Wer braucht heute noch die Wirtschaftskammer? Diese Frage haben sich vor allem kleine und mittelständische Unternehmer schon in Vor-Corona-Zeiten oft gestellt und erst recht jetzt, nachdem das „kammerale“ System bei der Unterstützung seiner Klientel so eklatant versagt.

Ein Kommentar von Kurt Guggenbichler

Denn die Kammerfunktionäre schafften es nicht, dass das Geld aus dem sogenannten Härtefonds schnell und unbürokratisch floss, wie man es beim Zusperren des Landes versprochen hatte. Damit sind Glaubwürdigkeit und Kompetenz der Wirtschaftskammer verspielt.

Auch dies darf sich Bundeskanzler Sebastian Kurz auf seine Fahnen schreiben. Denn anstatt diese finanzielle Unterstützungsarbeit dem Finanzamt zu überlassen, wollte er unbedingt die Wirtschaftskammer mit dieser Arbeit betrauen und hat dieser von der ÖVP dominierten Säule der Sozialpartnerschaft damit einen Bärendienst erwiesen.

Oder hatte er den immensen Bürokratismus, der durch die Einbeziehung der Kammer zu erwarten war, bewusst einkalkuliert, um damit möglichst wenig Geld aus dem Staatssäckel bei den Empfängern ankommen zu lassen?

Doch der Zahltag wird uns allen nicht erspart bleiben, wenn sich die derzeit noch sanfte Pleitewelle ab Herbst zu einem Insolvenzen-Tsunami entwickeln wird.