Anschober erfreut über Bildungsgrad von Flüchtlingen

Anschober erfreut über Bildungsgrad von Flüchtlingen

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Vor Monaten kündigte Integrations-Landesrat Rudi Anschober an, dass mit den Flüchtlingen auch eine so genannte “Brain-power” nach Oberösterreich kommen würde. Am Freitag stellte er den “Qualifikationscheck” unter Asylwerbern vor. 25 Prozent sollen mindestens Matura oder sogar Universitätsabschlüsse haben. 

Neben “positiven Überraschungen” macht Anschober aber auch klar, dass es Gruppen mit sehr viel Handlungsbedarf gibt. Die Fragebögen (in deutscher Sprache) wurden von den Asylwerbern in den Einrichtungen gemeinsam mit den Betreuern ausgefüllt. Insgesamt wurden 5.220 Personen seit August bis Ende November 2016 befragt. Den Ergebnissen zufolge geben 30 Prozent an, keine Schulbildung zu haben.

Analphabeten hauptsächlich Afghanen

20 Prozent der Befragten gaben an, nicht im Heimatland alphabetisiert worden zu sein, 62 Prozent von diesen stammen aus Afghanistan. Die restlichen 80 Prozent sollen zumindest ordentlich lesen und schreiben können. Diese Angaben widersprechen jedoch anderen Einschätzungen massiv. Bildungsökonom Ludger Wößmann spricht in einem Interview mit der “Zeit” von zwei Dritteln der Flüchtlinge, die “kaum lesen und schreiben könnten” und wenn überhaupt nur für Hilfstätigkeiten einsetzbar seien.

Angaben kaum überprüfbar

Die Abschlüsse wurden nicht überprüft und sind auch kaum überprüfbar. Auf Nachfrage hält Anschober fest: “Es wird notwendig sein, dass es Verifizierungen gibt. Aber nicht nur bei Bildungsabschlüssen, sondern auch bei den Berufserfahrungen.” Dies soll festgestellt werden, indem Asylwerber bei einer Art “Schnuppertage” eine Arbeitsprobe in einem Unternehmen ableisten.

Anschober hält die Ergebnisse trotz allem für realistisch. Es wurden einerseits “Kontrollfragen” in die Fragebögen eingebaut, die eine Feststellung einfach machen würden. Darüber hinaus gäbe es einige Vergleichswerte aus Österreich (Salzburg) und Deutschland, die ähnliche Ergebnisse zu Tage gebracht hätten. Ob bei diesen Vergleichswerten auch die Abschlüsse nicht nachgeprüft worden, ist unklar.

AMS-Chef: 40% irakische Akademiker

Ein solcher Vergleichswert für den “Qualifikationscheck” des Landes Oberösterreich könnte etwa der “Kompetenzcheck” des Arbeitsmarktservice (AMS) sein, dessen Ergebnisse am Beginn des Jahres 2016 von AMS-Chef Johannes Kopf vorgestellt wurden. Diese weichen aber teilweise stark vom oberösterreichischen Ergebnis ab und zeigen deutlich mehr und höhere Bildungsabschlüsse unter den Flüchtlingen. Auch Kopf musste damals einräumen dass die Matura- und Universitätsabschlüsse der Flüchtlinge nicht nachgeprüft wurden, sagte aber überzeugt: „Warum sollten sie uns denn anlügen?“

Konfrontiert mit den Ergebnissen, bei denen eine 40-prozentige Akademikerquote unter Irakern und 29 Prozent Maturanten unter Syrern festgestellt wurden, gab sich Anschober glaubwürdig: “Ich schätze die Zusammenarbeit mit Kopf, halte ihn für sehr qualifiziert und gehe davon aus, dass das brauchbare Angaben sind.”

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