rott.

Die Schulden summierten sich auf 350 Milliarden Euro. Das war fast doppelt so viel wie der Wert aller Waren und Dienstleistungen, die alle Griechen in einem Jahr erzeugen. Allerdings hatte Griechenland Glück.

Da der Euro durch die Staatskrise bedroht war, pumpte die EU bis 2018 insgesamt 289 Milliarden Euro nach Athen. Wäre diese Summe gleichermaßen auf alle anderen Mitgliedsländer der Eurozone verteilt, entspräche das knapp 900 Euro je Einwohner.

Die Geldmenge steigt

Derzeit gestaltet sich die Lage allerdings anders. Alle Volkswirtschaften sind heruntergefahren, und weltweit haben die Wirtschaften zu kämpfen. Es wird deutlich weniger produziert, und die Staaten verteilen zur „Krisenbekämpfung“ Geld, das sie nicht haben, für das sie neue Schulden aufnehmen müssen.

Dies geschieht in der Regel durch Staatsanleihen oder Schuldtitel, die von Banken gekauft werden. Dadurch steigt aber die Geldmenge, was etwa in den USA oder im Euroraum in den letzten Jahren auch schon der Fall war.

Problematisch kann es werden, wenn die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes zunimmt. Bisher war diese zwar stetig gefallen, dies könnte sich aber ändern, wenn die Menschen ihr Geld wie gewohnt ausgeben, dabei aber die Nachfrage auf ein verknapptes Güterangebot trifft.

Hyperinflation von 1923

Dies geschah etwa nach dem Ersten Weltkrieg in Deutschland, als der Staat immer mehr Geld in Umlauf brachte, um die Kriegsschulden und Reparationsleistungen zu bezahlen. Jedoch gab es für das Geld keinen materiellen Gegenwert.

Als dann 1923 Frankreich das Ruhrgebiet besetzte, rief die Regierung zum Generalstreik auf und zahlte die Löhne der Streikenden weiter – wodurch die Lage eskalierte. Aus der Inflation wurde eine Hyperinflation. Über elf Monate des Jahres lag die Inflationsrate bei über 50 Prozent, im Oktober sogar bei 29.525 Prozent. (Die höchste jemals erreichte Inflation mit einer maximalen monatlichen Rate von 4,19 Billiarden Prozent – eine Verdreifachung der Preise pro Tag – war 1945/46 in Ungarn).

Im November entsprach der Wechselkurs für einen US-Dollar 4,2 Billionen Mark. Das Geld war nichts mehr wert und wurde in Wäschekörben oder Scheibtruhen transportiert. Löhne wurden am selben Tag ausbezahlt, damit man wenigstens noch etwas davon kaufen konnte.

Erst mit einer Währungsreform gelang es, die Inflation zu stoppen. Die Verlierer waren die Beschäftigten und Sparer, deren Vermögen schmolz zusammen und war weg. Wer hingegen Schulden hatte, war saniert.

Argentinien vorm Bankrott

Aber es bedarf nicht unbedingt eines verlorenen Weltkriegs, um die Wirtschaft an die Wand zu fahren. Ein Beispiel dafür ist die Rezession 1998/99 und die darauffolgende Krise in Argentinien. Noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zählte Argentinien zu den reichsten Ländern der Welt.

Ab Ende der 1950er-Jahre führten jedoch häufig wechselnde Regierungen, die die Wirtschaft als ideologische Spielwiese betrachteten, zu einer Phase der Instabilität. Dies bewirkte, dass zahlreiche Wirtschaftskrisen das Land erschütterten.

Die zur Eindämmung der Krisen staatlich verordneten Stabilisierungsprogramme sorgten dabei für hohe Sozialkosten und eine hohe Inflationsrate der Währung. Der Versuch, den argentinischen Peso an den Dollar zu koppeln, stoppte die Inflation nur vorübergehend.

Der starke Dollarkurs Ende der 1990er-Jahre wirkte sich am Ende verschärfend aus. Schließlich musste Argentinien 2001, auch durch Probleme am Weltmarkt und die Weltwirtschaftskrise, fast den Staatsbankrott erklären.

Der argentinische Peso verlor 75 Prozent seines Wertes, die Immobilienpreise wurden um 90 Prozent entwertet. Nach anfänglicher Erholung der Wirtschaft war das Land aber noch lange nicht aus der Krise. Schon 2014 drohte der nächste Staatsbankrott – und die Verlierer waren wie immer die Bürger.

Misswirtschaft in Simbabwe

Ein weiteres Beispiel für erfolgreiche Misswirtschaft ist Simbabwe. 1980 unabhängig geworden, war es noch Anfang der 1990er-Jahre eines der wirtschaftsstärksten Länder Afrikas. Landwirtschaft, Bergbau und Tourismus florierten.

Eine korrupte Regierung und ein neues Wirtschafts- und Reformprogramm von Präsident Robert Mugabe schafften es jedoch innerhalb kürzester Zeit, das Land zu ruinieren. So gelang es, durch die Enteignung weißer Farmer und die Vergabe des Landes an Schwarze, die keine Ahnung von Landwirtschaft hatten, die Nahrungsmittelproduktion um 45 Prozent zu verringern.

Die Produktionsleistung sank um ein Drittel, die Arbeitslosigkeit stieg auf 80 Prozent und das Bankensystem kollabierte. Was folgte war eine Inflation, die 2007 in eine Hyperinflation überging – denn die Regierung druckte fleißig weiter Geld.

2009 musste schließlich die Landeswährung, der Simbabwe-Dollar, abgeschafft werden – mit einem Inflationswert von 231.150.888,87 Prozent, taugte sie nicht viel mehr als Spielgeld, zu kaufen gab es dafür jedenfalls nichts.

Versuche, den US-Dollar einzuführen oder eine neue eigene Währung zu schaffen, die stabil ist, scheiterten bis heute. Im März 2020 lag die Inflationsrate bei 676 Prozent – und durch die „Corona-Krise“ wird es sicher nicht besser.

Der Bürger zahlt die Zeche

Man sieht also, manchmal braucht es nicht viel, um das Fass zum Überlaufen zu bringen. Vor allem, wenn sich die Probleme, wie heutzutage, global auswirken.

Was auf die Wirtschaft in Europa und der Welt, und damit auf die Bürger, noch zukommt, wird sich erst noch zeigen. Allerdings ist blindes Vertrauen in die Politik wohl nicht uneingeschränkt angebracht – sonst zahlt wieder der Bürger die Zeche.